• Ivan Frédéric Knie
    Er liebt seine Pferde und mit ihnen zu arbeiten, macht Ivan Frédéric Knie glücklich. Sein Mentor ist Grossvater Fredy Knie – «der beste Lehrer, den es gibt», sagt der 15-jährige Zirkusartist. Der Zirkus ist sein Leben – diesen jemals zu verlassen, könnte sich Ivan Frédéric Knie nie vorstellen.  (Daniel Schwendener)

«Der Zirkus ist mein grosses Zuhause»

Er habe Zeit bis 20 Uhr, sagt Ivan Frédéric Knie, während er sich auf einem Stuhl im Pressewagen zurücklehnt und gespannt auf die Fragen wartet. Obwohl sein Zeitplan dann doch eher engmaschig ist, lässt sich der 15-jährige Sohn der Zirkusprinzessin Géraldine Knie nicht stressen – sondern zeigt sich ganz schön cool.

Ivan Frédéric Knie, der 15-jährige Sohn von Zirkus­prinzessin Géraldine Knie: Ist er die Interviews in Du- oder Sie-Form gewohnt?Ivan Frédéric Knie: Ich bin mir Interviews in Du- und Sie-Form gewohnt. Ich mag es jedoch gerne locker in Du-Form. 

Dann bleiben wir doch in dieser lockeren Atmosphäre ... Ivan, mal ganz ehrlich, ist das Leben im Zirkus wirklich so kunterbunt und trallala wie es scheint?
Es macht auf jeden Fall sehr viel Spass. Aber so «trallala» ist es schon nicht immer. Hinter den Vorstellungen steckt viel Arbeit. Für meine aktuelle Nummer in der Pferdedressur, die um die sechs Minuten dauert, habe ich etwas mehr als ein Jahr trainiert. Dabei geht es um das eigene Training wie auch das Zusammenspiel mit den Pferden. Jedes einzelne von ihnen hat seinen eigenen Charakter, den ich kennen und damit auch arbeiten muss. Das braucht Zeit, Geduld und auch ganz schön viel Ausdauer. 
War es für dich eigentlich schon immer klar, beim Zirkus arbeiten zu wollen?
Darüber habe ich nie wirklich nachgedacht – weil es für mich sonnenklar war. Ich hätte höchs-
tens mit einem Fussballverein geliebäugelt (lacht). Im Ernst: Mein ganzes Herzblut liegt im Zirkus. 

Du hast dein ganzes Leben zwischen Artisten, Clowns und Tieren verbracht. Du hast das Zirkus-Areal also auch nicht für die Schule verlassen?
Weder für den Kindergarten noch für die Schule. Ich wurde zusammen mit anderen Zirkuskindern allerdings ganz normal nach St. Galler Lehrplan unterrichtet. In gut einem Monat habe ich die neunjährige obligatorische Schulzeit hinter mir. 

Und dann folgt noch eine Ausbildung, zum Beispiel die kaufmännische Lehre, oder bietet der Zirkus eine sichere Zukunft?
Die Schule ist super wichtig – aber die neun Jahre reichen mir. Nicht weil ich schulfaul bin. Aber die Schule hindert mich bei den Proben. Ich habe täglich von 8 bis 16 Uhr Unterricht. So wird es meist etwa 17 Uhr, bis ich mit meinem Training beginnen kann. Ich bin sehr froh, dass ich mich ab dem Sommer dann komplett auf die Zirkusarbeit konzentrieren kann.  

Wie steht es denn überhaupt mit dem Zirkus? Man hört immer, dass du als achte Generation kein leichtes Erbe antrittst ...
Ich denke, jede Generation wird vor Herausforderungen gestellt. Meine Urgrossmutter führte den Zirkus beispielsweise während des Zweiten Weltkriegs. Dies war sicherlich eine der schwierigsten Zeiten. Aber ich bin überzeugt, dass es noch nie ein Zucckerschlecken war und auch nie eines sein wird. Warum soll ich mich aber jetzt schon darüber verkopfen?

Weil du den Zirkus vielleicht einmal als Direktor führen könntest?
So weit in die Zukunft möchte ich nicht denken – das bringt doch nichts. Wir geben unser Bestes, die Zirkusbesucher einen Abend oder Nachmittag lang zu verzaubern und setzen auf das, was ein Fernseher oder Computer eben nicht kann. 

Du sprichst den Computer und damit auch die heutige schnelllebige Zeit an. Inwiefern hat sich das Publikum in den vergangenen Jahren ­verändert?
Die Ansprüche sind sicher gestiegen. Lediglich blaues und gelbes Licht durch die Manege scheinen zu lassen, wie es vielleicht in den 80er-Jahren war, würde heute bei Weitem nicht mehr reichen. Es ist eine grosse Herausforderung, vor allem diesen individuellen Ansprüchen gerecht zu werden – und dabei zu wissen, dass man es nie allen recht machen kann. 

Du begeisterst Abend für Abend mit deiner Pferdedressur. Wolltest du schon immer mit Pferden arbeiten oder hat sich das so ergeben?
Ich habe früher immer meinem Grossvater beim Reiten zugesehen und konnte sicher auch schon eher reiten als laufen. Deshalb war es immer mein grosser Wunsch, mit den Pferden arbeiten zu können. 

Wirklich nie daran gedacht, das Publikum als Clown zum Lachen zu bringen?
Nein, wirklich nicht! Ein Clown muss seine eigene Persönlichkeit haben und darf nicht einfach eine andere Figur imitieren. Dies erfordert auch grosses schauspielerisches Talent. Ich bleibe lieber in meiner eigenen Figur als Ivan und geniesse die Arbeit mit meinen Pferden. 

Und wenn es heisst: Manege frei für Ivan Frédéric Knie – was geht dann in dir vor?
Zugegeben, das Herz schlägt in diesem Moment dann schon ein bisschen schneller. Tausend Gedanken schiessen mir dann in Sekundenschnelle durch den Kopf: Wie lief die Arbeit gestern? Die Proben heute? Wie sind die Pferde gleich drauf? Dann ist es einfach wichtig, kühlen Kopf zu bewahren. 

Einfacher gesagt als dann auch getan, oder?
Naja ... Wenn die Musik erklingt und die Lichter angehen, dann ist die Nervosität sofort verflogen. Muss sie auch – nicht auszudenken, wenn die Tiere diese Nervosität mitbekommen würden. Entsprechend muss ich auf sie beruhigend wirken. 

Klingt nach einer ziemlich 
coolen Socke!
Genau (lacht)!

Gibt es auch eine Lieblingsnummer?
Ja – vergangenes Jahr habe ich  mit fünf anderen Jungs eine Akrobatik-Nummer auf den Pferden gezeigt. Ich bin ein Fan von Akrobatik und – wie ja schon erwähnt – ein grosser Pferde-Fan. Die Kombination von beidem finde ich genial. 

Und mit wem studierst du diese Nummern ein?
Mein Grossvater Fredy Knie ist auch mein Lehrer. Der beste Lehrer überhaupt! Er hat mir alles beigebracht, was ich bis jetzt weiss. Meine Grossmutter kümmert sich um meine Kostüme und meine Mutter um die Musik. 

Gibt es da nicht manchmal auch Spannungen, wenn der Grossvater, die Grossmutter, Mutter, Vater, Geschwister und, und, und von morgens bis abends um dich herum sind?
Natürlich gibt es die. Aber so, wie es die in anderen Familien auch gibt. Für das, dass wir zwölf Monate auf engstem Raum zusammenleben und auch noch zusammen arbeiten, haben wir es sehr friedlich. 

Gibt es auch mal eine Freizeit ohne Familie?
Ja, natürlich. Ich bin ein grosser Fan von Sport, insbesondere vom Fussball. 
Von Lionel Messi?
Schön daneben getroffen! Ich bin Juventus-Fan! Also wohl eher Christiano Ronaldo. Ich schaue aber nicht nur gerne Fussball, ich spiele auch selbst gerne. So wie auch Tennis. 

Auf die Gefahr hin, dass ich wieder ins Fettnäpfchen trete, muss ich diese Frage einfach noch stellen: Hast du eine Freundin?
Nein. 

Kurz und bündig beantwortet ...
Ja, dazu gibt es auch nicht mehr zu sagen. Mit 15 Jahren muss ich meine Traumfrau noch nicht gefunden haben, das hat noch Zeit. Erst mach ich mal die Schule fertig und dann konzentrier ich mich voll und ganz auf den Zirkus. 

Genau – und vielleicht hängt deine Traumfrau dann irgendwann mal am Trapez ... Aber apropos irgendwann: Wo siehst du dich mit 30 Jahren?
Das kann ich heute noch nicht sagen. Nur so viel: Ich denke nicht daran, vom Zirkus jemals wegzugehen. Der Zirkus ist mein Leben – mein grosses Zuhause. 

23. Mai 2017 / 17:57
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