• Thomas Nipp, Balzers
    Thomas Nipp an «seiner» Orgel in der Pfarrkirche Balzers.  (Tatjana Schnalzger)

Eine riesige Maschine zum Leben erwecken

Seit 27 Jahren ist Thomas Nipp Organist in Balzers, konzertierte bereits in 16 verschiedenen Ländern und schreibt jedes Jahr mindestens ein neues Solostück. Wie er zum Orgelspiel kam und was er bei seinen Auftritten schon alles erlebte, erzählte er bei einem Probenbesuch.
Balzers. 

Dienstagnachmittag. Kirche Balzers. Beim Betreten des Gotteshauses werden die Besucher von warmen, raumfüllenden Klängen empfangen. Thomas Nipp probt gerade seine neuste Komposition an der Orgel. Ruhige, besinnliche Passagen gehen über in lautere, mystische Tonfolgen; bis ihnen freudige, stark belebte Rhythmen folgen, die wiederum von lauten, mächtigen Akkorden aufgelöst werden. Das Gespielte ist ein Ausschnitt der neusten Orgelkomposition «Hymnus» von Thomas Nipp, die er im Januar erstmals öffentlich aufführen wird.
Im Stück werden wortwörtlich fast alle Register gezogen: Einmal erklingt das Kornett, einmal die Trompete, einmal das Flötenregister; dann wieder das volle Werk. Federleicht lässt er nicht nur seine Finger über die Tasten wandern, sondern tippt mit seinen Füssen gleichzeitig auch die richtigen Pedale für die Bässe an. Wieviele Möglichkeiten eine Orgel hat und bei welchen Registern welche Pfeifen erklingen, erklärt Nipp auch bei Führungen wie beispielsweise für Schulklassen. Seine Eigenkompositionen wie auch Stücke von Rheinberger und weiteren Komponisten präsentiert Nipp seit zirka 15 Jahren einmal jährlich dem interessierten Publikum. Das nächste Mal am 7. Januar mit seiner Frau Corinne Grendelmeier Nipp in der Kirche Balzers.

Wichtigkeit von guten Lehrern
Bereits Thomas Nipps Onkel bekleidete während Jahrzehnten das Organistenamt in Balzers, wo nun auch sein Neffe seit 27 Jahren tätig ist. «Als kleiner Junge habe ich ihm oft zugeschaut», so Nipp, «deshalb wollte ich später auch einmal selbst die Orgel spielen.» 1978, mit noch nicht einmal neun Jahren, nahm er zum ersten Mal Orgelunterricht. «Nach 2, 3 Jahren sagte mein Lehrer, Martin Biedermann, ich soll zu einem spezialisierten Musiklehrer gehen», so Nipp. So kam er zu Maciej Zborowski, der gerade neu an der Musikschule war, und lernte bei ihm während seiner achtjährigen Gymnasiumszeit. «Zborowski ist für mich bis heute eine musikalisch prägende Gestalt.» Nach der Matura studierte er bei Monika Henking an der Akademie für Schul- und Kirchenmusik Luzern, heute die Universität, Kirchenmusik mit dem Hauptfach Orgel. 1996 schloss er das Studium mit dem Konzertdiplom für Orgel ab. Doch damit gab sich Nipp nicht zufrieden und bildete sich weiter, unter anderem bei Naji Hakim in Paris oder später beim Domorganisten Franz Lehrndorfer in München. «Es ist sehr wichtig, gute Lehrer zu haben und immer dranzubleiben», ist sich Nipp sicher.

Auftritte in ganz Europa
Mittlerweile spielte der Balzner Organist bereits in 16 verschiedenen Ländern Europas, vorwiegend an Orgelfestivals. «Diese Festivals sind eine einmalige Gelegenheit, auf speziellen Orgeln, wie zum Beispiel im Dom von Riga, spielen zu dürfen», erzählt Nipp. Diese Konzertreihen hätten ihn auch schon an besondere Orte geführt, wie auf die Kurische Nehrung in Litauen oder auf die Aland-Inseln zwischen Schweden und Finnland. Besonders in Osteuropa seien die Orgelfestivals starke Besuchermagnete. «In Kremnica in der Slowakei spielte ich 1,5 Stunden Programm am Stück.» Auch in Paris oder Edinburgh hat er Konzerte gegeben. Dabei ist es ihm wichtig, neben seiner eigenen Musik auch die von Rheinberger in die Welt zu tragen: So unterrichtete er im Rahmen einer Rheinberger-Woche in Trondheim und gab dort ein Konzert. Insgesamt schrieb Nipp schon zahlreiche Orgelstücke, einen Liederzyklus für Gesang und Klavier wie auch anspruchsvolle Chorstücke, die ihre Uraufführung in Finnland feiern konnten. Drei der Orgelstücke wurden bisher in einem Verlag veröffentlicht, weitere sind in Planung. «Ich habe schon immer ein bisschen komponiert, in den letzten Jahren etwas mehr», sagt Nipp dazu bescheiden.  

Grosse klangliche Möglichkeiten
Dass das Orgelspiel keine einfache Sache ist, ist ihm durchaus bewusst: «Die Herausforderung ist, gleichzeitig mit beiden Händen und beiden Füssen zu spielen.» Auch sei für eine abwechslungsreiche klangliche Umsetzung der Einbezug der verschiedenen Register wichtig. «Die Kunst besteht darin, eine riesige Maschine zum Leben zu erwecken.» Um eine lebendige Musik zu erzeugen, müsse man zwischen den feinsten Tönen und den fulminantesten variieren können. Dies ist es auch, was ihn an der Orgel am meisten fasziniert: «Es gibt unglaubliche klangliche Möglichkeiten, mit denen man anderen Instrumenten überlegen ist.» Das Orgelspiel sei wie eine Droge, von der man nicht mehr loskomme. «Es ist ein unglaubliches Gefühl, wenn man in einer riesigen, altehrwürdigen Kirche für sich alleine ist und auf einer fantastischen Orgel spielen darf», freut sich Nipp. In jedem Land gäbe es andere Orgeln und Orgeltypen und so gehe ihm die Lust am Spielen nicht so schnell aus. Seine schnelle Anpassungsfähigkeit musste er auch schon unter Beweis stellen, als während dem Konzert in Brüssel ein Blitz in die Kirche einschlug und die Orgel ihren Geist aufgab. Kurzerhand wurde das Konzert in eine andere Kirche verlegt mit einer komplett anderen, dafür wunderschönen Orgel. «Nach dem improvisierten Konzert wurde ich zwei Jahre später erneut zu einem Konzert an diesen Ort eingeladen», freut sich Nipp. Während weitere Konzerte im Ausland in Planung sind, übt er bereits fleissig für sein jährliches Heimspiel in Balzers, wo er seine neusten Schöpfungen zum Besten geben wird. (mk)


Thomas Nipp spielt am 7. Januar, um 17 Uhr, ein Konzert mit seiner Frau Corinne Grendelmeier Nipp in der Pfarrkirche Balzers.

23. Nov 2017 / 17:08
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