• Buskers Strassenfestival Vaduz 170624
    Markus Schädler vergangenes Wochenende mitten im Buskers-Festival im Vaduzer Städtle.  (Daniel Ospelt)

«Ich möchte Spuren hinterlassen»

Markus Schädler bringt Menschen gerne auf die Bühne – er selbst steht aber lieber hinter den Kulissen. Am liebsten hinter den Kulissen des Schlösslekellers in Vaduz. Seit dessen Geburtsstunde im Restaurant Schlössle in Vaduz ist Markus Schädler mit an Bord, liess sich von ihm prägen und hat sich ebenso für den Umbau an der Schwefelstrasse, wo der Schlösslekeller heute beheimatet ist, eingesetzt.
Vaduz. 

Warum denn ausgerechnet er, möchte Markus Schädler wissen, als er die Anfrage für dieses Porträt bekommt. Erstens wolle er nicht im Vordergrund stehen und zweitens kenne ihn doch kaum jemand. Zumindest nicht so viele Menschen, dass ihm ein Porträt gebühre. Seine Bedenken aus dem Weg zu räumen, ist schwierig. Eine seiner Stärken, nämlich Offenheit, hält ihn von einer Absage dann aber ab. Und genau diese Stärke ist auch der Motor für sein Engagement für die Kulturszene. Spätestens jetzt wissen die meisten: Die Rede ist von dem Mann, der zum Schlösslekeller gehört wie die Bühne zum Theaterschauspieler. Allerdings ist die Bühne ein Ort, den «Schädi», wie ihn seine Freunde und Bekannte nennen, eher scheut. Er liebt es, Künstler auf die Bühne zu bringen, er selbst bewegt sich aber lieber hinter den Kulissen. Scheu wirkt er dabei nicht. Er mag nur keinen Wirbel um seine Person. Entsprechend ist Markus Schädler auch kein Wirbelwind - Eigenschaften wie gelassen, ruhig und überlegt passen da schon besser zu ihm. Wenn er sich unterhält, schenkt er seinem Gegenüber die komplette Aufmerksamkeit ? Oberflächlichkeit passt nicht in sein Leben. «Wofür das Herz auch immer schlägt, eine Leidenschaft erfordert immer hunderprozentigen Einsatz», sagt er. Und eine Angelegenheit, für welche sein Herz wahrhaftig schlägt, ist zweifelsohne der Schlösslekeller, der Inbegriff für Liechtensteins Kleinkunst.

Es war allerdings nicht sein unbändiges Interesse für die Kulturszene, die ihn an den Schlösslekeller gefesselt hat. Es war eher der Kontakt zum Kabarettisten Mathias Ospelt, der ihn dahingehend prägte. Als gelernter Informatiker managte er für Mathias Ospelts Produktionen immer wieder mal die Technik. Zum Beispiel als «Ivan goes Landtag» gezeigt wurde oder «Hirsch & Wurscht». Zwar ist dies schon ein paar Jahre her, um genau zu sein liegt diese Zeit nun schon fast zwanzig Jahre zurück. Aber Markus Schädler kann sich noch sehr gut daran erinnern. Und erinnern kann er sich ebenso gut an den Wunsch des Kabarettisten-Trios Mathias Ospelt, Ingo Ospelt und Marco Schädler nach einer eigenen fixen Bühne. Quasi nach einem Kleintheater.

Dass in Liechtenstein der Bedarf nach solch einer kleinen, aber feinen Bühne da ist, davon war das Trio wie auch Markus Schädler überzeugt. Nicht zuletzt auch deshalb, weil es die Machbarkeitsstudie von Silvia Tiefenthaler, die selbstredend auch zum eingeschworenen Schlösslekeller-Team gehört, schwarz auf weiss bewiesen hat. Diese Machbarkeitsstudie entstand übrigens im Rahmen ihrer Diplomarbeit für ihre Ausbildung zur Kulturmanagerin und passte herrlich ins Konzept ihrer Theater-Freunde. Und dann war die Idee geboren: Die in die Jahre gekommene und daher auch unbenutzte Kegelbahn im Keller des Restau rants Schlössle in Vaduz sollte dem Kleintheater weichen. Das Beste an dieser Idee: Die Schlössle-Besitzerin war mit diesem Vorschlag einverstanden. Der eigens dafür gegründete Gönnerverein «Eine Bühne für das Liga» sammelte für den Umbau Geld und im 2002 war's dann so weit. Also, noch nicht so ganz, zumindest aber konnten in diesem Jahr die Initianten aber schon mal die «Pre-Opening-Party» feiern. Richtig los ging es dann im März 2003, mit an Bord selbstverständlich Markus Schädler. Über den Namen mussten die Initianten nicht lange nachdenken - wie könnte man ein Kleintheater im Keller des Schlössles wohl auch nennen? Keine Frage: Schlösslekeller. Noch so gerne erinnert sich Markus Schädler an die Anfänge: «Zusammen sind wir zur Künstlerbörse nach Thun gefahren», erinnert er sich. Alle zwanzig Minuten treten dort Künstler auf, die sich Organisatoren präsentieren und natürlich einen Auftritt möchten.

Wer die Schlösslekeller-Bühne betritt, hat Markus Schädler mit seinem Schlösslekeller-Team in all den Jahren mit Sorgfalt ausgewählt. Dabei hat er keine ausgesprochenen Vorlieben - dafür ein Kriterium, an welchem niemand vorbeikommt: Qualität. «Ob singen, tanzen, schauspielern oder was auch immer: Ich muss sehen, dass sich der oder die Künstlerin so richtig, richtig bemüht.» Noch heute fährt er immer wieder mal zu dieser Künstlerbörse nach Thun - «schaue ich während des Auftritts eines Künstlers auf meine imaginäre Uhr, weiss ich, dass der oder die nicht ins Schlösslekeller-Programm gehört, weil ich dieses alles andere als langweilig gestalten möchte», sagt er. Ganz nebenbei: Markus Schädler trägt tatsächlich keine Uhr. Als Kind seien ihm zwei Uhren hintereinander kaputtgegangen - von da an läuft er zeitlos durch die Gegend. Was seinem Organisationstalent keinen Abbruch tut. Markus Schädler hat gerne die Fäden in der Hand ? «sofern ich damit etwas bewegen und verändern kann», sagt er. Dafür setzt er seine ganze Freizeit ein ? der Schlösslekeller ist für den Informatiker «nur» Hobby. Besser gesagt: Seine grosse Leidenschaft. Sein Ziel ist es, Spuren zu hinterlassen. Entsprechend lautet sein Motto: Better burn out than fade away, im Sinne von: Sich für eine Angelegenheit lieber auch mal zu übertrieben einzusetzen, als einfach sang- und klanglos von der Bildfläche zu verschwinden.

Spuren hinterlassen möchte er auch mit dem Strassenfestival «Buskers», das er vergangenes Jahr in Liechtenstein neu ins Leben gerufen hat. Vergangenes Wochenende ging das Festival zum zweiten Mal in Vaduz erfolgreich über die Bühne. Was für den Künstler der Applaus ist, ist für Markus Schädler die Gewissheit: Mein Plan ist aufgegangen. Kann er ein grünes Häkchen dahintersetzen, jubelt der Vater einer siebenjährigen Tochter. Er jubelt innerlich - so wie es zu seiner ruhigen, besonnenen Art passt. Und dann gibt es noch ein Wort, das zu Markus Schädler passt: bescheiden. Denn während er im Laufe dieses Gesprächs auf der Terrasse eines Restaurants in Vaduz von Bekannten gefühlte tausend Mal begrüsst worden ist, lässt ihn der Zweifel an der Berechtigung dieses Porträts nicht los. Man kenne ihn doch kaum. Und dass er nicht im Vordergrund stehen möchte, erklärt er ebenfalls abermals. Aber er möchte ja Spuren hinterlassen, oder? Markus Schädler grinst ?und nickt. «Ja, das will ich.» (bfs)

30. Jun 2017 / 10:23
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