• Die schönsten Bücher, Vaduz
    Ein Blick auf einige der ausgezeichneten Werke der letzten 15 Jahre.  (Tatjana Schnalzger)

Schlichte Schönheit wird belohnt

Die diesjährigen Buchtage stehen unter dem Motto «Liechtenstein gestaltet». Im Rahmen dessen werden immer auch die schönsten Bücher Liechtensteins ausgezeichnet. Buchgestalter Rolf Vieli ist seit acht Jahren Mitglied der Jury und entscheidet mit.

Seit 15 Jahren nun werden auch hierzulande jährlich die «schönsten Bücher Liechtensteins» ausgezeichnet, zuerst von dem Kulturbeirat der Regierung, heute vom Amt für Kultur.
Unter dem schönsten Buch des Landes stellt sich vermutlich ein Grossteil der Bevölkerung ein grosses Buch mit einem farbenfrohen Einband, einem augenfälligen Titelbild mit einer geschwungenen Schrift und einem ansprechend, reich bebilderten Inhalt vor. Doch nur ein Teil der ausgezeichneten Bücher erscheint für den Laien auf den ersten Blick als «schön». 

Weiss auf weiss
Schlicht, meist mit einer schnörkellosen, klaren Schrift versehen, präsentiert sich ein Grossteil der ausgezeichneten Bücher. 2016 beispielsweise gewann das Büchlein «Pioneers from a Hidden Country», das in seiner Schlichtheit kaum zu übertreffen ist: Ein weisses Buch mit der kaum sichtbaren gestanzten Schrift des Titels drauf sowie einer sichtbaren Bindung auf der Seite. Die Jahre davor wurden schon mehrere mehrbändige Familienbücher wie zum Beispiel das aus Triesen (2001), Planken (2001) oder Schaan (2015) ausgezeichnet, die Helbert-Chronik, das Historische Lexikon, Bildbände, Künstlerbücher wie auch Festschriften zu Jubiläen der Landesbank (2011), der AHV (2004) oder der Musikschule (2013). Und auch die farbigen Kinderbücher von Ursula Wolf schafften es auf die Liste. Bücher mit Hardcover und Leinen-
einband, Softcover auf Hochglanzpapier, im A4-Format oder auch im Taschenbuchformat – alle mehr oder weniger schlicht gehalten. Ob Schlichtheit daher ein relevantes Kriterium sei? «Nicht nur, doch der Leitsatz ‹weniger ist mehr› gilt vielfach auch bei der Buchgestaltung und -produktion», so Vieli. Es gelte, die treffenden Akzente zu setzen und nicht alle Möglichkeiten zu nutzen. 

Zusammenspiel vieler Facetten
Dass es nicht nur um den Umschlag und einen reich bebilderten Inhalt geht, erläutert Juror Rolf Vieli genauer: «Es ist das Zusammenspiel vieler Facetten, die den Gesamteindruck einer Publikation bestimmen: die Idee und Konzeption, die Gestaltung mit der Typografie und dem Layout, die Qualität des Druckes, die Bildbearbeitung, die Wahl des Papiers sowie die Materialien des Einbandes.» Ein schön gestaltetes Buch soll «gwundrig» machen, es in die Hand zu nehmen und darin zu blättern. Um die Objektivität der Beurteilung zu gewährleisten, setzt sich die Jury jeweils aus mehreren Fachpersonen zusammen: Zwei Grafikern, einem Drucker, einem Buchbildner und einer Person aus dem Verlagswesen. Ob die Auszeichnung schliesslich nicht trotzdem subjektiv sei? Dies verneint Vieli klar, denn der detaillierte Kriterienkatalog bewirke eine objektive Beurteilung. Dabei werden folgende Positionen überprüft und geschaut, wie hoch deren Qualität ist und ob sie Mängel aufweisen: Den Satz, den Umbruch, die Bildbearbeitung, den Druck, das Papier, die buchbinderische Verarbeitung, die Konzeption und Gestaltung. 
Der Inhalt der Publikation steht dabei nicht im Vordergrund, sondern das Erscheinungsbild: «Das Wichtigste ist, dass sich die Form der Publikation bzw. das Gestaltungskonzept aus dem Inhalt, der Materie, ergibt.» Ein Buch, bei dem sich der Inhalt beispielhaft an der Gestaltung zeigt, ist der «Einblick in die Akten – 75 Jahre Landespolizei». Dieses Werk, das 2008 ausgezeichnet wurde, ist wie eine richtige Aktenmappe aus Karton gebunden und mit Bändern verschliessbar – und überzeugt wiederum mit Schlichtheit und einer kreativen Idee.

Ausstellung aller Gewinnerbücher
Um sich selbst einen Überblick über die bisherigen schönsten Bücher Liechtensteins zu verschaffen, werden bei der Eröffnung der diesjährigen Buchtage am 19. Februar im Gemeindesaal Triesen – neben den aktuellen Gewinnern – alle ausgezeichneten Bücher der letzten Jahre in einer kleinen Ausstellung präsentiert. 
Vergangenen Montag wurden die diesjährigen Gewinner bekannt gegeben: Der vom Küefer-Martis-Huus in Ruggell herausgegebene, wiederum schlicht gestaltete Ausstellungskatalog «Was bleibt?» sicherte sich den Titel «Schönstes Buch aus Liechtenstein 2018». Anerkennungspreise erhielten die Stiftung Mezzanin für Martin Frommelts Bildband «Apokalypse» sowie «The Under- and Overland Songbook» des Liechtensteiner Literaturhauses. (mk)
 

23. Feb 2018 / 06:00
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