• "Die lustige Witwe", Balzers
    Tamara Kaufmann und Hansjörg Gstöhl: Die Choreografin und der Bühnenbildner freuen sich auf die morgige Premiere.  (Tatjana Schnalzger)

Zwei Balzner, zwei Persönlichkeiten

Tamara Kaufmann hat die Operette «Die lustige Witwe» tänzerisch gestaltet, Hansjörg Gstöhl zeichnet für insgesamt drei Bühnenbilder verantwortlich. Beide Balzner erzählen von einer intensiven Probenzeit, in der Witz und Humor auch an den anstrengensten Tagen nicht fehlen durften.

Mittwochabend, zehn Tage vor der grossen Premiere: Die Proben im Gemeindesaal Balzers laufen auf Hochtouren. Zum ersten Mal durchlaufen die Darsteller nicht nur einzelne Szenen, sondern das ganze Stück. So, wie sie es auch morgen tun werden: Geschminkt, frisiert und in Anzug und Abendkleid. Im Foyer wärmen sich die Tänzerinnen und Tänzer auf: Zwei Grazien rutschen in den Spagat, die anderen dehnen sich am Boden, in der Grätsche sitzend. Mit ihrer achtköpfigen Tanztruppe – sechs Frauen und zwei Männer – ist Choreografin Tamara Kaufmann sehr zufrieden. «Sie arbeiten sehr diszipliniert und legen viel Herzblut in die einzelnen Choreos», lobt Tamara Kaufmann. Für die erfahrene Tänzerin, geschickte Akrobatin und kompetente Choreografin ist es das erste Mal, dass sie die tänzerische Leitung einer Operette übernommen hat. «Die Musik gibt so viel her, sodass meine Ideen geradezu sprudelten», erzählt die Balznerin. Und wer die Choreografin kennt, weiss, dass ihre Ideen begeistern werden. Nur so viel sei so kurz vor der Premiere verraten: Es wird auf der Bühne heiss – nicht nur das Auge der Männer, sondern auch das der Frauen wird dabei verwöhnt! Tamara Kaufmann grinst. «Ich habe es gewagt, mehr Showelemente, als wohl bei Operetten gewohnt, in die Choreos mit einzubauen.» Wie diese beim Publikum ankommen, darauf ist sie sehr gespannt. Fest steht aber schon mal, dass sie bei ihren Tänzerinnen sehr gut ankommen: «Jeder einzelne Tanz hat es in sich und ich tanze alle unglaublich gerne», sagt Alina Brunner aus Balzers. Eigentlich studiert die junge Frau Rechtswissenschaft. In ihrer Freizeit unterrichtet sie aber aushilfsweise Ballett und tanzt auch immer wieder gerne selbst in Produktionen mit. Am meisten freut sie sich auf den Auftritt im dritten Akt – wie auch Theresa Pfeifer aus Feldkirch. Die Sekretärin und Hobby-Tänzerin gehört ebenfalls zum Tanzensemble und hat in der Vergangenheit auch schon bei mehreren Musical- oder Ballettaufführung mitgewirkt. «Neu für mich ist dieses Mal aber, dass ich nicht nur tanze, sondern auch singe», erzählt sie kurz vor der Probe. Die beiden jungen Frauen sind nach ihren Aufwärmübungen in ihr Folklore-Kostüm geschlüpft und warten jetzt auf ihren ersten Auftritt im zweiten Akt, ein serbischer Volkstanz. Vor allem im dritten Akt werde es dann aber anrüchig und ziemlich sexy, erzählen die beiden. Sie spielen Grisetten, wie man früher unverheiratete Frauen niederen Standes nannte. 
Aber nicht nur die Choreos seien einfach «cool», auch die Zusammenarbeit mit Tamara Kaufmann sei toll. «Sie ist bodenständig, kollegial und sehr lustig», sagt Alina Brunner. «Und sie ist immer offen für neue Ideen und Inputs», ergänzt Theresa Pfeifer. 
Während die insgesamt rund 60 Darsteller für die grosse Generalprobe bereit sind, testet Hansjörg Gstöhl noch die letzten Lichteinstellungen aus. Bevor es dann aber losgeht, bleiben ihm noch zehn Minuten Pause. Anstatt seinen knurrenden Magen zu versorgen, lädt der Bühnenbildner auf einen kurzen Rundgang auf und hinter die Bühne ein. Die Treppen, die Säulen, die Wände – alles hat Hansjörg Gstöhl eigens für «Die lustige Witwe» angefertigt. Vor über einem Jahr haben die ersten Arbeiten dafür begonnen, wie er erzählt. Erst entstehen Entwürfe auf dem Papier, dann hat er drei, vier Modell in Kleinformat nachgebaut, die er jeweils mit Regisseur Jean Claude Bordet besprochen hat. Entstanden sind nun drei imposante Bühnenbilder aus Holz, Metall und Stoff. So spielt sich der erste Akt in einer Empfangshalle, eine Art Durchgangshalle, ab. Der zweite im Park, in dem der Pavillon eine zentrale Rolle spielen wird, und im dritten Akt geht es in den Keller des Schlosses, ins Maxim, eine Art Cabaret. Umgebaut wird jeweils in der Pause.
Die Premiere könne kommen, er sei gut vorbereitet, sagt Hansjörg Gstöhl. Wobei ihm bei diesen zeitintensiven Vorbereitungen jemand sehr Wichtiges gefehlt hat: Sein Vater, der im Frühjahr verstorben ist. Über 60 Jahre lang gestaltete sein Vater Bühnenbilder. «Nicht selten hat mir sein Ratschlag gefehlt», sagt Hansjörg Gstöhl. Vor allem beim Farbenmischen sei er der grosse Meister gewesen. Das Talent für den Bühnenbau hat ihm sein Vater aber mitgegeben. Und nicht nur dieses: Die Premiere wird Hansjörg Gstöhl am Lichtpult im Regieraum genauestens mitverfolgen. Für rund 300 Lichtszenen wird er dort verantwortlich sein – dabei bedient der Fachmann  knapp 100 Lichtschalter. So schnell bringt ihn aber nichts aus der Ruhe. Genauso wenig wie Tamara Kaufmann. Dies liegt wahrscheinlich weniger daran, dass sie beide Balzner sind. Vielmehr sind sie zwei Talente, die genau wissen, was sie tun und auch wissen, wovon sie sprechen. Ins gesamte Operetten-Team mit allen Sängern und Tänzern haben sie grosses Vertrauen, was sie an eine gelungene Premiere glauben lässt. 
Aber nun ist es für die Hauptprobe endgültig Zeit. Der Regisseur bittet um Ruhe, Hansjörg Gstöhl platziert sich hinter dem Lichtpult und Tamara Kaufmann verfolgt die Probe von der ersten Reihe des Saals aus. Der Vorhang geht auf – was dann zu sehen und hören ist, das dürfen sich bei der Premiere morgen um 19.30 Uhr im Balzner Gemeindesaal alle Operetten-Fans selbst anschauen und das Spektakel um «Die lustige Witwe» geniessen. (bfs)
 

25. Jan 2018 / 15:37
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