• Fotografin Stephanie Büchel hat den ganz persönlichen Glücksmoment von krebskranken Menschen eingefangen und ihn festgehalten.

Den perfekten Moment einfangen

Kristina Sprenger und Stephanie Büchel haben gemeinsam mit der Krebshilfe Liechtenstein 60 Menschen, die an Krebs erkrankt sind, Glücksmomente beschert.

Perfekt gestellte Bilder mag die freischaffende Fotografin Stephanie Büchel weniger. Sie liebt es vielmehr, Momente einzufangen, die Gefühle spürbar zu machen und Emotionen sprechen zu lassen. So passt das Herzensprojekt perfekt zu ihrem Verständnis von Fotografie. Ein Projekt, für das sie von Visagistin Kristina Sprenger an Bord geholt worden ist. Und ein Projekt, das Menschen, die an Krebs erkrankt sind, einen Glücksmoment bescheren soll. 

Lebensqualität gönnen
Zwei Jahre lang haben Kristina und Stephanie krebskranke Menschen besucht. Sie haben mit ihnen über Gott und die Welt gesprochen – und über ihre persönlichen Lebensfreuden. Denn diese machen sich in einer Zeit voller Angst und Verzweiflung ziemlich rar. Die Haare gehen aus und der Blick in den Spiegel möchten Betroffene möglichst vermeiden. Wie denn aber sollen sie Mumm aufbringen, um vor der Kamera zu posieren? Mit der nötigen Sensibilität von Kristina und Stephanie. Und im Bewusstsein, dass sie sich damit ein Stück Lebensqualität gönnen – und Angehörigen eine wertvolle Erinnerung schenken. Ausserdem war Marion Leal, die Leiterin der Krebshilfe Liechtenstein, jeweils bei den Besuchen dabei. Eine wichtige Bezugsperson für die krebskranken Menschen. 

Bilder für die Ewigkeit
«Der erste Besuch war kein Zuckerschlecken», erinnert sich Stephanie. Es war eine krebskranke Frau, die gerne ein schönes Porträt von sich in der späteren Todesanzeige haben wollte. «Diese bemerkenswert starke Frau legte ihr ganzes Leben lang viel Wert auf ihr Äusseres und das wollte sie einfach nochmals erleben – ihr persönlicher Glücksmoment.» So musste sie sich als Fotografin auch zwangsläufig damit auseinandersetzen, was die Diagnose Krebs für die oder den Betroffene/n bedeutet. «Manchmal war es gar nicht so einfach, die Geschichten, Gefühle und Erlebnisse nicht so nahe an uns herankommen zu lassen», sagt Stephanie. Während Kristina ihren Koffer mit sämtlichen Schmink-utensilien zu den Besuchen mitgebracht hat, ist Stephanie mit ihrer Spiegelreflexkamera und zwei Objektiven auf der Matte gestanden. Sie habe weder Reflektoren noch einen Blitz gebraucht, erzählt die Fotografin. «Ich benutzte nur das Licht vor Ort.» So arbeite sie grundsätzlich. «Natürlichkeit ist mir sehr wichtig.» 
60 verschiedene Porträts bedeuten 60 verschiedene Umgebungen und 60 verschiedene Varianten von Lichteinfall. Dass es schliesslich ein einheitliches Erscheinungsbild aller Fotos gab, war für die Fotografin wohl eine Herausforderung. «Ich musste mich erst reinfinden, nach dem fünften, sechsten Porträt hatte ich aber den Dreh raus», sagt Stephanie. 
Entstanden sind Bilder von Kindern, Müttern, Vätern, Omas und Opas in verschiedensten Situationen. So zum Beispiel beim Kreuzworträtsel lösen, auf dem Spielplatz, hoch zu Pferd, mit Enkeln oder in Prinzessinnenkleidern. All diese Bilder sind im Buch «Glücksmomente» zu sehen, das die beiden jungen Frauen im Rahmen ihrer Bild- und Buchvernissage vergangene Woche präsentiert haben. 

Positive Resonanz
Stephanie Büchel arbeitet nun seit zwei Jahren als selbstständige Fotografin. Ursprünglich hat sie eine kaufmännische Lehre absolviert. «Nach und nach interessierte mich die Fotografie aber immer mehr und ich entschloss mich für ein eineinhalbjähriges Praktikum bei einem Studiofotografen.» Mit einem gut gefüllten Rucksack an Erfahrungen in der Fotografie ging Stephanie mit ihrem Mann auf Reisen – quer durch Europa mit Norwegen als Hauptziel. Abend für Abend habe sie die aktuellen Fotos gleich heruntergeladen – und sich so einen unbezahlbaren Schatz an Erinnerungsbildern geschaffen. Während ihrer Reise wurde sie immer sicherer, als Fotografin arbeiten zu wollen. Wieder zu Hhause in Schaan, hat 
Stephanie dann entsprechende Kontakte geknüpft und durfte sich über die ersten Aufträge freuen. Hauptsächlich fotografiert die 28-Jährige Hochzeiten und Paare. «Ich bin sehr zufrieden und überzeugt, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben», sagt Stephanie. Den richtigen Weg eingeschlagen habe 
sie auch mit Kristina und ihrem Herzensprojekt. Ihr Angebot, Krebskranke nach ihren Bedürnissen zu schminken und in Glücksmomenten abzulichten, stiess bei den Betroffenen auf positive Resonanz. Und wer weiss, vielleicht wird es auch noch ein zweites Buch von Stephanie Büchel und Kristina Sprenger geben. Ein Buch voller Glücksmomente, voller Hoffnung und Lebensfreude. (bfs)

27. Apr 2018 / 07:00
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