• Reportage DKL Archiv, Vaduz
    Karl Gassner wendet viel Zeit dafür auf, die Dokumente zum Kunstgeschehen in Liechtenstein zu sammeln, zu erfassen und auch die Personen auf den Bildern zu identifizieren.  (Tatjana Schnalzger)

Kunstgeschichte geht online

Die Stiftung Dokumentation Kunst in Liechtenstein (DKL) besteht aus einem Depot im Landesarchiv mit Hunderten von Ordnern über das lokale Kunstscha.en, deren Inhalte nach und nach auf die Website geladen werden. Dort kann man einsehen, welche Kunstscha.enden, Galerien, Vereinigungen und Projekte dokumentiert sind. Aufgebaut wurde dieser Recherche-Pool von Karl Gassner, dem heutigen Präsidenten der Stiftung DKL.
Vaduz. 

Hinter der Stiftung DKL steckt eine Arbeit in kleinen Schritten, die zu einem grossen Ganzen angewachsen ist und weiter wächst», erklärt Karl Gassner, Präsident der Stiftung DKL. Die Sammlung der Stiftung konnte auf den Fundus der in den 1980er-Jahren vom Tangente-Verein gegründeten Dokumentationsstelle zurückgreifen und darauf aufbauen. Durch den damaligen Präsidenten des Kulturbeirates, Josef Braun, wurde im Jahr 2000 der Wert der Sammlung erkannt und seitens des Kulturbeirates erstmals massgeblich finanziell unterstützt. 2005 wurde mit dem Landesarchiv in Vaduz ein Vertrag unterzeichnet, um die Zusammenarbeit und die räumliche Unterbringung der Dokumente zu sichern. «Eine gute Basis, die bis heute trägt», sagt Gassner.

Recherche-Grundlage
In den fein säuberlich aufgereihten Ordnern in den Regalen des Depots finden sich zahlreiche Dokumente zur Tätigkeit der lokalen Kunstschaffenden. Jeder Künstler, der in Liechtenstein tätig war und ist oder einen engeren Bezug zu Liechtenstein hat, bekommt seinen eigenen Ordner, sobald er eine Einzelausstellung verwirklicht hat. Anhand von Zeitungsberichten, Einladungskarten, Plakaten, Fotos, Korrespondenzen oder Vernissage-Reden wird der Werdegang der bildenden Künstler nachvollziehbar. Gesammelt wird alles ausser Kunstwerken. Trotz diesem Grundsatz finden sich auch einige Geschenke von Künstlern in den Regalen. Von Robert Altmann beispielsweise hat die Stiftung schachtelweise Material erhalten, aus dem die Autoren Vreni Haas, Norbert Haas und Hansjörg Quaderer für ihr Buch «Das Robert Altmann Projekt» schöpfen konnten. Insgesamt sind über 250 bildende Künstler erfasst. «Die Zahl der Künstler ist für einen Kleinstaat wie Liechtenstein relativ gross», sagt Gassner dazu.

Rege Galerietätigkeit
Der zweite Fokus der Stiftung DKL liegt auf der Galerietätigkeit in Liechtenstein. Darunter finden sich zahlreiche ehemalige Galerien, an die heute die Erinnerung verblasst ist. Hierzu gehören die Galerien Sonnegg, Koukie Wohlwend wie auch die Galerie TaK, die unter dem Intendanten Alois Büchel zu gros ser Beachtung gelangte. «In der Galerie Haas trafen sich an den Vernissagen seit Ende der 1960er-Jahre alle, die Rang und Namen hatten», erzählt Gassner. Um diese für Liechtenstein erste bedeutende Galerie besser zu dokumentieren, hat die Stiftung die mit Originalfotos bebilderte Ausstellungsdokumentation aus dem Nachlass der Galerie dank Unterstützung einer Bank angekauft. «Ein wertvoller Schatz, der sonst dem Land verloren gegangen wäre», ist sich Gassner sicher. Das vorhandene Archivgut wächst nicht nur durch Sammeltätigkeit und Ankäufe, sondern auch durch Schenkungen. Hierzu gehören beispielsweise Teile des privaten Liechtensteinarchivs aus dem Besitz des Kunsthistorikers Thomas Wanger.

Pläne des Kunsthauses
Ein weiteres Sammlungsthema ist die Tätigkeit von Vereinigungen, die im bildnerischen Bereich angesiedelt sind, wie beispielsweise die 1970 gegründete Vereinigung bildender Künstler, der Verein Schichtwechsel oder der Kulturkreis Liechtenstein Weimar. Neugierig machen auch die Unterlagen zur Planung des nicht realisierten Kunsthauses oder die originalen Fotoalben der «Liga für Kulturkrämpfe im Grenzdreieck», die zwischen 1984 und 1991 fünf Ausstellungen auf der Rheinbrücke zwischen Vaduz und Sevelen realisierte.

Digitale Vermittlung
«Eine zeitgemässe digitale Bereitstellung der Informationen ist heute eine wichtige Voraussetzung für die Nutzung eines Archivs», sagt Gassner. Deshalb gibt es seit Jahren eine Website der Stiftung DKL, auf welcher man einsehen kann, welche Kunstschaffenden, Galerien, Vereinigungen und Projekte dokumentiert sind. Vor einigen Jahren wurde damit begonnen, die Dokumente der bis jetzt rund 650 Ordner sukzessive in einer eigenen Datenbank inhaltlich zu erfassen. Mit dem Scannen der Originale durch die Post AG in Schaan konnte in den letzten zwei Jahren dank finanzieller Unterstützung von Stiftungen ein weiterer Schritt zum Online-Archiv erfolgen. Die aufwendige Arbeit wird in Etappen fortgeführt, erste Schritte sind bereits jetzt auf der Website www.dkl.li für alle Interessierten zu erkunden. (mk)

30. Jun 2017 / 09:39
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