• Entdeckte während ihres Stipendiums in Berlin ihre Leidenschaft zur Fotografie: Autorin Anna Ospelt.

Poetische Biografie aus Wurzelstudien

Anna Ospelt verbrachte drei Monate als Stipendiatin am Literarischen Colloquium Berlin (LCB). In der Villa am Wannsee, die seit 1963 ein Literaturhaus wie auch Zimmer für Autoren und Übersetzer beherbergt, konnte die junge Autorin zur Ruhe kommen und neue Projekte anpacken.
Vaduz. 

In den letzten drei Jahren hat Anna Ospelt «nur» neben ihrer beruflichen Tätigkeit an der Universität Luzern geschrieben. Da entstanden auch Texte, die in diversen Magazinen veröffentlicht wurden, es seien aber doch immer nur «kleine Küchlein» gewesen. In ihrem Stipendium am Literarischen Colloquium Berlin (LCB) hatte sie erstmals massig Zeit, wie sie sagt. «Ich habe mich bewusst in die Langeweile begeben, aus dieser Form des Leerwerdens ist ein viel wacheres, bunteres und klareres Schauen resultiert», so Ospelt. In dieser Zeit habe sie auch begonnen, genau zu beobachten. Dabei sei ihr der Liechtensteiner Künstler Manfred Naescher behilflich gewesen, den sie an einer Lesung von Wissenschaftshistoriker und Lyriker Hans-Jörg Rheinberger kennenlernte. «Er hat angeboten, mir Zeichenunterricht zu geben», erzählt Ospelt. Durch dieses genaue Hinschauen beim Zeichnen, durch diese Form der Konzentration habe sie sehr viel gelernt und dies wurde Teil ihrer literarischen Herangehensweise.

Auf den Spuren ihrer Wurzeln
Im Rahmen ihres aktuellen Projekts «Wurzelstudien» beschäftigte sich Anna Ospelt mit dem Grundstück ihrer Eltern in Vaduz. Dort lebte von 1945 bis 1988 der deutsche Verleger Henry Govers, der während des Zweiten Weltkriegs nach Liechtenstein geflüchtet war, da er dem subversiven Kreisauer Kreis angehörte. «Dass er wie ich Soziologie studiert hatte, in jungen Jahren Gedichte schrieb, dass er über die englische Romantik promovierte und sein erstes verlegtes Buch «Anna Linde» heisst, hat mich natürlich entzückt», erzählt die junge Schriftstellerin. So kam es, dass sie mit einem Blatt, das sie auf einem Baum auf dem Goverts-Grundstück ihrer Eltern fand, an Orte ging, an denen Henry Goverts war, wie sie durch ihre Literatur- und Archivrecherche sowie Interviews herausfand. «Ich ging an diese Orte und blickte durch das Blatt, versuchte zu erkennen, was Henry Goverts sah», erzählt Ospelt. So war sie etwa im Vaduzer Schlosswald (in einem Artikel erwähnt Goverts, wie sehr er diesen schätzte), ging regelmässig ans Deutsche Theater in Berlin, wo Goverts 1918 Regievolontär bei Max Reinhardt war, besuchte das Gymnasium, an dem der junge Goverts 1912 sein Abi machte (das unter Denkmalschutz steht) und ging zu den drei Strassen, in denen er in Hamburg wohnte. Diese Vor-Ort-Recherchen, die sie zuletzt nach Flims Waldhaus führten, von wo aus Goverts Briefe verfasste, hielt die Autorin fotografisch fest. Eine Leidenschaft, die sie in Berlin für sich entdeckte.

Poetische Biografie Goverts
Ihre Wurzelstudien führte Ospelt in Berlin fort und begann, eine poetische Biografie von Goverts zu rekonstruieren. «Literaturwissenschaftlich habe ich mich verstärkt mit der Frühromantik beschäftigt», so Ospelt. Zu Beginn des Sommers habe sie sich klar dagegen ausgesprochen, Ziele zu formulieren. «Ich wollte explizit ins Offene gehen und bin deshalb hier und da etwas angeeckt», erzählt Ospelt. Nur ohne zu früh formulierte Ziele würden Neugier, Bewegung und Zufall zugelassen. «Ich lehne mich hierbei an den französischen Philosophen Claude Lévi-Strauss, der den Wert des Bastelns, der Bricolage, hervorhebt». Wichtig sei ihr zu betonen, dass die Kulturstiftung Liechtenstein wie auch das LCB ein Kunstverständnis hätten, bei dem diese Offenheit Platz habe. «Ich bin überzeugt, dass ich wesentlich weniger produktiv gewesen wäre, hätte ich mich auf ein konkret vorgezeichnetes Projekt beschränken müssen. Allerdings ist das Material nun gesammelt, die Ziele sind formuliert und ich verfolge diese beherzt.» Als Nächstes wird es von Anna Ospelt eine literarische Reaktion auf den spanischen Dichter Federico Garcia-Lorca im Literaturmagazin «Die Horen» des Wallstein Verlags zu lesen geben. (mk)

03. Jan 2018 / 17:11
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