• «Grimm & Co tanzt aus der Reihe» heisst die gemeinsame Produktion von Katja Langenbahn und Jacqueline Beck – am 10. Juni feiern sie im TAK Premiere.

Ein bisschen Märchen in uns

Im Juni wird es auch in Liechtenstein eine grosse Casting-Show geben – allerdings nicht à la Dieter Bohlen, Bruce Darnell oder Heidi Klum. Vielmehr trägt die neue Produktion «Grimm & Co tanzt aus der Reihe» die Note von Choroegrafin Jacqueline Beck und Schauspielerin Katja Langenbahn.

Deutschland sucht den Superstar, Germany’s next Topmodel, Voice of Germany und wie die Castingshows auch alle noch heissen mögen, sie alle können bald einpacken. Denn im Juni wird es in Liechtenstein ein grosses Casting geben – in Schaan. Die TAK-Bühne wird zum Ort des Geschehens. Gesucht werden Sänger und Schauspieler zugleich. Der Gewinner bekommt aber nicht etwa einen herkömmlichen Preis wie Geld. Davon abgesehen wird es auch mehr als einen Gewinner geben, so an die 30. Auf sie wartet ein grosser Job: Eine Rolle im grössten bisher aufgeführten Musical im Märchenbereich. Das jedenfalls ist der Plan der beiden Regisseurinnen Jacqueline Beck und Katja Langenbahn. Der Plan für ihre neue Produktion «Grimm & Co tanzt aus der Reihe». Tatsächlich wird es auf der TAK-Bühne ein Cas-ting geben – allerdings mit Protagonisten, die sich Jacqueline Beck und Katja Langenbahn für ihr neues Stück selbst ausgesucht haben. So ausgesucht, dass die Zuschauer eine skurrile, humorvolle, nachdenkliche, märchenhafte und emotionale Vorstellung erwartet. Eine Vorstellung, in der die Frau Semmelreiter dieses Casting leitet. Frau Semmelreiter als eine kompetente und einfühlsame Intendantin zu beschreiben, wäre eine grobe Fehleinschätzung. «A furchtbari Henna», so beschreibt Katja Langenbahn diese Figur, die sie gleich selbst besetzen wird. 

Schon oft haben Jacqueline Beck und Katja Langenbahn in einer Produktion Regie geführt – zum ersten Mal übernehmen sie diese Aufgabe aber zusammen. Nach jahrelanger Zusammenarbeit wussten sie, dass sie sich perfekt ergänzen, wie sie sagen. «Ja, sogar gegenseitig beflügeln», ergänzt Jacqueline Beck. So bringt Katja Langenbahn die Stärke des Schreibens mit – das Stück «Grimm & Co tanzt aus der Reihe» stammt aus ihrer Feder. Aber was wäre die Sprache alleine? Mit Bewegungen, Mimik und Ausdruck muss ihr erst noch Leben eingehaucht werden. Und dafür zeichnet Jacqueline Beck mit ihren Choreografien verantwortlich. «Wo die Sprache aufhört, fängt der Tanz an», sagt Jacqueline Beck. «Und das Verbale wiederum gibt dem Tanz quasi das Gerüst», ergänzt Katja Langenbahn. Genau darin liegt aber auch für die 
Protagonisten die Herausforderung: Schauspieler werden zu Tänzern und umgekehrt. Dies bedeutet für alle Darsteller, auch mal über die Grenzen hinauszugehen, sich an Neuem zu versuchen. Somit bringen Jacqueline Beck und Katja Langenbahn mit Tanz, Schauspiel und Gesang gleich mehrere Formen von darstellender Kunst auf die Bühne. Gecastet wird gemäss Drehbuch für ein grosses Märchen-Musical. So wird unter anderem ein Schneewittchen vortanzen, ein Dornröschen, die böse Stiefmutter, Zwerge, Geissen, Schweinchen und natürlich der Wolf, der aber endlich einmal aus seinem Pelz heraus und einen Prinzen spielen möchte. Aber: Märchen, die schon seit Hunderten von Jahren erzählt werden, und Castings, die in der Neuzeit boomen – passt das auch wirklich zusammen? Für die beiden Regisseurinnen ist dies keine Frage. Denn: «Märchen sind zeitlos», sagt Katja Langenbahn. Ausserdem waren Märchen nicht dazu gedacht – wie heute viele meinen –, Kinder mit lustigen oder gruseligen Geschichten zu unterhalten. Sondern der Erzähler hatte meist ein tiefes, intuitives Wissen über den Menschen und hat dieses Wissen in Bilder und Geschichten übersetzt und so weitergegeben. So stehen die Figuren, Geschehen, Orte und Ähnliches gewissermassen für eine Symbolik. Es stellt sich für die beiden Regisseurinnen auch die Frage: Wo beginnt das Märchen und wo endet es? «Irgendwie haben wir doch alle die eine oder andere Märchenfigur in uns», beendet Jacqueline Beck den gedanklichen Ausflug in die Welt der sozialkritischen Märchen.

Die Proben laufen derzeit auf Hochtouren, die Premiere wird am 10. Juni gefeiert. Die Arbeit mit den insgesamt 23 Protagonisten ab sieben Jahren laufen gut, die Regisseurinnen sind zufrieden. Unter ihnen ist auch die Liechtensteinerin Nina Ritter, die an der Fachhochschule HF Zürich Tanz studiert hat. Mit einer Protagonisten-Gruppe von Profis und Laien möchten die zwei Frauen mit ihrer Produktion begeistern – im In- und im Ausland. Mit «nätti kliini Sächile» würden Liechtensteiner Produktionen aber leider oft abgetan, sagt Katja Langenbahn. Spätestens in zwei Wochen können sich die Kritiker überzeugen, dass auch auf hiesigen Bühnen Grosses aufgeführt wird. 

Ob der Wolf dabei wirklich die Prinzen-Rolle bekommt, wen Frau Intendantin Semmelreiter eine Casting-Runde weiterschickt und wer nicht und wer Gerti ist, die sich immer wieder ihren Träumen hingibt, das alles ist zu sehen in «Grimm & Co tanzt aus der Reihe». (bfs)

Premiere von «Grimm & Co tanzt aus der Reihe» ist am 10. Juni um 19 Uhr im TAK, weitere Aufführungen sind am 11. Juni um 17 Uhr und am 12. Juni um 10 Uhr. Karten können unter www.tak.li reserviert werden. 

23. Mai 2017 / 17:42
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