• Geburtstagsfoto fürs KuL
    Happy Birthday KuL!  (Tatjana Schnalzger)

Die Highlights aus zehn Jahren KuL

Zum 10-Jahre-Jubiläum wirft die KuL-Redaktion einen Blick zurück. Es waren spannende, erlebnisreiche, schöne und vor allem auch lustige Jahre. Wir haben in der KuL-Redaktion oft gelacht, was die kleinen Aufreger allemal wettmachte. Zum Geburtstag wünschen wir uns mutige, ja freche Projekte, über die zu schreiben es sich lohnt, und wieder mehr Tiefgang, um richtig in das Kulturleben abtauchen zu können.

1

Das KUL war noch kein halbes Jahr alt, als es das erste und bis heute einzige Mal verklagt wurde. Stein des Anstosses war  ein Hintergrundartikel über das am 7. Dezember 2005 abgebrochene «Max-Frisch-Haus» in Schaan. Eine KuL-Redaktorin beschrieb, wie das Haus als Landhaus von einer wohlhabenden Schweizer Familie in den 40er-Jahren in Auftrag gegeben wurde und wie Max Frisch es darauf als Architekt entworfen hatte. Das Landhaus galt als Mus-
terbeispiel für zurückhaltende Architektur mit klarer Formensprache. Der Familie gefiel das Haus aber von Anfang an nicht. 1992 sollte es abgebrochen werden. Ein langwieriges Hin und Her begann, denn erhaltenswürdig war die Rarität des architektonischen Schaffens von Max Frisch allemal. Die Hausbesitzer fühlten sich vom KuL persönlich angegriffen. In einem Vergleich musste sich das Vaduzer Medienhaus bei der Familie entschuldigen. Das «Frisch-Haus» wurde am Ende abgebrochen, im KuL lebt seine Geschichte aber weiter.

2

Es ist der Alptraum eines jeden Journalis-
ten: Der Interviewpartner sagt nichts Brauchbares oder noch viel schlimmer, er sagt gar nichts. Unvergesslich ist daher die Geschichte mit dem Künstler Jannis Kounellis, den eine KuL-Redaktorin im Kunstmuseum Liechtenstein treffen sollte, damit er über seine Ausstellung spricht. Die Redaktorin war wie vereinbart vor Ort und traf den Künstler, der gerade ein Glas Milch trank. Nach einigen Fragen vonseiten der KUL-Redaktorin sagte der Künstler ärgerlich, dass er sein Kunstwerk nicht erklärt. Punkt. Das stand dann auch im KUL. Punkt. Unvergesslich bleibt einer anderen Redaktorin auch das Interview mit einem Schriftsteller, der scheinbar gar kein Interview führen wollte. Mit Mühe und Not entlockte sie ihm zehn Minuten Gesprächsstoff, bevor sie aufgab. Immerhin – der Autor wollte mit ihr reden, war wohl nur etwas zu bescheiden, um Bände zu erzählen. Schlimmer sind diejenigen, die eigentlich gar nicht wollen – sich aber natürlich selbst beim KuL gemeldet haben!

3

Es sollte der Anfang von etwas Grossem sein. Im September 2008 zeigten Werner Marxer, Stefan Sprenger und Urs Sprenger die Installation «Zeropolis». Einzig ein Schlitz am Südportal des Kunstraums Engländerbau gab den Blick frei auf einen hell erleuchteten weissen Raum und von Leuchtkörpern erhitzte schwarze Metallplatten, die eine Art Zelt bildeten – für das Trio, das sich im Zuge der Installation «marxer X sprenger» nannte, die Stunde null. Was immer das zu bedeuten hatte, mussten sich die Betrachter selbst zusammenreimen. Die KUL-Redaktion machte sich auf die Suche nach Antworten, die überraschend, erstaunlich und witzig ausfielen. So witzig fanden «marxer X sprenger» es dann aber nicht. Eine KuL-Redaktorin wurde zum persönlichen Gespräch zitiert. Die Folge war ein weiteres Interview, ein neuer Erklärungsversuch. «marxer X sprenger» wollten als «Dienstleister», wie sie sagten, «Kunst erbringen» – «eigenwillig und verlässlich». Bis heute war es der einzige Auftritt von «marxer X sprenger».  

4

Das dritte KuL der Geschichte stand unter dem Motto «Courage» – Mut. Denn eins war von Anfang an klar: Das KuL sollte mutig sein, sollte Kritik üben, einen ehrlichen Blick auf die Kulturlandschaft werfen. Es ging gerade mal bis zum dritten KuL gut, dieses Mutigsein. Es zeigte sich, dass nicht alles, was als vermeintlich mutig und ehrlich daherkommt, auch gedruckt werden kann. Ein KuL-Kolumnist schoss über das Ziel hinaus und nutzte die Plattform für eine persönliche Abrechnung, die aber nicht gedruckt wurde – Mut hin oder her. In der gleichen Ausgabe hatte unser Kulturnagetier «s’Schwinta-Aale» seinen ersten Auftritt. Seit bald zehn Jahren verteilt es jeden Monat eine lobende «Aale» und eine kritisierende «Schwinta» – anonym. Heute wissen wir, dass das mutig war. Die «Schwinta-Aale» sorgten immer wieder für böse Telefonate. Erstaunlich war, dass sich all jene am lautesten aufregten, die eigentlich mehr Kritik hierzulande forderten. Der Mut, Kritik zu üben, hat uns dennoch nie verlassen!

5

In zehn Jahren hat das KuL so manches durchlebt, aber auch überlebt. Man spricht gerne von Nachhaltigkeit. In der Kulturszene ist aber längst nicht alles so nachhaltig, wie es angepriesen wird. Zahlreiche Projekte, die als «Viele-Jahre-Projekte» versprochen waren, hatten nicht den nötigen Schnauf. Allen voran das «Morgenland-Festival», das Liechtenstein enkeltauglich machen wollte. Mindestens ein zweites Festival war geplant, hätte es wohl auch gebraucht, um die Enkeltauglichkeit garantieren zu können. Das Projekt «Landesschreiber» schaffte immerhin zwei Austragungen, musste aber aufgrund diverser Skandale an den Nagel gehängt werden. Jahre später wurde doch noch einmal ein Schriftsteller eingeladen, der mehrere Monate im Land leben sollte. Er ist wohl frühzeitig abgereist. Zum Abschluss des Projekts oder gar zu einem Gegenbesuch kam es nie. Das hochgepriesene Kulturforum schaffte zwei Runden. Auch die TAK-Galerie oder die TAK-Bar sah das KuL kommen und wieder gehen. Schade!

6

Es gab in den vergangenen zehn Jahren Ausstellungen, die in vielerlei Hinsicht unvergesslich sind. Noch heute reden wir vom legendären BBKL-Labor, einem Projekt des Berufsverbandes Bildender Künstler/innen Liechtenstein. Vom 29. Januar bis 16. März 2008 war der Kunstraum Engländerbau ein Kreativlabor, in dem so manch Schönes, Wunderliches und Skurriles entstanden ist. Es war ein Erlebnis, das aber nicht nur positive Eindrücke hinterliess. Seither ist die Hausordnung des Kunstraums klar: «Kein Grillen im Ausstellungsraum!» Unvergessen auch die Ausstellung von Marti Braun im Kunstmuseum, wo ein ganzer Raum unter Wasser gesetzt wurde. Oder die Ausstellung «Loop» von Monika Sosnowska, die das Kunstmuseum in ein grosses, weisses Labyrinth verwandelte. Von den Besuchern und der Presse geliebt wurde auch «Rabbit Hole», eine Installation, in der man sich leicht verlieren konnte. Sicherheitstechnisch nicht ganz ohne, aber unglaublich spannend und lobenswert.

7

Um die «Liechtenstein Saga» kam auch das KuL nicht herum. Gross war das Tamtam um den Film, der Liechtensteins Geschichte in unter einer Stunde erzählen wollte. Nicht für den Liechtensteiner, selbstverständlich – auch wenn die gesamte illustre Prominenz in der Premiere-Vorstellung sass. Nein, nein, ein Film fürs Ausland sollte es sein. Der einmal ein anderes Bild von Liechtenstein zeigt, weitab von allen Klischees. Wer den Film gesehen hat, mag sich vielleicht wundern, welches Klischee über Herr und Frau Liechtensteiner denn nun eigentlich nicht bemüht wurde – aber das ist eine andere Geschichte. Gross war also das Tamtam, und noch grösser die Reaktionen auf jegliche Kritik, die sich die KuL-Redaktion beim besten Willen nicht verkneifen konnte. Und gross war der Ruf nach Berichterstattung – ausschliesslich hochjubelnder natürlich. Doch dann wurde es plötzlich still. Dann nämlich, als die Frage gestellt wurde, wo der Film fürs Ausland denn nun im Ausland zu sehen sein würde. Bis heute ist die Antwort ausgeblieben.

8

Es mag schockieren, aber: auch die KuL-Redaktorinnen und -Redaktoren sind nicht allwissend! Ja, wir geben es an dieser Stelle zu. Und so kann es denn schon einmal vorkommen, dass man am Telefon einen berühmten Musiker und Performer fragt: «Ach so, sie spielen auch mit?» Naja, zugegeben, wir sind es uns halt auch nicht gewöhnt, dass berühmte Künstler gleich selbst anrufen. Meist übernimmt das eine PR-Agentur, die dann erst einmal eine Viertelstunde vorschwärmt, dass dieser Anlass einzigartig ist, und der Künstler der einzig Wahre, und überhaupt müssen wir uns doch glücklich schätzen, überhaupt nur in die Nähe solcher Persönlichkeiten treten zu dürfen. Die KuL-Redaktion nickt dann jeweils brav, meint «Aber ja, natürlich, der ist ja in aller Munde» – nur um ab und zu nach Ende des Telefonats schnell in die Tasten zu hauen und das allwissende Google zum Thema zu befragen. Das kann dann zu Schamesröte ob der eigenen Unwissenheit führen – manchmal aber auch nur zu einem erleichterten Lachen.

9

Da die KuL-Redaktorinnen und -Redaktoren alle auch bei der Tageszeitung «Liechtensteiner Vaterland» arbeiten, könnte man meinen, sie seien sich Stress und Termindruck gewöhnt. Sind sie auch. Ein Zuckerschlecken ist das Schreiben für ein monatlich erscheinendes Magazin allerdings trotzdem nicht. Vor allem, wenn man dabei auf die Beiträge von externen Lieferanten angewiesen ist. Da geht jeden Monat ein E-Mail herum mit den Abgabeterminen – die übrigens jeden Monat in etwa die gleichen sind. Trotzdem flattert regelmässig nach Abgabeschluss noch die eine oder andere E-Mail rein mit der Frage: Bis wann muss ich jetzt schon wieder liefern? Es kann auch vorkommen, dass am Freitag vor Erscheinung noch das Telefon klingelt und jemand uuuunbedingt noch ins nächste KuL will – das allerdings schon lange in der Druckerei liegt. Gedruckt wird nämlich am Donnerstagmorgen – wenn das Korrektorat, die Grafik und die Redaktion regelmässig zähneknirschend am Computer sitzen und auf den letzten Beitrag warten.

10

Das mit dem Gegenlesen, das ist so eine Sache. Grundsätzlich sind die KuL-Redaktorinnen und -Redaktoren ja froh, wenn ihre Beiträge fehlerfrei sind. Missverständnisse sind schnell passiert – daher spricht auch nichts dagegen, einen Text zur Sicherheit nochmals lesen zu lassen. Manchmal gehen die Vorstellungen über den Zweck des Gegenlesens allerdings weit auseinander. Etwa, wenn jemand kurzerhand ein ganz anderes Interview zurückschickt, als das eigentlich geführte. Da fragt man sich dann, warum man überhaupt miteinander geredet hat. Auch mit Porträts ist das so eine Sache. Da kann der Redaktorin schon einmal ein Zopf ins Auge stechen, der so gar nicht ins künstlerische Konzept einer Kulturinstitution passt. Oder jemand hat das eigene Porträt im Kopf schon fertiggeschrieben, so dass das journalistische Endprodukt dem Vergleich unmöglich standhalten kann. Interessant auch, wenn schriftliche Aussagen nochmals gelesen werden wollen – vielleicht sollte man das einfach tun, bevor man sie abschickt?

 

28. Sep 2015 / 13:04
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistgelesen
25. August 2017 / 06:00
05. September 2014 / 15:13
Aktuell
25. August 2017 / 06:00
25. August 2017 / 06:00
30. Juni 2017 / 10:23
30. Juni 2017 / 10:18
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...
Wettbewerb
Schloss Vaduz
Zu gewinnen 1 Ravensburger Puzzle Schloss Vaduz
28.09.2017
Facebook
Top