• Felicitas Singer
    Felicitas Singer mit einem Kunstwerk von der von ihr entdeckten Künstlerin Anke Eilergerhard.  (Daniel Schwendener)

Mit grossen Künstlern auf Du und Du

Schon als Jugendliche begann Felicitas Singer, Kunst zu sammeln. Vor sechs Jahren erö.nete sie ihre eigene Galerie im Weiherring in Mauren und vertritt nun aufstrebende Künstler an den Kunstmessen in der ganzen Welt.
Mauren. 

Felicitas Singer kommt gerade aus Salzburg zurück und plant schon wieder die nächste Reise. An eine Kunstmesse in Miami soll es gehen. Normalerweise wohnt die Galeristin in Mauren, wenn sie nicht gerade in Indonesien weilt, wo sie ein bis zwei Monate im Jahr verbringt. Dazwischen jettet sie in der Welt herum und reist nach Singapur, Miami, New York und Berlin, um ihre Künstler an den wichtigen Kunstmessen zu präsentieren. «Man muss auch viel erklären und Überzeugungsarbeit leisten», beschreibt sie die Strapazen ihres Jobs. Aber auch in der Freizeit falle sie immer wieder in den Verkaufsmodus zurück. «Meine Leidenschaft war immer schon die Kunst», sagt Felicitas Singer bei einem Besuch in ihrer Galerie.

Totenköpfe in Krepppapier
Schon immer habe sie eine starke Fantasie gehabt. Als Kind habe sie ihre eigene Sprache entwickelt und einmal habe sie, als Tochter einer Krankenschwester und Teilzeit-Mesmerin, die Totenköpfe aus der Gruft nebenan mit Krepppapier umwickelt. Als Strafe musste sie dem Kirchenchor beitreten. Ihre Mutter habe ihr immer gesagt: «Komm ja nicht auf die Idee, etwas mit Kunst zu studieren», erzählt sie schmunzelnd. Nichtsdestotrotz entschied sie sich für ein Studium der Architektur und Kunstgeschichte. Schon früh, mit zirka 16 Jahren, begann sie, Kunst zu sammeln ? erstmals aus fremden Ländern und Kulturen. «Ich hatte nie ein grossartiges Konzept. Ich habe gesammelt, was mir gefiel, mich inspirierte oder herausforderte», erzählt sie. Gemeinsam mit ihrem Mann fing sie irgendwann an, junge Künstler aus fremden Ländern zu unterstützen, indem sie ihre Werke ankauften und ihnen damit die Möglichkeit boten, ihr Studium zu finanzieren.

Persönliches Verhältnis
Als sich ihr die Gelegenheit bot, die Räume der ehemaligen Strumpffabrik von Herbert Oehri am Weiherring in Mauren anzumieten, war der Gedanke an eine eigene Galerie als realistische Vorstellung geboren. «Mit diesen Räumen entstand die Möglichkeit, Künstler im Land zu fördern, indem sie hier malen und unser schönes Land entdecken können», erzählt sie. Immer an ihrer Seite stand ihr Mann Gernot Singer als Mentor und Unterstützer. Und die Erfolge liessen nicht lange auf sich warten: Eine ihrer ersten Künstlerinnen, deren Werke sie ausstellte, war Anke Eilergerhard, die mittlerweile grosse Erfolge feiert. «Mei ne Aufgabe ist, mit meinen Künstlern gross zu werden und für sie ein Partner zu sein.» Von Anfang an habe sie nicht das Konzept einer klassischen Verkaufsgalerie verfolgt. Sie wollte eine Plattform für Newcomer bieten und den Künstlern ermöglichen, an Messen zu gehen. Dabei ist ihr Verhältnis zu den Künstlern auch ein ganz persönliches. «Die Künstler kommen zu mir und leben bei mir», erklärt sie. Diese Intimität zeigt sich auch bei den Vernissagen: Dort bekocht die Galeristin die Gäste persönlich und legt Wert darauf, dass die Gäste mit den Künstlern ins Gespräch kommen können. Daher steht mitten im Ausstellungsraum auch eine lange Tafel, wo sich alle zusammensetzen, um über die Kunst zu reden. «Das kunstinteressierte Publikum soll für die Werke und die Persönlichkeit der Künstler in die Galerie kommen», sagt Singer kritisch.

Morddrohungen erhalten
Felicitas Singer schreckt auch nicht vor politischen Statements zurück. Vor ein paar Jahren zeigte sie in der Ausstellung mit Roman Träxler «Syrian Breakfast» die brutale Wirklichkeit des syrischen Krieges. «Wir mussten die Ausstellung abbrechen, da die Künstler Morddrohungen erhielten», erzählt sie wehmütig. Diese Lebendigkeit und die Tatsache, dass zeitgenössische Künstler gesellschaftliche Strömungen aufgreifen, ist es auch, was sie am Kunstschaffen fasziniert. Auch sei der ständige Kontakt zu den Künstlern und dem Publikum sehr wichtig. «Die Überraschung, in ein unbekanntes Atelier zu gehen und etwas zu entdecken, das so noch nie gezeigt worden ist, ist ein irre gutes Gefühl.»

Ausstellungen in Ateliers geplant
Da Kunstausstellungen jeweils mit hohen Transportkosten verbunden sind, plant Felicitas Singer nun ein neues Konzept. Sie möchte die Ausstellungen vermehrt in den Lebensmittelpunkten der Künstler stattfinden lassen. «Mit dem Faktor Messe- und Transportkosten kann man sich schon ruinieren», sagt Singer. So sollen die Events mit ihrem Kundenstamm vor Ort über die Bühne gehen. Dazu möchte sie eine Plattform aufbauen, wo sich Künstler melden können, um sich vor Ort präsentieren zu können. 2018 sind bereits Events in New York, Jakarta und in Mallorca geplant. Der umtriebigen Galeristin wird es also auch in Zukunft nicht langweilig. (mk)

30. Jun 2017 / 09:49
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