• Statt Applaus gab es schwarze Blumen für Museumsdirektor Rainer Vollkommer.  (Sven Beham)

Was darf ein Landesmuseum?

Nach der dritten Ausstellung des russischen Künstlers Alex Doll innert vier Jahren und zahlreichen weiteren ausländischen Sonderausstellungen wurde Kritik laut, ob das Landesmuseum seinem Auftrag noch nachgeht.

Seit Jahren betrachten immer mehr Liechtensteiner die ausländischen Ausstellungen im Landesmuseum kritisch. Nach der umstrittenen Misswahl am Tag der Frau reisst die Kritik am Stiftungsrat und der Besetzung des Direktoriums nicht ab. Erstmals in der jüngeren Geschichte des Landesmuseums kam es am 8. März 2018 zu einer Protestaktion mit über 30 Teilnehmern. Die Aktionsgruppe «les fleurs du mal» besuchte schwarz gekleidet den russischen Schönheitswettbewerb «Flowers & Beauties», warf nach der Begrüssung von Direktor Rainer Vollkommer schwarze Blumen auf die Bühne und verliess den anfangs gut gefüllten Raum. Dieses Ereignis war Auslöser für zahlreiche Leserbriefe und Kommentare auf sozialen Medien, die den Rücktritt des Museumsdirektors forderten. 

19 Ausstellungen ohne FL-Bezug
In den letzten Jahren haben sich zahlreiche Veranstaltungen ohne jeglichen Liechtenstein-Bezug in das Programm des Landesmuseums geschlichen. Ein Blick ins Archiv zeigt, dass ab dem Jahr 2015 vermehrt asiatische Künstler ausstellten: Von den 32 Ausstellungen, die von 2015 bis 2018 (gemäss Archiv 
auf der Homepage des Landesmuseums) im Landesmuseum stattfanden, hatten nur vier einen direkten Bezug zu Liechtenstein. Eine positive Ausnahme dabei bildet das Postmuseum, das sich – unter der Leitung von Hans-Peter Rheinberger – mit vier Ausstellungen ausschliesslich Liechtensteiner Künstlern widmete. Im Januar 2018 war chinesische Lackkunst zu sehen, im April 2017 Kunst aus Bulgarien, im Februar 2017 Kana-Kunst aus Japan, im September 2016 Klöppelkunst aus dem russischen Norden von Wologda, im März 2016 sowie Juli 2015 Werke uralter Steinkünstler. 
In mehreren Stellungnahmen kritisierte der Stiftungsrat diese veröffentlichte Statistik. Nach genauerer Analyse könnten bei einigen wenige Projekten bzw. Ausstellungen weitere Liechtenstein-Bezüge hergestellt werden. Unter diesen Ausstellungen mit einem (eher schwachen) Lokalbezug finden sich zwei Kunstausstellungen ausländischer Künstler, die sich mit Liechtenstein beschäftigen, sowie drei Kooperationsprojekte mit dem Bukowina-Museum, Museen in Norwegen und Polen sowie eine internationale Plakatausstellung. Bei 19 der 28 Ausstellungen im Landesmuseum (abzüglich Postmuseum) jedoch ist keinerlei Hinweis auf einen Liechtenstein-Bezug zu finden.

Stiftungszweck nicht erfüllt
Diese Überhandnahme internationaler Ausstellungen lässt sich gemäss eigenem Leitbild nicht mit dem Auftrag des Landesmuseums vereinen: «Auftrag, Sinn und Zweck des Liechtensteinischen Landesmuseums (LLM) sind die Sammlung, Erhaltung und Ausstellung liechtensteinischen Kulturgutes sowie die Förderung des Verständnisses für Landeskunde und Geschichte Liechtensteins.» 
Dieses Missverhältnis von lokalen und internationalen Ausstellungen ist auch dem Stiftungsrat nicht entgangen. Gleich fünf von sieben Mitglieder gaben (zumindest teilweise aufgrund von Resignation) bereits im Dezember 2017 ihren Rücktritt bekannt. Auch haben einzelne Stiftungsratsmitglieder versucht, die geplante Misswahl zum Weltfrauentag abzusagen. Der Antrag wurde aufgrund der bereits erfolgten Organisation aber mehrheitlich abgelehnt. Obwohl der Stiftungsrat zwar die Verantwortung für die grundsätzliche Ausrichtung des Museums wie auch für die Genehmigung einzelner Ausstellungen trägt, wollen deren Mitglieder aber nicht für einzelne Veranstaltungen verantwortlich gemacht werden. 

Keine politischen Vorgaben
Auch Kulturministerin Aurelia Frick weist in dieser Angelegenheit die Verantwortung von sich. «Dass die Politik konkrete Vorschriften macht, was ein Veranstaltungsprogramm darf oder nicht, sehe ich nicht. Das darf keine politische Vorgabe sein», sagte Aurelia Frick kürzlich gegenüber dem «Vaterland». Trotzdem hat auch sie ihre Fragen zum aktuellen Programm, die sie mit dem Stiftungsrat besprechen werde. Sie setzt nun darauf, dass die neuen Stiftungsratsmitglieder, die Ende März gewählt werden, gewisse Fragen neu beurteilen. Und was sagt Museumsdirektor Rainer Vollkommer dazu? Er schweigt. Auf ein Angebot, seine eigene Sichtweise der Geschehnisse darzulegen, ging er nicht ein. Fest steht jedenfalls, dass wenn die Politik oder der neue Stiftungsrat nicht eingreift, so schnell keine Veränderung herbeigeführt wird. Und Alex Doll vermutlich nächstes Jahr ein viertes Mal ausstellen wird. (mk)
 

29. Mär 2018 / 07:00
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