• Friedemann Malsch, Vaduz
    Friedemann Malsch mit der sechsten Brunidor Edition, die Robert Altmann verlegt hat.  (Tatjana Schnalzger)

«Impulse, die man nicht hoch genug einschätzen kann»

Der Liechtensteiner Sammler, Mäzen und Verleger Robert Altmann, der in Frankreich, der Schweiz und auf Kuba gelebt hat, verstarb im September vergangenen Jahres im Alter von 102 Jahren. In den 70er-Jahren liess er vom kubanischen Stararchitekt Ricardo Porro das «Centrum für Kunst» in Vaduz bauen, wo 1974 bis 1979 Ausstellungen stattfanden. Zu Ehren Altmanns widmet ihm das Kunstmuseum in Vaduz eine Ausstellung mit seinen Portfolios. Museumsdirektor Friedemann Malsch erinnert an Begegnungen mit dem aussergewöhnlichen Kunstsammler.

Von Mirjam Kaiser

Robert Altmann ist letztes Jahr über 100-jährig verstorben, nun widmet ihm das Kunstmuseum eine Ausstellung. Was erwartet die Besucher?
Friedemann Malsch: Es ist eine Sammlungspräsentation in Memoriam Robert Altmann, um an ihn zu erinnern, weil er eine sehr wichtige Person für das Land Liechtenstein war, für die bildende Kunst, aber auch für die Poesie und vor allen Dingen das zeitgenössische Geschehen in Liechtenstein. 

Wie schätzen Sie die Bedeutung Altmanns für die Liechtensteiner Kunstszene ein?
Er hat eine herausragende Rolle gespielt, nicht mehr in den späten Jahren, aber vor allen Dingen in den 1960er bis 1980er war er eine unglaublich treibende Kraft für die Entwicklung Liechtensteins, damit sich das Land für zeitgenössische Kunst und Poesie öffnen konnte. Man muss nur an die Ausstellung «Kunst und Buch» erinnern, die er 1968 im Rathaus Vaduz gemacht hat. Diese wanderte dann von Vaduz nach Paris ins städtische Kunstmuseum und hat dort grosse Erfolge gefeiert. Es war die erste Ausstellung, die sich diesem Zusammenhang zwischen bildkünstlerischen Arbeiten und Büchern gewidmet hat. 

Lassen Sie uns kurz zurückblicken: Was war das Besondere an dieser Ausstellung?
Zu diesem Anlass hat er den berühmten europäischen Dichter Paul Celan eingeladen, der hier eine Lesung hielt. Das wird von verschiedenen Seiten als die Geburtsstunde einer spezifischen Liechtensteiner Lyrik bezeichnet. Personen wie Hans-Jörg Rheinberger oder Evi Kliemand haben damals diesen Impuls bekommen, sich selber in der Poesie zu betätigen. Das sind Impulse, die man nicht hoch genug einschätzen kann.

Während sich der eine oder die andere nicht mehr an diese Ausstellung erinnern kann, kennen vermutlich viele das «goldene Haus» in Vaduz. 
Richtig. Anfang der 70er-Jahre hat er natürlich noch das Zentrum für Kunst und Kommunikation bauen lassen von Ricardo Porro, einem herausragenden kubanischen Architekten, den er in seiner Exilzeit in Kuba kennengelernt hat. In diesem Zentrum hat dann Altmanns Sohn Roberto mit seiner Frau Maggie fünf Jahre lang Ausstellungen gemacht, die die damals in Europa bekannten Avantgarde-Künstler nach Vaduz gebracht haben. Das war auch für die staatliche Kunstsammlung eine wichtige Informationsquelle. Georg Malin hat wiederholt Werke aus diesen Ausstellungen für die staatliche Kunstsammlung erworben. 
Sind Altmann noch weitere Errungenschaften zu verdanken? 
Noch in Kuba hat er begonnen, Grafiken von Künstlern zu verlegen. Dazu hat er einen Verlag, die Edition Brunidor, gegründet, in der er Mappen mit druckgrafischen Werken von Künstlern verlegt hat. Dadurch, dass Altmann Liechtensteiner war, hat er auch in der Welt sehr viel für Liechtenstein getan. Die Druckgrafiken von Max Ernst, Wifredo Lam, Jacques Hérold, Isidore Isou und anderen hat er in der ganzen Welt verkauft. 1951 kam er nach Europa zurück und pendelte zwischen Vaduz und Paris. Damit hat er Werbung für Liechtenstein gemacht. In Liechtenstein war er wirklich ein Pionier, der sich Dinge getraut hat, von denen man heute noch in Paris erzählt. Er hat auch bei Bernard Heidsieck ein Gedicht in Auftrag gegeben, das in der ganzen Welt bekannt wurde und den Titel «Vaduz» trägt. Das Lustige daran ist, dass Heidsieck das Gedicht in allen Welt-teilen vorgetragen hat, aber nie in Vaduz. Ich habe vor einigen Jahren versucht, ihn nach Vaduz zu holen. Er hat dann aber gesagt, er hätte das überall in der Welt gelesen, aber jetzt hätte er keine Lust mehr. 

Zurück zu Altmann. Er hat ja mehrere Werke der Liechtensteiner Kunstsammlung geschenkt. Welche Besonderheiten befinden sich darunter?
Von dem Portfolio Brunidor 3 an bis zum Schluss hat er seine Editionen der Staatlichen Kunstsammlung und dem Kunstmuseum geschenkt. Die Landesbibliothek hingegen, die bereits früher existierte, bekam alle seine Editionen. Das sind Grafiken von weltberühmten Künstlern wie Max Ernst, Wifredo Lam, Matta, Paul Celan, Toyen, Camille Bryen, Jacques Hérold, Isidor Isou oder Miro. Die sind alle unglaublich wichtige Künstler geworden und haben alle Beiträge zu diesen Mappenwerken geliefert. Das ist schon ein grosser Schatz. 

Welchen Schwerpunkt legt die Ausstellung im Kunstmuseum?
Wir zeigen eine Auswahl der Grafiken, die er in den 70ern der staatlichen Kunstsammlung geschenkt hat sowie fünf Gemälde von Isidore Isou, die er vor ungefähr zehn Jahren dem Kunstmuseum geschenkt hat. Ich habe Ende 1999 bis Anfang 2000 im Engländerbau in Zusammen-
arbeit mit der Landesbibliothek eine Ausstellung mit allen Editionen gezeigt. Aus diesem Anlass wurden auch Altmanns Memoiren veröffentlicht sowie ein kommentiertes Verzeichnis seiner Brunidor-Editionen, beides von der Liechtensteinischen Staatlichen Kunstsammlung herausgegeben. 

Obwohl Altmann 1941 nach Havanna zog, war ihm Liechtenstein auch in seinem späteren Leben noch wichtig. Wie drückte sich das aus?
Sein Geschäft war nach wie vor in Vaduz. Er und seine Frau haben ab den 50ern auch wieder in Liechtenstein und Paris gelebt. Und als die Stiftung «Freunde des Kunstmuseum Liechtenstein» 2006 gegründet wurde, war er – schon hochbetagt – einer der ersten, die gesagt haben, ich bin dabei. Er hat das Museum immer ideell unterstützt und ist jedes Mal, wenn er hier war, vorbeigekommen. Die Stiftung «Freunde des Kunstmuseum Liechtenstein» hat 2007 in Würdigung seiner Verdienste für das Land ein Werk aus seiner Sammlung, ein Gemälde von Man Ray, für das Kunstmuseum erworben. Auch dieses ist in der Ausstellung zu sehen.

Altmann war Sammler, Mäzen und Verleger, malte aber auch selbst. Welcher dieser Aspekte prägte ihn am meisten? Mit welchem war er am erfolgreichsten bzw. hinterliess er am meisten?
Als Verleger und Mäzen. Er war ein grosser Freund der Künstler. Er war sehr mit Jean Hélion befreundet, mit Paul Celan, pflegte eine tiefe Freundschaft mit Wifredo Lam, und auch César Domela war ein wichtiger Künstler, mit dem er befreundet war. Er war eine Figur, die ganz in der Zeit seiner Aktivität verankert war. Das war eine Zeit, in der sich viele Kunstfreunde als Mäzene betätigt haben. Er hat die Künstler dabei als Verleger unterstützt, denn die Editionen, die er produziert hat, waren finanziell sicher kein Erfolg. Aber er hat damit ein Werk hinterlassen, das international von grosser Bedeutung ist. 
Die Sammlungspräsentation «Robert Altmann (1915–2017)» ist von heute bis 13. Mai im Kunstmuseum Liechtenstein zu sehen. Am Donnerstag, 1. März, um 18 Uhr findet eine öffentliche Führung mit Friedmann Malsch statt, eine zweite Führung mit Fabian Flückiger gibt es am Donnerstag, 26. April, um 18 Uhr.
 

23. Feb 2018 / 06:00
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