• Wenn der Fotograf zum Sujet wird: Diese Aufnahme wurde von Roland Blums Tochter Shadei aufgenommen.  (Author)

By the water – into the ice – over the land

Als Musikchef bei Radio L ist der Schaaner Roland Blum bestens bekannt. Nun zeigt er ab dem 8. April in der Galerie Hollabolla in Eschen seine erste Fotoausstellung.

Von Nathalie Bagnoud 

Herr Blum, seit wann fotografieren Sie?
Roland Blum: Die ersten fotografischen Erfahrungen habe ich mit zwölf Jahren gemacht. Mein Vater war ein leidenschaftlicher Fotograf und er hatte eine exzellente analoge Leica-Kamera. Ich habe ihn dann so lange angebettelt, bis er mir einen Film zur Verfügung gestellt hat und ich loslegen durfte. Das Arbeiten mit einer analogen Kamera ist sehr komplex – man muss das Licht selber messen und einstellen, dann die Schärfe beziehungsweise Tiefenschärfe und die Belichtungszeit. Wenn man das alles richtig macht, kriegt man ein gutes Bild – und ich muss zugeben, davon war ich damals meilenweit entfernt. Aber es war eine extrem gute Schule für mich. Da ich pro Film nur zwölf Bilder zur Verfügung hatte und das Ganze damals sehr kostspielig war, musste ich mir also sehr gut überlegen, was ich mache und wie ich es mache. Das hat meine Arbeitsweise bis heute geprägt.

Was hat Ihre Leidenschaft zur Fotografie entfacht?
Das eigentliche Schlüsselerlebnis war Folgendes: Ich war im Lechgebiet in den Bergen unterwegs und gelangte an einen Punkt, von dem aus man in drei Täler einsieht. Vor mir näherte sich eine Gewitterfront, die immer bedrohlicher wurde, und hinter mir schien die Sonne. Mein Verstand hat mir gesagt: «Junge, kehr um – das könnte bald gefährlich werden.» Mein Gefühl und mein Blick sagten mir jedoch: «Jetzt wird es spannend.» Natürlich blieb ich. Es war mir unmöglich, mich von dieser einzigarten Stimmung zu lösen. Ich sah ein Bild vor mir, aber jetzt kommt’s – ich hatte keine Kamera bei mir. Da hat es buchstäblich «Klick» gemacht. Ab da war alles klar. Ein guter Freund hat mich dann in dem Entschluss bestärkt, mich der Fotografie zu widmen und mich bis zum heutigen Tag immer mit Rat und Tat sehr unterstützt.

Welche Sujets rücken Sie in den Fokus?
Ich setzte mir kein fixes Themengebiet. Aber um ehrlich zu sein, habe ich mir selber diese Frage – vor allem am Anfang – oft gestellt. Es ist wie in der Musik. Alles war schon da – es wurde alles schon einmal gemacht. Es sei denn, man findet in sich selber die Quelle und die Inspiration, die einen antreibt, um etwas entstehen zu lassen. Dann muss man «nur» noch den Willen, die Beharrlichkeit und Hingabe aufbringen, diesen Weg zu gehen. Mittlerweile ist es so: Wenn ich mich voll und ganz darauf einlasse, dann kann ich «es» fühlen und quasi vor mir sehen. Wenn ich das in einem Bild umsetzen kann, dann hat auch der Betrachter die Möglichkeit, sich darauf einzulassen.

Wie lange haben Sie an der Ausstellung «by the water – into the ice – over the land» 
gearbeitet?

Sehr sehr lange (lacht). Ich hatte zwei verschiede Vorgehensweisen: Ein Teil der Bilder ist an meinem «Lieblingsspielplatz», dem Bodensee, entstanden. Dort bin ich über mehrere Jahre immer an dieselben zwei Plätzen gefahren und habe mir im Verlauf der Zeit eine spezielle Technik erarbeitet, die wohl am besten als «Malen mit Licht», also Fotografie im wahrsten Sinne des Wortes, bezeichnet werden kann. 
Die Lichtstimmungen an diesem grossen, weiten See sind ganz speziell und jedesmal anders. Für diese Arbeit habe ich mir alle Zeit der Welt gelassen. Ein anderer Teil der Ausstellung besteht aus Luftaufnahmen, die ich aus einer Chessna 207 in Island gemacht habe. So ein Flugzeug zu chartern ist zumindest für meine Verhältnisse abartig teuer, aber step by step habe ich mir das Geld zusammengespart und mich akribisch auf die Arbeit vorbereitet. Ich habe Karten studiert, Wettersituationen durchgespielt, Meteorologen kontaktiert und mich so gut es geht technisch auf Aufnahmen in einer «rappeligen» Kiste vorbereiten, indem ich mit dem Auto auf holprigen Feldwegen gefahren bin und fotografiert habe. Das mag zuerst einmal lustig klingen, aber es hatte System, denn viel schlimmer holpern als in einem Auto auf einem Feldweg kann es in einem Kleinflugzeug auch nicht. So habe ich dann die richtigen zwei Varianten von Objektiven und Kameraeinstellung gefunden. Kurzum: Diese Arbeiten wurden relativ schnell umgesetzt – aber mit sehr langer Vorbereitung. Die Titel der einzelnen Reihen erzählen die Geschichte, worum es thematisch bei «By the water – into the ice – over the land» geht. Auf Deutsch: Am Wasser, ins Eis, übers Land.

Sie haben auch Ihre Tochter miteingebunden. Inwiefern hat sie mitgewirkt?
Meine Tochter Shadei ist der wichtigste Mensch in meinem Leben. Sie hat mich auf verschiedene Weise unterstützt. Sie hat es geschafft, eine brauchbare Aufnahme von mir hinzukriegen (lacht). 
Sie hat mir die nötige Zeit gegeben, bei der Auswahl der Arbeiten mitgeholfen und mir immer ganz ehrliches Feedback gegeben. Sie ist meine härteste Kritikerin und meine grösste Hilfe. Was ich an ihr bewundere ist, dass sie seit Anfang an einen ganz eigenen Stil hat, den sie konsequent durchzieht. Genau so sollte man es machen. Das habe ich von ihr gelernt. Wir sind ein super Team!
 

29. Mär 2018 / 07:00
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