• Tänzer aus Leidenschaft: Petr Zaionchkovskiy aus Moskau.

Pirouetten und Fussball

Für Petr Zaionchkovskiy ist die Bühne Alltag. Routine hat sich bei dem 31-jährigen Balletttänzer aus Moskau allerdings noch lange nicht eingestellt: Er liebt es immer wieder aufs Neue, den Zuschauern Geschichten vorzutanzen. Mit ganzem Herzblut. Sprühend vor Lebensfreude.
Vaduz/Moskau. 

Herr Zaionchkovskiy, Ihre Tanzausbildung haben Sie an der Bolschoi Ballett-Akademie in Moskau absolviert und Sie sind in den vergangenen Jahren in Europa von Bühne zu Bühne getourt. Zuletzt standen Sie im Musical «My Fair Lady» im Vaduzer Saal auf der Bühne. Können Sie nach drei Wochen intensiver Spielzeit das Lied «Es grünt so grün wenn Spaniens Blüten blühen» noch hören?

Petr Zaionchkovskiy: Aber klar doch! Ich summe die Melodie sogar manchmal vor mich hin. «My Fair Lady» ist mein absolutes Lieblingsmusical. Mir gefällt die Musik mit all den berühmten Arien. Sie hat mich so sehr inspiriert, dass ich sogar mit dem Singen anfangen möchte. Gesang mit Tanz zu kombinieren, das wäre genial!

Bei «My Fair Lady» waren Sie als Tänzer in verschiedenen Rollen zu sehen ? so zum Beispiel als Strassenkünstler oder in einer anderen Szene als Zuschauer bei einem Pferderennen. Schlüpfen Sie gerne in verschiedene Rollen?

Ich bin es gewohnt. Und Spass macht es mir natürlich auch. Mit jeder Rolle werde ich um eine Erfahrung reicher ? ich liebe es, Neues zu lernen.

Gibt es eine Traumrolle?

Als Kind habe ich immer davon geträumt, einen Prinzen tanzen zu dürfen. Mit meiner Hauptrolle in «Schwanensee» ging dieser Traum in Erfüllung. In meiner bisherigen Karriere durfte ich bereits die klassischen Ballette wie Dornröschen, Giselle oder den Nussknacker tanzen. Es hat eigentlich keine Rolle gegeben, in der ich mich nicht wohlgefühlt habe.

Und wenn Sie gerade mal nicht auf der Bühne stehen und keine Rolle spielen ? wer ist Petr Zaionchkovskiy?

Ein neugieriger und wissbegieriger junger Mann! Ich lerne gerne Fremdsprachen und spreche Deutsch, Französisch, Englisch, Polnisch und Hebräisch. Im Rahmen eines Fernstudiums studiere ich ausserdem Kunstgeschichte, insbesondere fasziniert mich der Barocktanz. So lese und lerne ich in meiner Freizeit viel. Und, ganz wichtig: Weil ich viel trainiere und mich viel bewege, brauche ich auch meine Ruhezeiten. Diese verbringe ich auf dem Sofa mit einem Buch oder vor dem Fernseher.

Wann und wie haben Sie das Tanzen für sich entdeckt?

Schon früh! Mit fünf, sechs Jahren stand ich zum ersten Mal in einem Ballettsaal. Meine Eltern haben mich oft mit ins Theater genommen. Schon bald wusste ich, als ich den Künstlern auf der Bühne beim Singen, Tanzen und Schauspielern zugesehen habe: Ich will auf die Bühne, ich will Tänzer werden! Zu meinem Glück durfte ich die Tanzschule besuchen. Meine Lehrerin hielt mich für ein Talent und förderte mich entsprechend.

Während Sie als kleiner Junge im Ballettsaal Pirouetten drehten, tummelten sich Gleichaltrige auf dem Fussballplatz. Wie haben Ihre Kameraden auf Ihre Leidenschaft, die oft mit einem Mädchentraum verbunden wird, reagiert?

Ich war in der Ballettschule und somit unter Gleichgesinnten. Und zur grossen Überraschung: Nach den Pirouetten haben wir Jungs auch mal Fussball gespielt!

Dann wurden Sie nie mit gewissen Vorurteilen männlichen Tänzern gegenüber, dass sie mädchenhaft seien, konfrontiert?

Nein, ich denke, diese Zeit ist vorbei. Im Gegenteil: Tänzer ist ein starker und sehr schöner Beruf ? entsprechend habe ich dafür immer Anerkennung bekommen.

Eine Anerkennung, die bestimmt Balsam für die Seele, aber auch für den Körper ist, der diesen Balsam nach den Strapazen bitter nötig hat. Entsprechend hat ein Tänzer auch mit körperlichen Beschwerden zu kämpfen.

Was plagt Sie?

Ich darf sagen: Mit meinem Körper ist alles in Ordnung. Klar, Verletzungen können manchmal passieren. Man lernt aber, den Körper zu kontrollieren ? und auf ihn zu achten: Braucht er Ruhe, muss man diese Geduld eben aufbringen. Damit die Verletzungen nicht durch Fehler passieren, ist es umso wichtiger, stets konzentriert zu arbeiten.

Als Tänzer kennt man also keine langen Ausgangs-Abende beziehungsweise -Nächte?

Ich sag es mal so: Morgens muss man einfach topfit sein. Alkohol liegt da ganz bestimmt nicht drin. Aber ich kenne auch nichts anderes. Das ist wie bei den Sportlern. Auch Tänzer sind Sportler ? wir verbinden allerdings den Sport mit Kunst. Aber zurück zur Frage: Doch, natürlich kenne ich Disco-Ausgänge. Ich liebe es, in die Disco zu gehen, manchmal sogar nach Vorstellungen. Gerade dann habe ich die Energie. Dann wird gequatscht, gelacht und getanzt. Allerdings alles in Massen.

Nach einer Vorstellung zieht es Sie sogar noch auf die Discofläche! Ich merke: Sie sind Tänzer mit Leib und Seele. Umso schmerzlicher ist für Sie bestimmt der Gedanke, was Sie tun werden, wenn Sie die Tanzschuhe altersbedingt an die Wand hängen müssen. Haben Sie trotzdem schon mal daran gedacht?

Ja, klar ? ob man will oder nicht, man muss sich damit befassen. Ich kann mir gut vorstellen, später als Choreograf zu arbeiten. Einige Erfahrungen habe ich dabei schon gesammelt. Darum weiss ich, dass mich dies auch erfüllen würde. Erst kürzlich habe ich das Kinderballett «Peter und der Wolf» choreografiert. Ich möchte aber auch noch selber auf der Bühne stehen ? so lange wie ich kann!

Als Kind haben Sie von einer Rolle als Prinz geträumt, dies ist wahr geworden. Wovon träumen Sie heute?

Davon, mit schöner Kunst anderen Menschen eine Freude zu machen. Der Kontakt mit dem Publikum ist sehr inspirierend. Diesen Kontakt leben zu dürfen, das ist mein wahr gewordener Traum.

Was fühlen Sie, wenn Sie tanzen?

Es kommt darauf an, in welchem Charakter ich stecke und was für eine Geschichte ich dem Zuschauer erzähle. Wenn ich auf der Bühne bin, bin ich in meiner Rolle voll konzentriert. Ich tanze für jeden einzelnen Besucher und fühle mich in meinem Innern nur eines: Happy! Neben dem Tanzen ist es auch die Musik, die mir viel im Leben gibt.

Was für Musik hören Sie denn am liebsten?

Chopin, Schubert, Vivaldi. Aber auch gerne mal Pop!

Sie haben die Kunst des Bewegens zu Ihrem Beruf gemacht. Wie schwierig ist es, überhaupt zu Engagements zu kommen?

Es ist nicht immer einfach, aber es geht schon. Ich habe schon auf vielen Theaterbühnen getanzt, entsprechend viele Kontakte habe ich geknüpft. Passe ich in eine Rolle, werde ich von den Theatern selbst kontaktiert. Ansonsten sind Engagements auch im Internet zu finden.

Tanzen füllt so ziemlich Ihr ganzes Leben aus. Gibt es dennoch etwas, das Sie in Ihrer Freizeit sonst noch gerne machen?

Ja: Backen! Vor allem Muffins und Schokolade-Cookies.

Dürfen Sie diese mit Ihrer durchtrainierten Figur auch essen?

Natürlich! Ich brauche zum Tanzen jede Menge Energie! Aber es ist schon so, dass ich darauf achte, was ich esse und dass ich vor allem genug Mineralien, Vitamine, Gemüse und Früchte zu mir nehme. Ich liebe es aber auch, nach einer Vorstellung ein grosses Schnitzel zu essen! Ich esse eigentlich alles ? allerdings in Massen. Meine Grenzen kenne ich ganz genau.

Wie geht es für Sie nun nach «My Fair Lady» weiter?

Ich werde nun für ein Weilchen bei meiner Familie in Moskau sein, ganz besonders freue ich mich auf den Geburtstag meiner Mutter.

Noch kein neues Projekt in Sicht?

Nein, erst mal gönne ich mir eine Pause, bevor ich mich einem Tanzperformance-Projekt widme. In Moskau möchte ich Gesangsstunden nehmen. Vielleicht bekomme ich ja bald eine Rolle, bei der ich singen und tanzen kann. Mal sehen. Ich bin überzeugt, das nächste Projekt kommt bestimmt. Egal was ? ich freue mich darauf!

27. Feb 2017 / 18:53
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