• Stephanie Beck aus Schaan lebt seit zehn Jahren als freischaffende Harfenistin in London. Musikerin ist für sie nicht nur ein Beruf, sondern vielmehr Leidenschaft.  (Roland Korner / Close Up 9495 Triesen)

«Wer diesen Beruf wirklich will, findet auch einen Weg»

Wie ein Engel sieht sie aus, wenn ihre Finger über die Saiten der Harfe gleiten und himmlische Klänge ertönen – schon viele Zuhörer hat Stephanie Beck aus Schaan verzaubert. Seit zehn Jahren lebt sie in London und spielt dort in führenden Orchestern. Als Krönung für ihren Erfolg hat sie nun auch noch einen Preis bekommen: den «Associate of the Royal Academy of Music».

Frau Beck, Sie wurden vergangenen Monat mit dem Titel «Associate of the Royal Academy of Music» ausgezeichnet. Wie fühlt sich das an?
Stephanie Beck: Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung. Es war eine grosse Überraschung, denn ich hatte keine Ahnung, dass ich für einen solchen Titel vorgeschlagen wurde. Als ich den Brief mit der Post bekam, habe ich erst mal einen Freudentanz aufgeführt.

Dieser Freudentanz ist auch verständlich, denn die Auszeichnung wird nur ehemaligen Studenten der Royal Academy of Music verliehen, die sich in der Musik­berufswelt profiliert haben. Womit ist es Ihnen denn ­gelungen, sich zu profilieren?
Da ich freischaffende Musikerin bin, sind es viele verschiede Elemente, die meinen bisherigen Weg als Harfenistin geprägt haben. Ich arbeite seit zehn Jahren in London – ich spiele regelmässig mit den führenden Orchestren Kammermusik, spiele als Solistin und unterrichte. Ich bin stolz auf das, was ich in dieser Zeit erreicht habe, und dass die Royal Academy of Music meine Arbeit auf diese Weise anerkennt, ist für mich besonders schön.

Frau Beck, wie schwierig ist es überhaupt, in der Musik­berufswelt Fuss zu fassen?
Es ist nicht einfach, und ich denke, dass es für junge Musiker auch immer schwieriger wird. Es gibt immer weniger feste Stellen, und in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage wird bei der Kultur oft als Erstes gespart. 
Aber wenn man diesen Beruf wirklich unbedingt ausüben möchte, dann findet man einen Weg. Für mich ist dieser Weg auch oft mit Unsicherheiten verbunden, aber dennoch könnte ich es mir nicht anders vorstellen. 

Trotz Unsicherheiten ist Ihnen der Weg bislang gelungen. Was war dabei ihr persönlicher «Türöffner»?
Ich glaube, wichtig war für mich, dass sich alles langsam, aber stetig entwickelt hat. Ich hatte eine gute, gesunde Basis und ein stabiles Umfeld. Meine Lehrerin in London hat mir sehr viele Türen geöffnet. Sie hat mich schon in meinem ersten Studienjahr beim Royal Philharmonic Concert Orchestra für eine Tournee vorgeschlagen. Für sie habe ich auch als Vertretung in Musicals im Londoner West End gespielt und sie hat mich mehreren Orchestern und anderen Harfenisten empfohlen. Daraus haben sich weitere Beziehungen ergeben, und so bildet man über die Jahre hinweg ein Netzwerk. Wichtig ist dabei, dass man als Musikerin zuverlässig, ehrlich und teamfähig ist und sich alles gut einteilt.

Sie haben mit acht Jahren angefangen, Harfe zu spielen. Die meisten Kinder spielen Gitarre, Klavier oder ein anderes herkömmliches Instrument. Wieso hat es Sie zur Harfe gezogen?
Das war schon immer mein Wunsch. Schon als Fünfjährige im Kindergarten wollte ich Harfe spielen. Woher der Wunsch genau kam, weiss ich nicht, aber er war einfach da.

Die Harfe hat irgendwie so etwas Märchenhaftes an sich. War die Vorstellung, mit der Harfe Karriere zu machen, auch ein Märchen für Sie oder haben Sie dieses Ziel schon früh verfolgt?
Nein, überhaupt nicht, das hat sich eigentlich erst mit der Zeit entwickelt. Die Harfe war lange einfach ein Hobby, das mir unglaublich viel Freude und Spass gemacht hat. Mit 15 Jahren bin ich dann ans Musikgymnasium nach Feldkrich gegangen, wo ich neben der Schule am Konservatorium studieren konnte. Das gab mir die Möglichkeit, in die Musikwelt hineinzuschnuppern, aber ich hätte trotzdem auch etwas anderes studieren können. Es war mir einfach sehr wichtig, dass diese Option offen blieb. Sobald ich am Konservatorium angefangen habe, war für mich aber ziemlich schnell klar, dass ich den Musikweg weitergehen wollte.

Sie sind im Jugendalter als Ballerina auf der Bühne gestanden. Wäre eine Tanzkarriere auch eine Option gewesen?
Das Tanzen war und ist auch immer noch eine grosse Leidenschaft. Es gab eine Zeit, in der mich dieser Weg auch interessierte. Für mich war dann aber bald klar, dass es die Musik sein sollte. Das Tanzen hat mich aber immer begleitet und ist auch ein wichtiger Ausgleich zur Musik. Auch heute versuche ich, ab und zu Zeit dafür zu finden. 

Mal ehrlich: Sie spielen himmlisch Harfe, sind eine talentierte Tänzerin – woher haben Sie denn diese Begabungen? Einfach im Blut?
Oh, ich weiss nicht, ob ich das so sagen könnte. Es war einfach von Anfang an eine grosse Begeisterung für die Musik und fürs Tanzen da, und im Allgemeinen ein grosses Interesse und eine Bereitschaft, zu lernen.

Wo soll Ihre berufliche Reise in den nächsten Jahren hingehen?
Das ist schwierig zu sagen. Man weiss nie, was für Möglichkeiten sich ergeben. Im Moment geniesse ich die Vielfältigkeit, die mir die Arbeit als freischaffende Musikerin bietet. Es wird aber sicher auch eine Zeit kommen, in der ich etwas mehr Stabilität suche. Wir werden sehen …

Und wovon träumen Sie?
Mein Traumjob wäre eine Stelle an einem Konservatorium oder an einer Hochschule. Das würde mir eine gewisse Sicherheit geben und ich könnte die Flexibilität und meine Freiheit beim Spielen beibehalten. Das wäre eine sehr schöne Kombination und eine ideale Ausgangslage, um sich kreativ weiterentwickelt zu können. Und das möchte man ja schliesslich erreichen.

27. Apr 2017 / 08:58
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