• www.elma.li
    «Uns ist es wichtig, dass vor allem darüber nachgedacht wird, was Kulturerbe überhaupt ist und was es uns bedeutet.»  (Elma Korac)

«Unser Kulturerbe gibt uns Halt und Sicherheit»

Die Europäische Kommission hat das Jahr 2018 zum Kulturerbejahr ausgerufen. Entsprechend legt Liechtenstein dieses Jahr ein Hauptaugenmerk auf die Kulturgüter des Landes. Am 15. Januar hat Kulturminsterin Aurelia Frick das Themenjahr auf Burg Gutenberg offiziell eröffnet.

Von Bettina Stahl-Frick

Bei unseren Nachbarn in der Schweiz zählt sicher die Luftseilbahn, die Basler Fasnacht und gewissermassen wohl auch Polo Hofer zum Kulturerbe. Welche drei Besonderheiten fallen Ihnen zu Liechtensteins Kulturerbe ein?
Aurelia Frick: Ganz spontan und ohne etwas zu werten, würde ich sagen: Unsere verschiedenen Dialekte, Trachten und der Brauch, dass wir mit allen immer gleich per Du sind. 

Abgesehen davon hat Liechtenstein ein Schloss, Burgen, Kulturgütersammlungen und weitere Besonderheiten. Aber: Wer definiert denn überhaupt, was zum Kulturerbe eines Landes zählt?
Tatsächlich ist nicht alles, was alt ist, automatisch Kulturerbe. Auch nicht alles, was wir künstlerisch oder kreativ schaffen. Unser kulturelles Erbe ist vielmehr eine Auswahl solcher Objekte, aber natürlich auch unser Brauchtum, das heisst, das immaterielle Kulturgut. Kulturelles Erbe kann auch digital und gerade eben entstanden sein. Alles, was eine Gesellschaft als bedeutsam einstuft und an künftige Generationen weitergeben will, ist unser Kulturerbe.

Wodurch ist Liechtensteins Kulturerbe geprägt?
Durch seine Vielfältigkeit. Jede Gemeinde ist reich an kulturellen Schätzen. Wir haben Kulturstätten, archäologische Ausgrabungsstätten. Liechtenstein hat ein tief verankertes Brauchtum. Es gibt Museen, Kunstsammlungen, Denkmäler, Kunstwerke, historische Stätten, sowie literarische, musikalische und audiovisuelle Werke. Mit dem Ruggeller Riet haben wir auch ein wichtiges Naturschutzgebiet.
Warum soll das Kulturerbe geschützt werden, für wen und für wie lange?
Unser kulturelles Erbe hat auch mit unserer Identität zu tun. Es prägt uns als Gesellschaft, es prägt jeden Einzelnen von uns. Unser Kulturerbe und unsere Kultur im Allgemeinen gibt uns Halt und Sicherheit. Wir schützen es für uns, unsere Kinder und Kindeskinder. Was für wie lange geschützt werden soll, definiert eine Gesellschaft immer wieder neu. Unser Kulturerbe verändert sich dadurch auch.

In Liechtenstein gibt es viele alte Häuser, die abgerissen werden. Ist Liechtensteins Erbe denn in Gefahr?
Die Sensibilität dafür, historisch bedeutende Gebäude zu erhalten, ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Unser Denkmalpfleger macht seine Arbeit sehr gut. Er zeigt die Bedeutung und die Zusammenhänge auf. Damit erkennen die Menschen, warum es Sinn macht, Bauwerke nicht abzureissen. Aber nicht jedes alte Haus ist auch erhaltenswert.

Sind Teile des Kulturerbes bereits verloren gegangen?
Unser Denkmalpfleger würde die Frage mit Ja beantworten. Tatsache ist, dass Kulturerbe immer wieder verloren geht und auch in Zukunft verloren gehen wird. Dafür entsteht aber auch immer wieder Neues.
Inwiefern ist denn die Sorge um alte Kulturgüter in der Gesellschaft verankert?
Liechtensteins Gesellschaft ist sehr stark mit ihrer Geschichte, ihren Traditionen und ihrem Brauchtum verbunden und daher auch besorgt um ihr kulturelles Erbe.

A propos alte Kulturgüter: Liechtenstein legt dieses Jahr ein Hauptaugenmerk auf sie. Hindert dies nicht daran, auch für eine neue Kultur offen zu sein?
Das Hauptaugenmerk liegt dieses Jahr nicht auf den «alten» Kulturgütern. Es geht um das Kulturerbe, und das ist, wie gesagt, nicht nur alt. Ganz im Gegenteil. Es entsteht in diesem Moment, wenn in unserem Landesarchiv beispielsweise ein wichtiges Dokument digital abgelegt wird oder wenn eine liechtensteinische Band eines ihrer neuen Stücke aufnimmt. Uns ist dieses Jahr wichtig, dass vor allem darüber nachgedacht und gesprochen wird, was Kulturerbe überhaupt ist und was es uns bedeutet, eigentlich genau das, was auch mit diesem Interview geschieht.

Bestätigt ein Kulturerbe nicht das Klischee von Heimat und Vergangenem, beziehungsweise möchte man denn dies überhaupt?
Wir haben für das europäische Jahr des kulturellen Erbes einen modernen Zugang gewählt. Wir haben unter dem Titel «denkx18» eine Online-Plattform geschaffen, wir sind auf Instagram präsent, unser Logo ist bunt, frech und modern. Jeder kann mitmachen, es geht darum, unser Kulturerbe sichtbar zu machen. Es soll Freude machen, es zu sehen, es zu teilen und zu entdecken und darüber nachzudenken. Ja es ist Heimat, ja, es ist auch unsere Geschichte – es ist aber auch das, was wir heute schaffen und der nächsten Generation weitergeben. 

Kurzum Frau Frick, Kulturerbe: Würde oder Bürde?
Ganz klar Würde!
 

25. Jan 2018 / 15:18
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistgelesen
05. September 2014 / 15:16
30. Juni 2017 / 09:49
Aktuell
27. April 2018 / 07:00
27. April 2018 / 07:00
27. April 2018 / 07:00
29. März 2018 / 07:00
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...
Wettbewerb
Schloss Vaduz
Zu gewinnen 1 Ravensburger Puzzle Schloss Vaduz
28.03.2018
Facebook
Top