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    Bücher haben trotz Internet weiterhin einen hohen Stellenwert.  (Tatjana Schnalzger)

«E-book löst nie die gleichen Gefühle aus»

In Zeiten der Digitalisierung hat das gedruckte Buch einen schweren Stand. Warum Bücher weiterhin ihre Käufer finden und was die Buchtage dazu beitragen können, erklärt Buchhändlerin Bernadette Kubik-Risch.

Durch die Digitalisierung hat sich das Leseverhalten stark verändert. «Und es wird sich noch weiter verändern», ist sich Bernadette Kubik-Risch vom Buchladen Omni sicher. «Wir wollen die Infos meist sofort und sie sollen kurz gehalten sein. Auch sollte es möglich sein, kurz über einen Text zu lesen, weiterzuscrollen oder weiterzuklicken, um schon beim nächsten Infoblock bzw. auf einer neuen Website zu sein.» Durch dieses neue Leseverhalten habe das gedruckte Buch in der heutigen Zeit einen schweren Stand. 

Ratgeber nicht mehr gefragt
Beispielsweise waren Ratgeber für verschiedene Lebensthemen in der Eschner Buchhandlung noch vor wenigen Jahren sehr gefragt. Heute sei der Absatz überaus klein, so Kubik-Risch. «Gebe ich zum Beispiel das Stichwort Pubertät ein, erhalte ich ungefähr 3 370 000 Ergebnisse in 0,29 Sekunden. Ich erhalte also eine Vielzahl an Informationen ohne Aufwand und ohne Kosten.» Mit dieser Masse an frei verfügbaren Informationen gelangt so der Leser innert kürzester Zeit an Lesematerial, das für mehrere Tage ausreicht. Das Phänomen kommt laut Kubik-Risch auch bei Kochbüchern zum Vorschein, bei denen sie über Jahre einen guten Absatz hatten. Auch dieser sei stark eingebrochen. «Auch hier bekomme ich, wenn ich eine Zutat eingebe, in Sekundenschnelle eine riesige Auswahl an Rezepten frei Haus geliefert.»

Gefühl, ein Buch zu spüren
Ob Kunden noch Anreize haben, ein physisches Buch zu kaufen, wenn es doch schon fast alles als E-book gibt? Zum Glück gäbe es noch viele Leser, die gerne ein Buch in den Händen halten. «Ein Buch zu spüren – das Gewicht oder die Leichtigkeit, über einen Einband zu streichen, sich am Cover zu erfreuen oder den Buchgeruch einzuatmen – diese Sinneseindrücke wecken Emotionen.» Darüber hinaus gäbe es Bücher, die Leser einfach physisch haben möchten – weil es für sie so ein gutes oder wichtiges oder eben schönes Buch ist. Auch gäbe es Personen, die mit dem Internet nichts anfangen können und daher ein Buch bevorzugen. «Und diese Gefühle wird ein E-book nie in uns auslösen.» E-books würden gelesen, weil sie praktisch sind. «Mir wäre es ein Anliegen – gerade weil wir digital so viele Informationen bekommen können –, dass wir wieder mehr Wert auf schöne Bücher legen», sagt Bernadette Kubik-Risch. «Bücher, die sorgfältig und aufwendig gemacht wurden und die auch einen Wert haben dürfen und müssen. Damit ich eben mit einem Buch wieder verschiedene Sinne ansprechen kann und somit das Lesen zu einer Sinneserfahrung wird.»

Wenig Chance im Onlinebereich
Nach wie vor werden Bücher – gemäss Statistik wieder mehr als auch schon – gelesen. Es finde jedoch eine starke Verschiebung statt, auch wie und wo ein Buch gekauft wird. Bis noch vor wenigen Jahren sei die persönliche Buchhandlung, da wo die Kunden gut beraten und betreut werden, die erste Anlaufstelle gewesen. Heute orientieren sich viele über das Internet und oft wird der gewählte Titel per Mausklick direkt über einen Grossanbieter bestellt. «Treue Stammkundschaft sagt uns oft, dass sie das Buch schon im Internet gesehen haben, aber schliesslich doch noch lieber zu uns kommen und sich vielleicht auch nochmals beraten lassen», erzählt Kubik-Risch. Für eine kleine Buchhandlung mit einem Onlineshop, der, wenn man einen Titel über das Internet sucht, neben den Online-Riesen kaum eine Chance hat, seien dies grosse Herausforderungen. 

Buchtage als Motivator
Um die Menschen wieder vermehrt auf den Wert von Büchern und des Lesens aufmerksam zu machen, findet seit vier Jahren auch in Liechtenstein der «Tag des Buches» statt. Zum dritten Mal stehen die «Liechtensteiner Buchtage» unter einem Motto. Nach den Themen Lesen und Schreiben steht dieses Jahr die Gestaltung im Vordergrund. Am Eröffnungsanlass am 19. Februar im Gemeindesaal Triesen referiert der Schriftsetzer und typografische Gestalter Roland Stieger, der dem Jahresmotto entsprechend viel Erfahrung mit Buchgestaltung hat, selbst schon einige Preise gewann, in der Jury der «schönsten Bücher der Schweiz» war und Ausstellungen zur Buchgestaltung in St. Gallen organisiert. «Obwohl wir keine Wirkungsanalyse durchgeführt haben, darf die Trägerschaft (das Amt für Kultur, die Kulturstiftung, die Landesbibliothek und das Schulamt) davon ausgehen, dass die Buchtage Anreize schaffen, sich mit dem Medium Buch auseinanderzusetzen», sagt Kubik-Risch, die für die Organisation der Buchtage verantwortlich ist. «Meine Erfahrung zeigt, dass es aber notwendig ist, stetig am Thema zu bleiben und es auch wichtig ist, immer wieder neue Zugänge zu wählen, da wir es mit sehr unterschiedlichen Zielgruppen zu tun haben.» Es seien Faktoren wie beispielsweise das Geschlecht, der Bildungshintergrund, der kulturelle Hintergrund, das Alter und die Sozialisation zu berücksichtigen. «Die Buchtage sind sicher für den einen oder die andere eine Motivation, wieder einmal ein Buch zur Hand zu nehmen», so Kubik-Risch. (mk)

25. Jan 2018 / 15:41
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