• Eine Nacht in Venedig - Opettenbuehne Vaduz
    Die in Liechtenstein aufgewachsene Deutsche Sopranistin Veronika Brandt-Schaaf in der Rolle der Fischerstochter Annina.  (Eddy Risch)

«Es muss aus dem Herzen kommen»

Zur Jubiläumsausgabe zum 75-jährigen Bestehen der Operettenbühne Vaduz darf ein Name nicht fehlen: Veronika Brandt-Schaaf. Die deutsche Sängerin aus Innsbruck, die in Triesen aufgewachsen ist, sang schon beim «Zigeunerbaron» 1999 mit und in zahlreichen anderen Operetten in Vaduz. Ein Treffen, das zeigt, dass Fröhlichkeit ansteckend ist.

Es ist schon vorgekommen, dass Veronika Brandt-Schaaf an der Kasse im Supermarkt stand und von der Verkäuferin freudig angestrahlt wurde: «Sie haben doch in der Operette gesungen!» Solche Momente sind es, die der Sängerin zeigen, dass das, was sie tut, richtig ist, dass es gut ist und geschätzt wird. Singen macht froh, dies ist eine alte Weisheit. Und wenn man das Vergnügen hat, Veronika Brandt-Schaaf bei einer Probe zu sehen, springen die Fröhlichkeit, die sie ausstrahlt, die Energie, die Freude an der Musik und am Schauspiel zwangsläufig über.

Es ist Samstagnachmittag, kurz nach 13.30 Uhr. Auf der Bühne des Vaduzer Saals singt der Chor das grosse Finale der Operette «Der Zigeunerbaron», die am 28. Februar Premiere feiert. Es ist das Ende des dritten Akts: Der Krieg ist aus und die Truppen kehren zurück. Barinkay, der Zigeunerbaron, wird als echter Held gefeiert und kann endlich das Zigeunermädchen Saffi heiraten. Beschwingt, bunt und voller Emotionen erklingt das Lied «Ja, das alles auf Ehr» – ein wahrer Ohrwurm und eine der bekanntesten Musiknummern von «Der Zigeunerbaron» von Johann Strauss. Gut zu hören auch die Sopran­stimme von Veronika Brandt-Schaaf. Als Mirabella, die Erzieherin im Hause des reichen Schweinezüchters Zsupan, kann sie glücklich ihren Sohn Ottokar in die Arme schliessen.  

Dass sie bei der Jubiläumsproduktion der Operettenbühne Vaduz dabei sein kann, freut Veronika Brandt-Schaaf in zweifacher Hinsicht. Zum einen reist sie immer wieder gerne aus Innsbruck an, um in ihrer Heimat Liechtenstein ein Gastspiel zu geben, zum anderen war es «Der Zigeunerbaron» 1999, der ihren Namen und auch ihr Können in Liechtenstein richtig bekannt machte. Sie wirkte danach bei praktisch allen Operetten der Operettenbühne mit, ausser in «Polenblut» vor zwei Jahren.

Und das, obwohl die Operette während ihrer Gesangsausbildung nicht gerade jenes Genre war, das sie voll und ganz über­zeugte. Die Operette wird gerne be­lächelt, als zu banal angesehen. Ein Vorurteil, das auch Veronika Brandt-Schaaf revidieren musste. «In einer Operette zu singen, ist mit das Schwers­te, was es im Bereich des Gesangs gibt», sagt die Sängerin. Es ist nicht nur das Singen. «Wer in einer Operette mitspielt, muss singen, tanzen und schauspielern können.» Und nicht nur das. Die Leichtigkeit, der Witz, das wienerische Lebensgefühl gerade bei Operetten von Johann Strauss, lassen sich kaum einstudieren. «Das muss man einfach können. Es muss aus dem Herzen kommen.»

Dass das Herz dabei ist, sieht man Veronika Brandt-Schaaf sofort an. Sie muss nicht einmal sagen, dass es «einfach Spass macht». Wenn sie während des Gesprächs zur Bühne blickt, funkeln ihre dunkeln Augen. Wenn sie vom Ensemble spricht und es als «Familie» bezeichnet, ist die Motivation nicht zu übersehen. Und wenn sie von den Auf­trit­ten und Engagements ihrer Kar­rie­re erzählt und sich ein Glanzlicht an das nächste reiht, macht die Sängerin und Mutter von zwei Kindern einen rundum glücklichen und zufriedenen Eindruck.

Veronika Brandt-Schaaf hat zwei dicke Ordner mit Programmheften, Flyern, Fotos und Zeitungsartikeln zum Inter­view mitgebracht. Darin blättert sie, erinnert sich an Auftritte in Vaduz, Landquart, in Vorarlberg, aber auch Innsbruck oder Berlin. «Wie schnell die Zeit vergeht», sagt sie und betrachtet die Fotos der Produktion «Der Zigeuner­baron» vor 16 Jahren. Mit dicken schwarzen Zöpfen singt sie als Arsena neben Peter Cavall, der den Ottokar spielt. Sie lächelt. «Wenn man es weiss, sieht man es auf den Fotos. Ich war damals mit meinem Sohn schwanger. Er ist bis heute unser kleiner Zigeuner­baron.»

Regisseur Leopold Huber blickt beim Vorbeigehen auf das Bild mit den schwarzen Zöpfen: «Ich wusste immer, dass du hübsch warst. Aber diese Frau auf dem Foto trifft voll und ganz meinen Geschmack.» Veronika Brandt-Schaaf lacht. «Dabei sind die Zöpfe gar nicht echt, nur der Pony – ja, der gehört zu mir und ist legendär.» Leopold Huber, der nicht das erste Mal für die Operetten­bühne Vaduz Regie führt, ist immer für einen Scherz zu haben.

Ihre zwei Kinder, die heute 17 und 15 Jahre alt sind, waren der Grund, warum sich Veronika Brandt-Schaaf überhaupt für Operetten entschieden hat. «Die Engagements waren einfach am besten mit einer Familie zu vereinbaren», erklärt die Sängerin die pragmatischen Gründe. «Ich habe meine Kinder einfach mitgenommen. Meine Eltern wohnen in Liechtenstein, das war perfekt.»

Und vielleicht war es auch der Hang zum Schauspiel, der aufflammte, als sich Ende der 90er-Jahre der damalige Präsi­dent der Operettenbühne Vaduz, Georg Fausch, bei ihr meldete und sie für ein Engagement in Vaduz anfragte. Denn eigentlich wollte Veronika Brandt-Schaaf Schauspielerin werden. Schon als Kind war schnell klar, dass sich das aufgeweckte Mädchen mit den dunklen Haaren auf der Bühne am wohlsten fühlt.
Die Familie Schaaf kam 1971 von München nach Liechtenstein. Die kleine Vroni, das Nesthäkchen, war fünf Jahre alt. Die ganze Familie engagierte sich gleich in verschiedenen Vereinen, fand sofort Anschluss und war bald fest verwurzelt in Liechtenstein – erst in Mau­ren, Schaan und schliesslich in Triesen. «Ich sang im Kinderchor, tanzte bei der Tanzarena und spielte in Theatern mit», erinnert sich Veronika Brandt-Schaaf an ihre unbeschwerte Kindheit. Als sie kurz vor dem Schulabschluss 1985 im Theaterstück «Der zerbrochene Krug» zusammen mit beispielsweise Klaus Schöch im TAK mitspielte, war klar: «Schauspielerin und nichts anderes!»
Es klappte dann aber nicht auf Anhieb mit einer Schauspielschule. «Zugegeben, vielleicht habe ich zu schnell aufgegeben. Ich war es nicht gewohnt, zu kämpfen. Davor flog mir alles mehr oder weniger zu. Ich bin eher bequem.» Ihre Schwester motivierte sie, es doch mit singen zu versuchen. Also trat Veronika Brandt-Schaaf zur Aufnahmeprüfung am Konservatorium in Feldkirch an und wurde genommen. Eine Erfolgsgeschich­te nahm ihren Lauf. «Ich hatte das Glück, dass meine Lehrerin einen Inten­danten in Innsbruck kannte und ich gleich nach dem Schulabschluss die ersten Engagements bekam.»

Viel Glück habe sie gehabt, sei zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen. Doch Glück allein ist im hart umkämpften Musikgeschäft kein Garant für Erfolg. Veronika Brandt-Schaaf hat sich immer reingekniet und alles gegeben – ganz egal, wie gross ihre Rolle war.

Dies führte dazu, dass sie im Raum Innsbruck durchstartete, intensiv an einem Casting nach dem anderen teilnahm und zahlreiche Engagements bekam. «Die Zauber­flöte», «der fidele Bauer», «Tannhäuser», zahlreiche Konzerte und Liederabende finden sich in ihren zwei dicken Karriere­-Ordnern. Sie konnte sich darauf verlassen, dass Aufträge kamen. Immer wieder sind es Engagements, bei denen auch Klaus Schöch mitwirkte, den sie beim Stück «Der zerbrochene Krug» kennengelernt hatte. «Er begleitete mich eigentlich durch meine ganzen Karriere.»

Zu ihren Höhepunkten zählt sie dann aber vor allem Rollen, die sie nach ihren Schwangerschaften meist im Raum Liechtenstein/Vorarlberg hatte. Als sie beispielsweise in einem Konzert die vier letzten Lieder mit Orchester von Richard Strauss singen konnte – ein «lang gehegter Wunsch». Als sie die Rosalinde in «Die Fledermaus» spielte – «eine der schwersten Partien», wie sie sagt. Oder als sie in der Operette «Im weissen Rössl» als Rössl-Wirtin Josepha mitwirkte – «Das bin ich!»  

Sichtlich stolz blättert sie durch ihre Karriere. Einen Moment hält sie inne, sagt, dass andere vielleicht mehr aus ihrem Können gemacht hätten. Sie aber habe sich für ihre Familie entschieden. Sie habe ihren Mann Harald Brandt kennengelernt, einen Posaunisten, der auch am Konservatorium Feldkirch unterrichtet. Mit ihm zusammen wollte sie Kinder. Das sagt sie ohne Bedauern. Verglichen mit anderen Gesangskarrieren mag ihre Karriere bescheidener anmuten. Am Ende zählt aber nicht die Quantität der Auftritte, sondern die Qualität und das gute Gefühl im Herzen. Veronika Brandt-Schaaf hat immer das getan, was sie glücklich machte und dies strahlt sie auch auf der Bühne aus.

Hat ein Glückskind wie Veronika Brandt-Schaaf überhaupt noch Wünsche? «‹Die lustige Witwe› hätte ich gerne noch gesungen», sagt sie nickend und ergänzt nach kurzem Überlegen: «Und Gershwin. Ich liebe Gershwin.» Trotzdem denkt sie an die Zeit nach der Bühne. Bereits jetzt gibt sie als Gesangslehrerin in Innsbruck ihre Erfahrung weiter. «Die Arbeit bereichert mich sehr und ich lerne selbst so viel dabei.»
Noch ist aber nicht ans Aufhören zu denken. Die Probenarbeit für «Der Zigeuner­baron» beansprucht sie momentan fast rund um die Uhr. Eine anstrengende Zeit. «Aber auch eine sehr schöne», sieht sie gleich das Positive. Da spielt es keine Rolle, dass sie nach der Probe an diesem Samstag noch nach Hause fahren muss – zwei Stunden im Schneegestöber. Sie lacht dieses «Es-geht-alles-wenn-man-nur-will»-Lachen: «Die Welt ist so viel kleiner in der Musik.»

(Janine Köpfli)

Operette «Der Zigeunerbaron», Operettenbühne Vaduz, Premiere am 28. Februar im Vaduzer Saal, Aufführungen bis Ende März.

04. Feb 2015 / 15:17
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