• Erich Bieri, Schaan
    Erich Bieri beim Zeichnen seiner bereits legendären und beliebten Karikaturen.  (Tatjana Schnalzger)

Karikaturen mit viel Humor und Witz

Erich Bieri zeichnet gerne die Gesichter – mal mit einer übergrossen Nase, dann wieder mit unübersehbaren «Pfuusbacken» oder einer extrem langen, hochgezogenen Stirn. Der 77-Jährige bereichert seit über 30 Jahren den «Wingertesel» mit seinen humorvollen Karikaturen.

Vom Hausflur geht es ein paar Treppenstufen abwärts, bevor es in Erich Bieris Reich geht: Ein kleines, helles Zimmer mit einem Stehpult, auf dem ein paar Bleistiftzeichnungen liegen. Im Schrank nebenan reiht sich ein Ordner an den anderen. Sorgfältig bewahrt Erich dort seine Arbeiten auf und alle Ausgaben der Fasnachtszeitung Wingertesel, die seit 1984 erschienen sind. Denn Jahr für Jahr bereichert er den Wingertesel mit humorvollen und treffend gezeichneten Karikaturen. «Angefangen hat eigentlich alles mit einer Weinetikette, die ich für die Schaaner Zunftmitglieder entworfen habe», erzählt Erich. Ganz offensichtlich ist diese Etikette gut angekommen und er wurde angefragt, für den Wingertesel Karikaturen zu zeichnen. Das war vor 33 Jahren – und der Karikaturist zeichnet noch heute für die Schaaner Fasnachtszeitung. 

Ideen aus Stammtisch-Gerede
«Früher war es einfacher, sich die Ideen für diese Karikaturen zu holen», sagt Erich. Die Gespräche an den Stammtischen gaben einiges her. «Doch heute ist diese Stammtisch-Kultur leider verschwunden.» Um eine Episode aber mit einer Karikatur bebildern zu können, möchte Erich die Begebenheit erzählt bekommen. «Dabei entstehen in meinem Kopf Bilder und ich mache mir Notizen dazu.» Er lässt die Geschichte dann erst mal sacken, bevor er den Bleistift zur Hand nimmt. «Wenn es gut läuft, habe ich eine Karikatur in einem halben Tag fertig gezeichnet», sagt er. Der Karikaturist macht seine Arbeit für den Wingertesel unentgeltlich. «Das Zeichnen ist für mich ein Hobby und dafür möchte ich nicht bezahlt werden.» Am liebsten zeichnet Erich Bieri Gesichter, mit Vorliebe Politiker. Schmunzelnd holt er eine Mappe aus dem Schrank und zeigt seine Werke. Jeder einzelne Politiker ist auf Anhieb zu erkennen. «Dann ist mein Ziel erreicht», sagt er. Die Karikaturen hat er noch nie veröffentlicht und möchte es auch nicht. «Ich zeichne für mich, weil es einfach eine grosse Leidenschaft ist.» 
Eine Leidenschaft, die Erich schon früh entdeckt hat: «Schon als kleiner Bub habe ich gerne gezeichnet.» Sein damaliger Primarschullehrer hätte ihn dabei unterstützt und sein Talent erkannt. Beruflich verschlug es den Karikaturisten dann aber trotzdem in eine andere Ecke, er lernte Maschinenzeichner. Zwar wird da auch gezeichnet, allerdings nur technisch. Später war Erich für die Hilti AG in der Disposition und Logistik tätig. Sein Hobby zum Beruf zu machen, ging ihm zwar immer wieder durch den Kopf und einmal hat er einen Anlauf gewagt. «Es ist aber nie zustande gekommen. In diesem Bereich Fuss zu fassen, ist sehr schwierig und ist mir nie gelungen.» 
Erich wollte sich dennoch weiterbilden und absolvierte an der Kunstschule Zürich einen zweijährigen Fernkurs im Zeichnen, Malen und in Kunstgeschichte. Im Internet habe er sich zudem immer wieder Tipps und Ideen von anderen Karikaturisten geholt. «Wen ich unglaublich bewundere, sind Schnellzeichner», sagt er. In vier, fünf Minuten hätten diese ein Gesicht skizziert. «Das werde ich wohl nicht mehr lernen», meint Erich verschmitzt. Mit seinen 77 Jahren habe er aber auch alle Zeit der Welt. 

Humor ja, Beleidigung nein
In all den Jahren hat Erich ein Auge fürs Karikieren entwickelt. Bereits ein Blick in das Gesicht seines Gegenübers gibt ihm die Idee für eine mögliche Karikatur. «Ich sehe schnell, ob ich zum Beispiel die Stirn langziehen soll oder ob überspitzte ‹Pfuusbäckchen› passen.» Beleidigt habe er dabei noch niemanden. «Das Überspitzen gewisser Charakterzüge eines Gesichts darf natürlich nicht zu extrem werden.» 
Erich schaut aus dem Fenster neben seinem Stehpult – er freue sich auf den Sommer, sagt er. Dann zeichnet und skizziert er im Garten vor dem Haus an der Gapetschstrasse in Schaan. Er sei gerne in der Natur, sei es beim Laufen, Wandern oder Rennradfahren. Die wärmeren Temperaturen bevorzuge er. «Aber noch ist der Winter nicht vorbei», sagt er und befürchtet, dass es im März nochmals so richtig schneien könnte. Dann zieht er sich eben in sein Arbeitszimmer im unteren Stock des Hauses zurück. Zwar braucht Erich innere Ruhe für seine Karikaturen. «Dabei darf aber ruhig groovige Jazzmusik laufen.» Für den diesjährigen Wingertesel, der dieses Jahr am 31. Januar erscheint, hat Erich seine Arbeiten bereits abgeliefert. Zu viel von seinen Arbeiten verraten will er natürlich nicht. Nur so viel: Donald Trump wird im Wingertesel auch nicht fehlen und gelacht werden darf über eine Deponie, eine verlo-rene Fahne und über einen Pfarrer.  (bfs)
 

25. Jan 2018 / 15:30
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