• Buchautor Anton Beck
    Liechtensteiner Buchautor Anton Beck: «Ich denke, es ist besser, mit dem Erfolg bescheiden umzugehen, als sich zu sehr darüber zu freuen ? denn man weiss nie, wann es zu Ende sein kann.»  (Daniel Schwendener)

«Das Schreiben ist wie ein Drang»

Der 21-Jährige Anton Beck ist Liechtensteiner Buchautor und schreibt momentan an seinem dritten Roman. Sein erster Roman wurde vor Kurzem ins Kroatische übersetzt, sein zweites Buch «Fern von Flut und Flora» erschien im vergangenen Herbst und an der Leipziger Buchmesse stellt er bald seine Kurzgeschichte vor. Bescheidenheit ist seine Stärke.

Herr Beck, wollten Sie immer schon Buchautor werden?

Ich habe immer gerne gelesen, aber ein Buchautor sein, das wollte ich nicht. Bis ich 16 Jahre alt war, wollte ich Biologe werden. Danach habe ich gemerkt, dass mir das Fach «Deutsch» besser liegt als Biologie oder alle anderen naturwissenschaftlichen Fächer. Dann habe ich begonnen, Gedichte und Kurzgeschichten zu verfassen.

Welche Art von Gedichten und Kurzgeschichten haben Sie damals verfasst?

Aus heutiger Sicht waren diese Geschichten nicht sehr gut. Meine erste Geschichte war ein Theaterstück über den jungen Goethe. Dieses habe ich meinem Lehrer zum Gegenlesen gegeben und die Rückmeldung war niederschmetternd. Einzig ein Dialog sei gut gewesen, meinte er. Das hat mich aber nicht vom Schreiben abgehalten.

Wie sind Sie auf das Stück «der junge Goethe» gekommen?

Die literarische Strömung «Sturm und Drang» hat mich immer schon fasziniert. Vor allem, dieses Thema in die Moderne zu verfrachten, finde ich extrem interessant. Das ist etwa dasselbe, was Quentin Tarantino mit seiner Filmmusik anstellt. Er lässt Rap während eines Westernfilms laufen.

Inwiefern unterscheiden sich Ihre jetzigen Bücher von den alten?

Ich finde meine alten Werke zu idealistisch, fast schon zu naiv. Ich habe die Welt aus der Sicht eines Gymnasiasten beschrieben. Die Zeit vom Gymnasium bis jetzt hat mich erwachsener gemacht und somit auch meine Bücher.

Haben Sie einen Ablauf während Sie ein Buch schreiben?

Nein, ich habe keinen fixen Ablauf. Das passiert eher plötzlich, ausgelöst durch etwas, das ich erlebt habe. Dann komme ich nach Hause und es sprudelt einfach aus mir heraus. Ich weiss auch am Anfang nie, wie das Buch enden wird. Das kommt erst mit der Zeit. Das erste Buch beispielsweise ist im Affekt entstanden.

In welchem Affekt?

Damals habe ich Jura in Basel studiert und in Mariastein, in einem christlichen Kaff in der Nähe von Basel, gewohnt. Das Studium hat mir nicht gefallen und in Mariastein kam es mir vor wie in einem wahrgewordenen Horrorfilm. Das war eine schreckliche Zeit für mich, ich fühlte mich alleine. Diese negativen Erfahrungen habe ich im Buch verarbeitet. Innerhalb von vier Wochen ist der 160 Seiten lange Roman entstanden.

Weshalb haben Sie überhaupt angefangen Jura zu studieren?

Ich wollte etwas Handfestes studieren. Denn ich denke, als Buchautor kann man seinen Lebensunterhalt nicht bestreiten. Es ist fast schon utopisch zu sagen, man will Schriftsteller werden, denn die Branche ist so hart umkämpft. Jetzt studiere ich Germanistik und im Nebenfach Skandinavistik. Ich bin selbstbewusster geworden, so konnte ich das studieren, worin meine Stärken liegen. Was ich später hauptberuflich arbeiten möchte, steht aber noch in den Sternen. Von den 120 Deutsch-Studenten aus meinem Jahrgang weiss keiner, was er später machen möchte.

Haben Sie neben Ihrem Studium genügend Zeit, um Bücher zu schreiben?

Das Schreiben ist wie ein Drang. Ich muss schreiben, das nervt mich teilweise. Manchmal wäre es einfacher, wenn ich das nicht hätte, denn ich nehme mir oft Zeit, auch wenn ich sie eigentlich nicht habe. Das Schreiben nimmt rund 20 Prozent meiner Gedanken ein.

Wann schreiben Sie dann?

Zwischendurch und am liebsten in der Nacht. Ich habe Schlafstörungen und wenn ich wieder einmal nicht einschlafen kann, setze ich mich an den Laptop und schreibe. Das mache ich auch oft nach dem Ausgang. Der Ausgang gibt mir Inspiration. Dann komme ich manchmal um drei Uhr morgens nach Hause und schreibe anschliessend, bis ich müde werde. Zehn Seiten der Kurzgeschichte, welche ich an der Leipziger Buchmesse präsentieren werde, habe ich in einer Nacht nach dem Ausgang geschrieben.

Um was geht es in dieser Kurzgeschichte?

Sie handelt vom momentan allgegenwärtigen Thema #metoo. Es geht darin um einen Musiker, dem Vergewaltigung vorgeworfen wird und wie er sich damit während eines Spaziergangs in der Nacht auseinandersetzt. Die Kurzgeschichte ist aber nicht wertend. Meine Mama konnte das Stück nach der Fertigstellung gegenlesen und meinte, es wäre sehr düster.

Würden Sie alle Ihre Geschichten als düster beschreiben?

Seit der Zeit in Basel ist alles düster geworden. Das hat auch mit meiner persönlichen Entwicklung zu tun. Nach solchen Erlebnissen hat man einen Teil seiner Unbeschwertheit verloren.

Haben Ihre Werke etwas Autobiografisches?

Der erste Roman #jugend handelt von drei jungen Frauen, jede von ihnen hat Charakterzüge von mir. Am meisten von denen hat die Dänin erhalten, die ein Auslandssemester in Mariastein absolviert. Ihr psychischer und physischer Zustand war zuvor normal, doch in Mariastein wird sie plötzlich leicht paranoid und kann nicht mehr schlafen. So erging es auch mir. Nach einem halben Jahr habe ich dieses Kapitel meines Lebens hinter mir gelassen und bin nach Amerika gereist. Dort war es aber auch nicht viel besser, denn ich landete mit Verdacht auf eine Blinddarmentzündung im Spital. Als ich dann endlich wieder zurück in Liechtenstein war, habe ich mich für zahlreiche Praktikas beworben und konnte schliesslich bei der Zeitung «Weltwoche» auf der Bildredaktion arbeiten. Von da an ging es wieder aufwärts.

Ihr erstes Buch #jugend wurde sogar ins Kroatische übersetzt und Ihr zweites Buch «Fern von Flut und Flora» ist im Herbst erschienen. Waren das Erfolge für Sie?

Ich hatte viel Glück in letzter Zeit, denke aber auch daran, dass das alles auch schnell wieder zusammenbrechen kann. Ich denke, es ist besser, mit dem Erfolg bescheiden umzugehen, als sich zu sehr darüber zu freuen, denn man weiss nie, wann es zu Ende sein kann. Aber momentan freue ich mich darüber, dass ich veröffentlichen und sogar auf die Buchmesse gehen kann.

War es schwer, einen Verlag zu finden?

Ja das war es. Ich habe schon mit 16 Jahren angefangen, meine Bücher den Verlagen vorzustel len. Erst mit meinem ersten Roman «jugend» hatte ich Erfolg. Das war zugleich auch die erste Bestätigung für mein Tun als Buchautor. Das hat mir gezeigt, dass ich doch eine gewisse Begabung für das Bücherschreiben habe.

Haben Sie keine inhaltlichen Vorgaben vom Verleger erhalten?

Nein, ich darf über alles schreiben. Mir wurde auch noch nie etwas aus meinen Büchern gestrichen. Am liebsten schreibe ich über die Moderne, denn die ist spannender als die Vergangenheit, wie ich finde. Es passiert momentan so vieles auf der Welt, sei es im Bezug auf die Gender-Thematik oder auch in der Politik.

Um was geht es in Ihrem dritten Roman und wann soll er erscheinen? 

Das kann ich jetzt noch nicht konkret sagen. Auch das Erscheinungsdatum ist bislang noch offen. Entweder wird es ein autobiografisches Werk: Der Roman würde dann entsprechend in Liechtenstein und von einem Schriftsteller handeln, der endlich aufhören muss zu schreiben. Dabei soll der Umgang mit dem Scheitern aufgearbeitet werden. Das Werk soll dann veranschaulichen, dass man nicht immer den Traum verwirklichen muss, um glücklich zu werden. Oder es ist eine Sammlung von düsteren Kurzgeschichten zu verschiedensten Themen wie beispielsweise Gender-Rassismus.

23. Feb 2018 / 12:10
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