• Yves "Chäller" Keller, Vaduz
    Yves Keller: «Es gibt die unterschiedlichsten Reaktionen zu meiner Person. Wenn du nicht polarisierst, machst du etwas falsch.» Der Radiomoderator setzt jetzt ganz auf die Karte Komiker.  (Tatjana Schnalzger)

«Ich bin ein maximal unlustiger Mensch»

Mit der Radioshow «FM1-Wachmacher» wurde seine Stimme berühmt. Nun hört man ihn nicht nur, man kann ihn auch auf der Bühne sehen. Yves Keller alias «Chäller» startet eine neue Karriere als Komiker. Ein Mann zwischen Lobeshymnen und Morddrohungen.

Interview: Nathalie Bagnoud

Am 25. November werden in Schaan die Lachmuskeln der Zuschauer trainiert. «Chäller» ist live on tour und gastiert im SAL. Yves Keller, da wir Berufskollegen sind, hoffe ich, dass es in Ordnung ist, wenn wir uns duzen?
Ives Keller: Ja klar! Freut mich, ich bin der Chäller.

Liechtenstein ist für dich nicht unbekannt. Letztes Jahr hattest du einen Auftritt in Schaan. Also 
hattest du wohl keine Probleme, ins Medienhaus zu finden, oder?

Um ganz ehrlich zu sein: Ich war dermassen in Gedanken versunken, dass ich die Autobahnausfahrt Vaduz verpasst habe. Deswegen bin ich so knapp zum Interview erschienen. Aber so konnte ich eine kleine Reise durch Liechtenstein geniessen. 

Welche Erinnerungen hast du an Liechtenstein?
Als kleiner Junge durfte ich mit anderen Kindern zu einem Anlass auf Schloss Vaduz. Auf der Schlosswiese haben wir alle zusammen rumgetollt und gespielt. Mit einem Mädchen hatte ich besonders viel Spass, aber ich wusste nicht, wer sie war. Meine Eltern nahmen mich später zur Seite und erklärten mir, dass dies die Prinzessin sei. Man könnte also sage, dass ich der erste Schatz der Prinzessin war.

Wenn du in Liechtenstein auf der Bühne stehst: Ist es ein anderer Auftritt als in der Schweiz?
Nein, eigentlich nicht. Letztes Jahr im SAL in Schaan bin ich zwei, drei Mal ins Stolpern geraten und sagte: «Wir Schweizer ... ähm ... und Liechtensteiner», weil ich gar nicht auf dem Radar hatte, dass ich nicht vor einem Schweizer Publikum stehe. Das werde ich dieses Mal besser machen. Was mir aber auffällt, ist, dass von Ort zu Ort der Humor anders ist. Das hätte ich nie gedacht. Die Liechtensteiner lachen über andere Sachen wie die Heerbrugger und die haben wiederum einen anderen Humor als die St. Galler. Besonders prägnant ist der Unterschied zwischen Stadt und Land. Ich präsentiere zum grössten Teil Flachwitze auf der Bühne. Es gibt ein Kulturstück in meiner Show, da lese ich etwas vor und dieser Witz kommt in der Stadt wahnsinnig gut an. In den ländlichen Gebieten war das Feedback eher verhalten. 

Würdest du Liechtenstein als Stadt oder als ländliche Region bezeichnen?
Diese Frage ist bestimmt eine Falle! Vom Empfinden und vom Publikum vom vergangenen Jahr würde ich Liechtenstein ländlich einschätzen. Was aber nicht die grossen kulturellen
Ereignisse in Liechtenstein schmälern soll. 

Zu deiner Karriere: Als Radiomoderator bist du berühmt geworden. Aber wie hat alles angefangen?
Der Klassiker: Ich war einer dieser mühsamen Kinder, die das Radiohören liebten. Ich nervte meine Mutter, die in der Küche stand, sie solle das Radio lauter stellen, damit ich die Hitparade mithören konnte. Während des Gymnasiums durfte ich bei der Jugendsendung von Radio Munot in Schaffhausen mitmachen und ich wusste danach, dass ich nicht studieren möchte, da mir dies zu trocken und langweilig war. Deswegen habe ich gleich nach der Schule angefangen, bei Radio Munot zu arbeiten. Währenddessen habe ich die Schweizer Journalistenschule, das MAZ, besucht. Zu einem späteren Zeitpunkt schickte ich eine Blindbewerbung zu FM1 und wurde nach einem Vorstellungsgespräch als neuer Morgenmoderator eingestellt. 

In einem TV-Interview vor einem Jahr sagtest du, dass dein Herz für das Radiohandwerk schlägt. Nun stehst du mehr auf der Bühne als hinter dem Mikrofon. Wieso? 
Es war keine einfache Entscheidung. Nach acht Jahren musste ich mir eingestehen, dass ich nicht gleichzeitig Morgenmoderator und Komiker sein konnte. Ich kam teilweise von einem Auftritt um 1 Uhr morgens nach Hause und zwei Stunden später klingelte der Wecker und ich musste wieder ins Radiostudio rennen . Ich konnte die Balance nicht halten und wollte etwas richtig machen und habe mich für den abenteuerlichen Weg entschieden. Ich habe keine Ahnung, ob dieser Weg funktionieren wird. Ich gebe mir zwei Jahre Zeit und beobachte, wie es sich entwickelt. 
Wie kam es überhaupt dazu, dass du dich als Komiker auf die Bühne gestellt hast?
Ich glaube, das hat sich so ergeben. Ich sage von mir selbst, dass ich ein maximal unlustiger Mensch bin, aber ich finde alles, was um mich herum passiert, extrem lustig. Man muss nicht lustig sein, um Komiker zu werden. Man muss eine gute Beobachtungsgabe haben und Geschichten auf den Punkt bringen. 

Vermisst du es, hinter dem Mikrofon zu stehen? 
Ja, ich stelle immer meinen Wecker auf 3 Uhr und denke mir: Oh, ist das schade, dass ich weiterschlafen muss. Nein, das frühe Aufstehen vermisse ich tatsächlich nicht, aber das Radiomachen schon. Vor allem den Kontakt zu den Hörern habe ich unglaublich geschätzt. 

Wenn du auf der Strasse erkannt wirst, wie reagieren Menschen auf dich?
Es gibt die ganze Bandbreite. Wenn du nicht polarisierst, dann hast du was falsch gemacht, dann wirst du nicht wahrgenommen. Es gibt Personen, die sich freuen, wenn sie mich auf der Strasse sehen. Es gibt andere, die sagen mir offen ins Gesicht: «Dich finde ich nicht lustig.» Und das ist vollkommen legitim. Ich finde auch nicht jeden lustig, aber ich würde es vielleicht demjenigen nicht ins Gesicht sagen. 

Kannst du persönliche Beispiele nennen? 
Bei einem Auftritt in St. Gallen ist ein Mann an mir vorbeigelaufen und sagte: «Dich finde ich extrem hohl.» Ich hatte keine Zeit, um zu reagieren und dachte mir im Nachhinein: «Bei dir hat die Mutter pädagogisch versagt, aber das ist o. k.» Solche Situationen gehen nicht einfach an mir vorbei, es kratzt dann doch 
irgendwie. Aber ich habe gelernt, damit umzugehen. Das erschreckendste Mail habe ich am Anfang meiner Radiozeit bei FM1 erhalten. «Hör auf, die Morgenshow zu moderieren, ansonsten reisse ich dir dein Herz aus der Brust», schrieb ein Hörer. Diese Mail habe ich aufbewahrt, denn ich finde, wenn du eine Morddrohung erhalten hast, dann hast du es geschafft. 

Was war bisher dein schlimmster Auftritt als Komiker?
Ich war einst bei einem Kulturabend in Burgdorf und die gleichen Witze, die an allen anderen Abenden funktioniert hatten, klappten an diesem Abend nicht. Es war ruhig. Es war der schlimmste Auftritt, den ich je hatte. Ich brachte meinen Joker, der Witz, der einfach ziehen musste – und sogar der floppte. Es gab keine Reaktionen. 

Dann hoffen wir, dass es am 25. November im SAL in Schaan besser laufen wird. Worauf dürfen sich die Besucher freuen?
Ich erzähle Geschichten, die aus dem Leben gegriffen sind. Es geht teilweise um den Radio-
alltag, Beziehungen, Einkaufen gehen. Wer einen hoch lyrischen Abend erwartet, sollte vielleicht etwas anderes planen. 

Wie wird es beruflich für dich weitergehen? 
Ich schreibe an einer neuen Show, mit der ich nächstes Jahr im Frühling auf Tour gehen möchte. Das Programm wird den Namen «Radioaktiv» tragen. 
 

26. Okt 2017 / 10:45
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