• Esther Hasler
    Esther Hasler ist Gast bei der offiziellen Eröffnung des Schlösslekellers am Sonntag.

«Ich erlebe laufend skurrile Situationen»

«Wildfang» heisst das fünfte Soloprogramm der Liechtensteiner Kabarettistin Esther Hasler, die Ende Januar Vaduz und Schaan beehrt. Dabei erwartet die Besucher ein betörendes Klavierkabarett und satirische Punktlandungen mit Charme und Scharfsinn.
Vaduz. 

Ihr fünftes Kabarett Wildfang feiert am 27. Januar Liechtenstein-Premiere im TAK. Worum dreht sich das Stück?

Esther Hasler: Wildfang! Freiheit und Abenteuer!

Natur oder Kultur ist dabei die Frage. Wie verbinden Sie diese scheinbaren Gegensätze?

Ich liebe Gegensätze. Sie machen mich wach.

Sie verbinden invasive Pflanzenarten mit tiefgekühltem Wildlachs, Zickenkrieg mit dem Zikakrieg und Quallenalarm. Woher nehmen Sie die Ideen für ihre Geschichten?

Aus dem prallen Leben. Hören Sie Radio, lesen Sie Zeitung? der alltägliche Wahnsinn ist faszinierend.

In ihren Stücken schlüpfen Sie jeweils in verschiedene Rollen. Gibt es neue Figuren? Erzählen Sie uns etwas über sie?

Ich habe neue Lieblingsfiguren: Ein Lachs und seine beklemmende Existenz im Bio-Zuchtlachsbecken, meine Cousine, die Waltraud, die auf den Malediven schnorchelt, während ihr Mann, Walter, derweilen im Liegestuhl schnarcht. Viel lieber würde er zu Hause im Wald wildern. Und Juanito Ignazio de Churachacha, der Naturbursche und Kameramann im Dschungelcamp.

Einmal spielen Sie eine Businessfrau, dann wieder die Grossmutter. Wie schaffen Sie den Wechsel zwischen den unterschiedlichen Charakteren?

Spielend.

Sie arbeiten viel mit Sprachen und Dialekten. Woher kommen ihre Sprachkünste?

Meine Muttersprache ist Liechtensteinisch. Die Schweiz ist mein Vaterland. Ich bin mit mehreren Dialekten aufgewachsen. Sprache ist Identität. Meine Liechtensteiner Grosseltern haben sich ihr Leben lang wegen sprachlicher Unterschiede ihrer beiden Heimatdörfer Nendeln und Eschen geneckt. Die beiden Dörfer liegen ja nicht einmal zwei Kilometer auseinander. Das war immer sehr witzig und hat mich fasziniert. Wieso in jedem meiner Programme zuerst ein französisches Chanson entstanden ist, ist mir selber ein Rätsel.

Im Premierenbericht der «Aargauer Zeitung» werden Sie hoch gelobt wie «Hasler ist zu eigenständig und stilsicher, um in platte Polemik zu gleiten» oder «Hasler ist eine Meisterin des Impliziten, ihre sinnigen Geschichten verführen die Imagination des Publikums». Was sagen Sie dazu?

Ich freue mich sehr über Pressekritiken, in denen nicht bloss eine Pointe nach der andern beschrieben wird, sondern eine echte Auseinandersetzung stattfindet. Der Pressebericht meiner Premiere war ein Glücksfall. Ganz besonders freut mich dieser Satz: «Menschen gleichzeitig zum Nachdenken, Träumen und Lachen zu bringen, ist grosse Bühnenkunst.»

Wie waren sonst die Reaktionen auf die Premiere?

Ausschliesslich begeisterte Reaktionen. Als Feedback höre ich oft «sie wird immer besser!». Peter Leu, Schauspieler, Regisseur und Leiter der Kulturfabrik Bigla, schrieb: «Herzliche Gratulation! Es ist Dir wieder ein wunderschönes Programm gelungen. Dramaturgisch geschickt aufgebaut, heften sich Deine Figuren unterhaltend und gescheit auf die Spuren des Wildes. Feine Pointen und Wortspiele schlängeln sich durchs Programm, Dei ne Songs sind ohnehin eine Ohrenweide. Ich habe das Publikum beobachtet und belauscht ? ich meine, Du hast sie gefangen . Ich gehe schwer davon aus, dass Du mit Deinem Programm auf allen Bühnen Erfolg haben wirst. Also, so weiter!»

Gab es auch kritische Stimmen?

Bestimmt ? ich habe allerdings keine gehört.

Auf der Bühne sprechen und singen Sie nicht nur, sondern spielen auch Klavier. Was braucht dabei am meisten Übung?

Die Chansons, Texte und Figuren immer wieder frisch und in voller Präsenz zu spielen ist eine grosse Herausforderung. Schreiben, Komponieren, klaviertechnische Übungen, Stimm- und Körperarbeit verlangen Disziplin.

Wie erklären Sie sich ihren Erfolg?

Ich bin selber überrascht. Es fühlt sich richtig an, wo ich gelandet bin. Ich erlebe laufend skurrile Situationen, unfreiwillige Komik und ich lache gern über mich selber.

Im Jahr 2014 haben sie das Werkjahrstipendium der Kulturstiftung Liechtenstein erhalten. Inwiefern profitieren Sie davon (bis heute)?

Das Werkjahr war und ist für mich noch immer ein grosses Geschenk und gibt mir weiterhin Rückenschub. Ich habe enorm viel profitiert von den Weiterbildungen und den damit verbundenen Auslandsreisen. Ich konnte meine Bühnenkunst weiterentwickeln und festigen. Mit «Wildfang» habe ich neue Facetten entdeckt, neue Klangqualitäten in Stimme und Klavierspiel. Das Werkjahr wirkt noch immer nach. Ich will es noch lange nicht abschliessen, sondern suche und arbeite in diesem Sinne weiter.

Welche Themen sind Ihnen in ihren Programmen am wichtigsten?

Das Leben in all seinen Facetten. Tierisch menschliche Geschichten, menschliche Höhenflüge und Abgründe. Humor ist eine wunderbare Medizin und hilft, auch schwierige gesellschaftspolitische Themen an die Oberfläche zu bringen. Über Missstände lachen hilft, diese zu erkennen, sie zu ertragen und zu verändern.

Aufführungen: Freitag, 27.1., 20.09 Uhr im TAK Schaan, Sonntag, 29.1., 10.30 Uhr im Schlösslekeller Vaduz

27. Jan 2017 / 22:01
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