• LLB Sommer im Hof
    Von Suzie Candell über Rääs (auf Bild) bis zu den Tipsy Crows: Die liechtensteinische Musik ist vielfältig. Aber: Wird sie auch gehört? Fest steht: Vor allem jungen Talenten fehlt eine Plattform.  (Daniel Schwendener)

«Einheimische Musik selbstbewusst hinaustragen»

Von Rääs über The Lamperts bis hin zu den Fine Young Gäässlerguga – in Liechtenstein spielt die einheimische Musik! Zu hören ist sie aber vorwiegend nur in Probelokalen. Eine Plattform, auf der sich vor allem junge Talente präsentieren können, fehlt bislang noch. Dies möchte der Jazzmusiker Stefan Frommelt ändern. Einmal mehr entfacht dabei die Diskussion um mehr einheimische Musik auf Radio L. Intendant Alois Ospelt sieht hingegen kein Bedarf an FL-Musik im Radio.

Vor allem junge Talente sind darauf angewiesen, gesehen und gehört werden. Sie versuchen ihr Glück daher vermehrt über Plattformen wie YouTube, Instragram, Facebook oder Twitter, um sich einer grösseren Öffentlichkeit zu zeigen und auf Likes und Klicks zu hoffen. Doch ist der Weg von Likes und Klicks zu wirklichen Bühnenauftritten vor begeisterten Musikfans ein äusserst steiniger. Kurzum: Es fehlt eine Netzwerk-Plattform für Rock-, Pop- und Jazzmusik. Daran möchte Stefan Frommelt arbeiten. Dass so viele neue Songs einfach brachliegen und ungehört bleiben, lässt sein Musikerherz bluten. Der Songwriter, Komponist, Produzent, Tontechniker und Musiklehrer lebt für die Musik – und engagiert sich entsprechend: «Ich möchte zusammen mit anderen Interessierten ein Netzwerk aufziehen, analog zu visarte.liechtenstein.» 

Als selbstständige regionale Gruppe von visarte.schweiz bezweckt visarte die Förderung der Kunstschaffenden aus allen Bereichen der bildenden Kunst in Liechtenstein. Der Verband bezweckt die Wahrung der künstlerischen, rechtlichen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturpolitischen Interessen der Mitglieder. «Und genau solch einen Verband wünsche ich mir auch für die Musik», sagt Stefan Frommelt. Als Musiklehrer wie auch als Musikschaffender trifft Stefan Frommelt immer wieder auf Talente, die eine Chance verdient hätten. Und eine Chance wäre für ihn eben auch, wenn diese einheimische Musik öfters über den Landessender Radio L ginge. Dafür hat Stefan Frommelt vor etwas mehr als einem Jahr die Interessensgruppe «Mehr Liechtensteiner Musik auf Radio L» gegründet. Mit Erfolg: Der Sender baute sein Angebot im Bereich «regionale Musik» aus. Seit Januar 2016 integrierte Radio L zirka 25 Titel in die Rotation des Programms, welche nach dem Zufallsprinzip analog der anderen Titel gespielt werden. Joa Amelie, Suzie Candell, Rääs, Keaden, Patrick Scott, Anouschka, Judith Biedermann, The Lamperts, Pearlbreakers, Fine Young Gäässlerguga und Shem Thomas gehören zu den Bands und Interpreten, die es bisher in die Rotation vom Radio-L-Programm geschafft haben. Aber: «Radio L muss noch mehr zur Förderung der einheimischen Musik beitragen», ist Stefan Frommelt überzeugt. Dies gehöre zur Aufgabe eines Staatsradios. Über die finanziell prekäre Situation des Senders ist sich der Musiker im Klaren. «Daher habe ich dem Intendanten Alois Ospelt auch vorgeschlagen, ein Sendegefäss für FL-Musiker mit Sponsoren zu finanzieren.» Davon habe Alois Ospelt aber nichts wissen wollen – dies sei insbesondere für Lokale störend, die den Sender als Hintergrundmusik eingeschaltet haben, so soll Ospelt gegenüber Stefan Frommelt argumentiert haben.

Vom Radio-L-Intendanten klingt es auf Anfrage anders: «Stefan Frommelt hat vor zirka eineinhalb Jahren gesagt, er würde einen Sponsor bringen», bestätigt auch Alois Ospelt. Allerdings habe er seither  nichts mehr von ihm gehört. «Scheinbar interessiert ihn das Projekt nicht mehr, in das Radio L Tausende von Franken investiert hat», sagt Alois Ospelt verärgert. Ausserdem möchte der Intendant festhalten, dass rund 30 einheimische Musiktitel in der Rotation sind und dass jeden Freitag um 18.40 Uhr ein liechtensteinischer Titel gespielt wird. Als ein Erfolg sieht Alois Ospelt dies allerdings nicht, eher als Misserfolg: «Wir haben Kunden verloren, weil sie aufgrund der Musik aus Liechtenstein Radio L in ihren Geschäften nicht mehr aufschalten.» Er sei daher überzeugt, dass es in Liechtenstein keinen Bedarf an einheimischer Musik im Radio gibt. 

Entsprechend hat Radio L vor etwa zwei Monaten auch den Online-Musikkanal «Regio» auf ihrer Homepage wieder abgeschaltet. Wie Ospelt sagt, verursachte der Kanal jährliche Suisa-Kosten von über 6000 Franken. «Dass es den Kanal nicht mehr gibt, hat niemand bemerkt, auch Stefan Frommelt nicht, der mit missionarischem Eifer versucht, FL-Musik zu platzieren», so Ospelt. Monatlich habe es nicht mehr als 80 Zugriffe gegeben – beim Schlagerkanal seien es mehrere Tausend Zugriffe. 

Stefan Frommelt ist sich nach wie vor sicher: «Das Radio muss einheimische Musik selbstbewusst hinaustragen.» So wie es der Bündner Radiosender Südostschweiz – ehemals Grischa – oder RTR, das rätoromanische Radio der SRG in Chur, mache. Dort liessen sich die Redakteure nicht reinreden und würden Wert auf einheimische Musik legen, so Frommelt. 

Radio ist für Stefan Frommelt aber nur eine Option, wie FL-Musik gefördert werden kann. Eine weitere Hilfe wäre ein Musik-Export-Büro, wie es eines in den meisten Ländern Europas gibt. Dieses hat die Aufgabe, den Bekanntheitsgrad von einheimischen Musikschaffenden im Ausland zu erhöhen. Das Büro unterstützt die Künstler beispielsweise bei der Öffentlichkeitsarbeit, berät bei der Erschliessung neuer Märkte, vermittelt Kontakte und leitet Auslandsanfragen weiter. «So etwas in Liechtenstein zu haben würde einen wichtigen Schritt Richtung Professionalisierung im Rock-Pop-Jazzbereich bedeuten», sagt Stefan Frommelt. Ein Weg, den er auf alle Fälle weiter gehen möchte. Am 30. August will er sich mit den bisherigen Kuratoren der Liechtensteiniade – eine bunte Präsentation von Liechtensteins Kunstschaffenden im Rahmen des jedes Jahr stattfindendenen poolbarfestivals in Feldkirch – treffen, um über Massnahmen zur Förderung einhei-mischer Musik zu diskutieren. 
Mitdiskutieren möchte Stefan Frommelt auch an der jährlichen internationalen Kulturbörse in Freiburg sowie an der Jazzmesse «Jazzahead» in Bremen.

Und: Er möchte liechtensteinische Musiker an dieser Börse auftreten lassen, weil sich an der Börse einflussreiche Booker treffen. Booker, die ein Sprungbrett für eine musikalische Karriere sein könnten. «Liechtenstein hat vieles an musikalischen Leckerbissen zu bieten. Wir müssen uns nur zeigen, damit wir auch wirklich gesehen und gehört werden!» (bfs)

25. Aug 2017 / 06:00
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