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    Mathias Ospelt präsentiert sein neues Erzählband «Wege.Gänge».  (Daniel Ospelt)

Ein Literat meldet sich zurück

Mathias Ospelts Erzählband «Wege.Gänge» führt in seine deutsch-liechtensteinische Vergangenheit, verfolgt typisch atypische Liechtensteiner Lebensgeschichten und nimmt die Leser mit auf teils hirnrissige, teils kriminologische Wanderungen.

«Wege. Gänge.» So heisst das neue Buch des Vaduzer Autors Mathias Ospelt. Tatsächlich hat das Buch einen nicht ganz stolperfreien Weg hinter sich. Die eine oder andere Hürde musste das Buch schon nehmen – und mit ihm auch Mathias Ospelt. Eigentlich lief alles mehr oder weniger gemäss Plan, als 2004 Ospelts Erzählband «Als Vaduz noch seinen Hafen hatte» erschienen ist. Zur Freude des Autors verkaufte es sich auch noch sehr gut – bis es allerdings plötzlich vom Markt verschwand. Erst spurlos – weder auf sichtbarem Weg noch in einem wirklichen Gang. Dann aber brachte der Verleger Licht ins Dunkle: Ein Wasserschaden im Heim des Verlegers zerstörte die Bücher und damit fünf Kurzgeschichten aus der Feder von Mathias Ospelt. Das Gute daran: Der Vaduzer bekam als Autor wieder die Rechte an seinen Texten zurück. 
Das Projekt «Erzählband» nahm der 54-Jährige aber erst zehn Jahre später auf. Während seiner Auszeit, die er sich 2015 unter anderem auf Schottland nahm, widmete sich der Kabarettist wieder mehr der Literatur. Mathias Ospelt wollte wieder das machen, was er einst tat: Prosatexte schreiben. Und publizieren. Sein verschwundenes Buch «Als Vaduz noch seinen Hafen hatte» wollte er um fünf zusätzliche Kurzgeschichten erweitern – und so machte er sich an die Arbeit, bis er an seinem Ziel war. Beinahe am Ziel: Erst musste Ospelt noch einen Verlag finden, der sein Buch herausbringen wollte. Dies gelang ihm schliesslich beim Van-Eck-Verlag in Triesen, mit dem er sich schnell einigen konnte. Ganz neu war für Mathias Ospelt, dass ihm der Verlag ein professionelles Lektorat zur Verfügung stellte. «Eine schwierige, aber sehr wertvolle Erfahrung», sagt Mathias Ospelt. 
«Wege.Gänge» widerspiegelt auch persönliche Erfahrungen und Erinnerungen des Autors. Schon das Titelbild erzählt eine Geschichte, die Mathias Ospelt erlebt hatte. Er war vier Jahre alt. Gemeinsam mit einem in etwa gleichaltrigen Freund ging es im Winter 1967 im Vaduzer Villenviertel auf Erkundungstour in Richtung Waldhotel, das nur wenige Meter entfernt vom Zuhause der beiden Buben lag. «Das Waldhotel-Schwimmbad war komplett vereist», erinnert sich Mathias Ospelt. Ein spannender Tummelplatz für die beiden Kinder, die sich auf die vereiste Fläche begaben. Nur der Hund, der sie begleitete, drehte bereits nach wenigen Schritten um – die Kinder wollten es hingegen bis ganz zur Mitte schaffen. Unter Mathias Ospelts Kinderfüssen begann das Eis aber plötzlich zu knacken – und der Junge brach ein. Noch heute könne er sich an diesen Moment erinnern – wie er entfernt die Rufe seines Freundes hörte, die vom Unterwasser-Geräusch übertönt wurden. Später hat Mathias Ospelt von seiner Mutter erzählt bekommen, wie er plötzlich vor der Haustüre stand – mit Eisklötzchen in der kurzen Bubenfrisur. Niemand konnte jemals erzählen, wer den Jungen damals vor dem Ertrinken rettete – beide Buben standen unter Schock. Zurück blieben am Boden des Schwimmbads zwei Gummi-stiefel – die Gummistiefel von Mathias Ospelt. 
Ging es dem Autor 2004 noch um Geschichten, die die Kraft und Dramatik der liechtensteinischen Sagen und Mythen wieder in den heutigen Alltag holen, so wirft er in «Wege.Gänge» mit den neuen Erzählungen «Im Schnee», «Umbäässa» und «Heimat» biografische Sonnenstrahlen. Mit den beiden Kurzkrimis  «Güediga» und «Fürstensteig» hingegen wirft er kriminalistische Schatten auf seine Heimat Liechtenstein. Der Autor erzählt von einem Liechtenstein, wie er es sich in «guten alten Zeiten» vorstellt – aber eben nicht so harmonisch, unschuldig im Bilderbuch-Stil. Der Autor zeichnet mit seinen Geschichten Bilder, die nichts mit dem Garten Eden zu tun haben. «Natürlich gibt es in Liechtenstein auch viel paradiesisch Schönes», sagt Mathias Ospelt. Ihm sei es aber darum gegangen, nicht nur an der Oberfläche zu kratzen. Und damit auch mal dunkle Kapitel sichtbar zu machen. Verleitet der Autor einen bei den insgesamt zehn Geschichten zum Schmunzeln und zu lachendem Kopfschütteln, so lässt er seinen Leser auch in stiller Nachdenklichkeit versinken. 
An all seinen Zielen angelangt ist Mathias Ospelt noch nicht. Es soll in Bälde ein weiteres Buch folgen mit Kurztexten über neue Sagen und fiktive Vaduzer Originale. Schon in «Wege. Gänge» schreibt sich Ospelt näher dorthin, wo Sagen und Mythen erst entstehen: Im Privaten, im Aktuellen, im Historischen und im Kriminalistischen. Eine Vision Ospelts: «Endlich literarische Figuren für Liechtenstein kreieren.» Warum? «Weil diese Helden in Liechtenstein fehlen», sagt Mathias Ospelt. «Wir haben keinen Wilhelm Tell und keine Effie Briest.» Und die «Drei Schwestern» und «Die Goschger Sennapoppa» könnten da nicht mithalten. 
Wie auch immer – als drittes Buch plant Mathias Ospelt einen Zusammenschnitt seiner Reden und Ansprachen, mit denen er in den vergangenen 
20 Jahren Menschen zum Lachen gebracht hat. 
Um all seine Projekte auf den Punkt zu bringen: Literat Mathias Ospelt meldet sich zurück – mit ganz persönlichen Wegen und sehr eigenen Gängen.  (bfs)
 

23. Feb 2018 / 06:00
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