• Vernissage Matthias Frick Break Dancing Robot Player im Pfrundha
    Matthias Frick † gemeinsam mit Vernissage-Rednerin Christiane Meyer-Stoll bei der Eröffnung seiner Ausstellung in den Pfrundbauten in Eschen.  (SDB Beham)

Ein aussergewöhnlicher Künstler fern jeder Norm

Es ist Kunst, die aus dem Rahmen fällt. Und dann irgendwie doch nicht. Die meisten Bilder von Matthias Frick † sind wie Briefmarken von einem gezahnten Rahmen umgeben. Es ist eine einzigartige und zugleich positiv naive Kunst, die mit Matthias Fricks frühem Tod keine Fortsetzung mehr findet.

Begonnen hat Matthias Fricks Leidenschaft fürs Malen schon sehr früh, als er bei seiner Grossmutter auf alte Kartons kritzelte und sie damals zu ihm sagte: «Das gibt mal einen Künstler!» Seine ersten Bilder malte er mit Mutters Eyeliner auf Karton, bevor er in den frühen 80ern die Kunstschule in Zürich besuchte, wo er einige grossformatige Bilder malte. Er wechselte jedoch rasch wieder auf kleinformatige Bilder und schuf Tuschzeichnungen, die er ausstellen und erstmals verkaufen konnte. Nach einer Zwischenphase ohne künstlerisches Schaffen begann Matthias Frick 1993 im HPZ zu arbeiten, wo er ins Atelier wechseln konnte, erste Auftragsar-beiten bekam und schliesslich den Weg zu seinem Art-Brut-Stil fand.

Eigene Kosmologie geschaffen
In seinen Bildern finden sich bestimmte Figuren immer wieder – die Elemente Feuer und Wasser, die Entstehung des Universums wie auch der elektrische Strom. «Er betrachtete die Welt äusserst genau und zugewandt und reflektierte sie auf seine eigene Weise, die einem neue Einsichten erlauben», beschreibt es Christiane Meyer-Stoll. Die Malereien beinhalten Figuren, Tiere, Linien und Ornamente, welche auf den ersten Blick dicht aneinander und wild durcheinander erscheinen. Jedoch unterliegen diese einer Thematik, mit welcher sich Matthias Frick auseinandersetzt. Aus diesen Figuren schafft der Künstler Zusammenhänge, die jeweils in Theorien münden. «Allem Dargestellten gab Matthias Frick seine eigene Aura, seinen besonderen Raum und sie fügten sich in seine Kosmologie», sagt Christiane Meyer-Stoll über Matthias Fricks Theorie. Und weiter: «Die Kosmologie von Matthias Frick ist gewachsen über die Jahre und sie besitzt neben einer farbenfrohen Reichhaltigkeit und Detailfreudigkeit und neben seinem alles durchdringenden Humor eine Weltansicht, die sich nicht nur über die Dualität der Welt Gedanken macht, sondern auch über ihre Kreisläufe.» 
Oft geht es in seinen Theorien auch um die Verschmelzung von Männlichem und Weiblichem. Er stellt dabei seine sogenannte Männerästhetik der Frauenästhetik gegenüber, wobei sich das Männliche in der Technik oder geistigen Errungenschaften widerspiegelt, während das Weibliche im Körper und der Natur oder dem Wachstum zu finden ist. In seinen Werken verknüpfen sich viele persönliche Gedanken mit einem tiefgründigen Nachdenken über die Gegebenheiten der Welt, was schlussendlich zu einer ganz persönlichen Kosmologie des Künstlers führt. «Ich war und bin immer noch fasziniert von seiner Welt, seinen eigenen Welten, die er auf Papier gebracht hat», sagt Galerist Elmar Gangl über Matthias Fricks Arbeiten.

Als Künstler lange Zeit verkannt
Meist hörte Frick beim Malen Radio und liess sich von der Musik inspirieren. Strich um Strich, Detail um Detail entstanden so verflochtene Bilder mit Zeichen, Figuren, Tieren, Ornamenten und Mustern auf engstem Raum. «Matthias Frick hat mit einer ungeheuren Intensität Blatt um Blatt gezeichnet», sagt Christiane Meyer-Stoll über seinen Arbeitsethos. Für die Ende 2017 geplante Ausstellung in der Galerie Hollabolla sollte Keramik dazukommen. Die Vorbereitungen liefen bereits – bis Matthias Frick überraschend im Alter von 52 Jahren starb. «Wir haben einen liebenswerten Menschen verloren, den ich als sehr belesen und kunst- und allgemein interessiert kennenlernen durfte», beschreibt ihn sein Freund und Förderer Elmar Gangl. Dieser stellte auch immer wieder fest, dass die Kunst Fricks von vielen verkannt wurde: «Durch seine psychische Erkrankung wurde er von vielen nicht als ernst zu nehmender Künstler gesehen, sondern als ein psychisch Kranker, der malt. Dem war nicht so! Er hat ein Kunststudium abgeschlossen und bereits vor seiner Erkrankung seine Kunsttheorie in den Anfängen entwickelt und vor allem bereits als Jugendlicher in seiner ihm eigenen Art gemalt. Ich erinnere mich an alte Arbeiten von ihm, die mit viel Humor aber gleichzeitig auch ernsthafte Auseinandersetzungen mit der Zeit dokumentieren.»
2003 fanden seine Bilder erstmals in einer Ausstellung in der Stein Egerta in Schaan Platz. Die erste Ausstellung als freischaffender Künstler hatte er 2012 in den Pfrundbauten in Eschen. 2015 konnte er seine Werke in der Galerie Hollabolla von Elmar Gangl, ebenfalls in Eschen, zeigen. Der Galerist ist nach wie vor fasziniert von dem aussergewöhnlichen Künstler: «Er hat mir viel erzählt über Kunst, über seine Lieblingsmusik, aber auch über seine Krankheit. Es gab kein Tabu, nichts, das unausgesprochen bleiben musste. Ich glaube, seine Ehrlichkeit im Umgang mit seiner Erkrankung hat mich genauso fasziniert wie die Kunst selbst – ehrlich, direkt und vor allen immer er selbst. Er hatte sich gefunden in seiner Zeit als freischaffender Künstler.» (mk)

 

31. Mär 2017 / 14:54
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