• Benno Marxer in Vaduz
    Benno Marxer ist Gründer, Leiter, treibende Kraft und das Herz der Big Band Liechtenstein.  (Daniel Schwendener)

«Wir haben nie gefragt, was das Publikum hören möchte»

Benno Marxer ist ein Vollblutmusiker. Für seine Leidenschaft hat er einiges investiert und viel geerntet. Vor 35 Jahren gründete der gebürtige Maurer die Big Band Liechtenstein, die definitiv ihren Kinderschuhen entwachsen ist.

Von Nathalie Bagnoud

Die Big Band Liechtenstein feiert heuer den 35. Geburtstag. Benno Marxer, Sie sind der Gründer und Bandleiter. Wie stolz sind Sie auf diese Jubiläumszahl? 
Benno Marxer: Wir haben sehr einfach begonnen und ich bin nicht davon ausgegangen, dass es so viele Jahre halten würde. Es war eigentlich ein Experiment. Big-Band-Musik ist Jazzmusik und da braucht es gewisse Kenntnisse, wie eine grosse Portion Hörerfahrung. Das Niveau der Big Band stieg kontinuierlich und vier Jahre nach der Gründung 1983 hielten wir bereits die erste Schallplatte in den Händen. Auf diese Leistung bin ich heute noch sehr stolz. Damals spielten wir noch traditionelle Arrangements, heute hat sich einiges geändert – wir spielen eher zeitgenössische Musik. Wir haben eigentlich nie gefragt, was das Publikum hören möchte, sondern spielen das, was uns selbst gefällt. 

Kommt es Ihnen auch wirklich vor wie 35 Jahre oder hat nach Ihrem Empfinden die Gründung gerade erst stattgefunden?
Die Zeit ist im Nu verflogen. Wir haben in diesen Jahren sieben Tonträger aufgenommen, waren drei Mal im Studio, die anderen Tonträger sind Mitschnitte von Konzerten. Es gibt einen Moment, der mir besonders in Erinnerung bleibt: Kurz vor einem Konzert in Vaduz habe ich auf der Bühne dem Publikum und auch der Big Band verkündet, dass das Konzert aufgezeichnet wird und daraus eine Live-CD entsteht. Niemand wusste davon und es war natürlich eine grosse Herausforderdung, denn bei Live-Aufnahmen kann man logischerweise nicht viel korrigieren. Das Ergebnis war aber super und alle hatten Freude.

Warum haben Sie sich für diese Live-Variante entschieden? 
Bei Studioaufnahmen kann man korrigieren bis zum Abwinken. Es ist nur eine Frage des Budgets. Das Endergebnis sagt aber nichts aus, da es ein Flickwerk ist. Hingegen ist eine Live-Aufnahme etwas ganz anderes, denn da zeigt man sein wahres Können. Obwohl, das stimmt heutzutage leider auch nicht mehr, wie uns die Aufnahme zu unser zweiten Live-CD zeigte. Nach einer Mikrofon-Panne im Publikum sagte der Produzent:  «Das ist kein Problem, ich habe genug Publikumsgeräusche und Applause im Sound-Archiv. Wie viele Leute sollen auf der CD applaudieren?» Tja, so läuft das heute. Es werden Live-CDs verkauft, die im Studio aufgenommen wurden, und der gewünschte Applaus wird später dazugemischt. 

Ein Zitat: «Benno vermochte die jungen Leute zu begeistern, sie begannen, Aufnahmen von internationalen Jazz-Grössen und -Legenden regelrecht aufzusaugen, um am richtigen Groove und am passenden Sound zu arbeiten.» Das steht auf der Homepage der Big Band. Sehen Sie sich als Mentor?
Es ist so: Gegründet wurde die Big Band in der Liechtensteinischen Musikschule vor 35 Jahren. Ich war damals Musiklehrer.  Ein Grossteil der Schüler konnten Blasmusik-Erfahrung aufweisen, aber sie hatten keine Hörerfahrung in der Sparte Jazz. Sie konnten die Noten lesen, aber die musikalische Sprache der Jazzmusik war ihnen fremd. Deswegen war mein Rat an die Musikschüler: Ihr müsst die Musik täglich hören! Kauft euch Schallplatten und hört richtig hin! Das haben sie auch getan. 

Also könnte man sagen: Kein Benno Marxer – keine Big Band? 
Ich denke, dass ich in den vielen Jahren als Musiklehrer wirklich etwas bewirken konnte, was mir ermöglichte, eine Big Band zu gründen. Ich glaube, wenn heute ein Musiklehrer versuchen würde, mit Musikschülern eine Big Band zu gründen, würde das vermutlich nicht mehr funktionieren. 

Warum nicht?
Die heutige Jugend wird mit Freizeitangeboten überhäuft und konzentriert sich weniger auf nur ein Hobby. Sie haben mehrere Hobbys, die sie dann mehr oder weniger ausüben. Das Freizeitangebot ist so gross, dass sich die heutige Jugend schwertut, sich auf nur ein Hobby zu konzentrieren. Dies ist aber nötig – vor allem in der Musik, wenn man ein bestimmtes Level erreichen möchte. Es ist heute einfach anders. 
 
Was waren Ihre persönlichen Highlights mit der Big Band?
Die erste Schallplattenaufnahme im Studio war für mich wirklich ein sehr grosser Höhepunkt. Wir hatten in zahlreichen Ländern Europas Auftritte, unter anderem haben wir eine Ost-europa-Tournee gemacht und 1997/1998 erhielten wir zwei Einladungen zum Jazz Festival Montreux. Wichtige Schritte in der Entwicklung der Band waren auch immer wieder Workshops und Konzerte mit grossen Namen aus der Jazzwelt. So konnten wir von Persönlichkeiten wie Peter Herbolzheimer, Lennart Axelsson, Phil Wilson, Jiggs Whigham, Bob Mintzer, James Morrison aus Australien und vielen mehr profitieren.Das grösste Highlight war für uns das ausverkaufte Konzert im KKL Luzern mit James Morrison.

Zum Jubiläum soll eine Dokumentation, also eine CD und ein Film, über Ihr Lebenswerk entstehen. Wie ist es zu diesem Projekt gekommen? 
Unser Präsident Jürgen Kranz, zusammen mit unserer Managerin Karin Belleri, haben diese Aktion in Angriff genommen. Jürgen Kranz hat sich schon immer sehr für die Big Band engagiert. 

Sie haben vor Kurzem Ihren 70. Geburtstag gefeiert. Wie war’s? 
Wir haben an meinem Geburtstag in Mauren gespielt und als Geschenk hat die Band «Bennos Blues» angestimmt. 

Ein Song, der nach Ihnen benannt ist? 
James Morrison hat diese Komposition einst extra für mich geschrieben. Beim Einstudieren des Stücks vor einigen Jahren hat man mich zum Notenkopieren weggeschickt und heimlich wurde hinter meinem Rücken geprobt. Beim Konzert gab mir dann James Morrison die Noten und forderte mich auf, meine Posaune zu holen und ein Solo zu spielen. Es war eine wunderbare Überraschung. Auf YouTube findet man ein Video davon. 

25. Mai 2018 / 06:00
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