• Stefan Frommelt
    Vollblutmusiker Stefan Frommelt an seinem Flügel zu Hause in seinem eigenen Studio.  (Daniel Schwendener)

«Kein Songkorsett»!

Neben seiner Familie spielt sie in Stefan Frommelts Leben eine ganz besondere Rolle: die Musik. Mit Pfannendeckeln hat er angefangen, nach der Flöte kam das Klavier und heute hat der Vollblutmusiker seine eigene Band, das Stefan Frommelt Trio. Seine ganz grosse Leidenschaft: der Jazz.

Nur noch 15 Minuten, dann beginnt die Unterrichtsstunde von Stefan Frommelt an der Musikschule in Triesen. Zwar ist diese nur einige Autominuten von seinem Zuhause in Balzers entfernt, aber es gäbe noch unzählige Fragen – Stefan Frommelts Antworten darauf wären ausserordentlich interessant. Die aber um einiges mehr Zeit beanspruchen würden, als noch die verbleibenden paar Minuten des Gesprächs. Seine Leidenschaft für die Musik steckt an – immer wieder tun sich neue Gesprächsfelder auf. Schier unerschöpfliche Gesprächsfelder. 

Stefan Frommelt sitzt in seinem Studio, das er sich zu Hause im unteren Stock des Hauses eingerichtet hat. Gleich rechts neben der Türe steht ein Rechner mit zwei grossen Bildschirmen, auf dem Musiknoten zu sehen sind, auf dem Tisch liegen CDs, Fresszettelchen mit 
Telefonnummern und Musikbücher. Daneben steht ein Keyboard, neben ihm ein Schlagzeug. Und in der anderen Ecke des Raumes hat noch ein Instrument Platz: Ein grosser, schwarzer Flügel. Unter Regalen, lü-ckenlos gefüllt mit Notenbüchern, sitzt Stefan Frommelt auf einem schwarzen Sofa. Quasi zwischen Schlagzeug und Flügel. Das ist sein Reich. Das Reich eines Vollblutmusikers. 

Die Leidenschaft für die Musik hat Stefan Frommelt schon früh entdeckt – nämlich mit Mamas Pfannendeckeln. Diese Erinnerungen lassen ihn schmunzeln. «Es gibt sogar ein Foto: Papa mit der Flöte, Mama mit der Geige und ich eben mit diesen Pfannendeckeln.» Gewissermassen ist ihm die Liebe zur Musik schon in die Wiege gelegt worden: Seine Eltern, Josef und Helga, waren die Gründer der Musikschule Liechtenstein. Im Hause Frommelt wurde also musiziert, seit der heute 50-Jährige denken kann. Und so war auch der Flötenunterricht vorprogrammiert. Allzu lange hat die Flöten-Karriere allerdings nicht gedauert: «Mit sieben oder acht Jahren habe ich meine Flöte 
zerbrochen», erzählt er. Stefan Frommelt wollte Klavier spielen lernen. Seine Neugierde auf eine musikalische Entdeckungsreise war riesig – keinesfalls fehlen durften dabei auch Ausflüge in die Welt der elektronischen Musik. Dazu inspiriert hat ihn der Song «Popcorn», ein Instrumentalstück aus der frühen Synthie-Pop-Ära. «Ich war etwa sechs Jahre alt, als ich es im Radio gehört habe und ich war auf der Stelle geflasht», erzählt Stefan Frommelt – und singt die Melodie nach. Seine Finger trommeln im Takt mit. Kindheitserinnerungen werden wach – Erinnerungen an einen grossen Wunsch, von dem Stefan Frommelt damals noch nicht wusste, dass er in Erfüllung gehen wird. 

Sein grösstes musikalisches Interesse gehörte schon früh dem Jazz. «Weil es eine Musik ist, bei der man nie weiss, auf was für Ideen wir während des Stückes noch kommen », begründet Stefan Frommelt. Sie kann berauscht und ekstatisch klingen, ebenso wie düster oder melancholisch. «Weil ich mich nicht gerne in ein Songkorsett stecken lasse, fasziniert mich eben gerade diese Art von Musik.» Als «ehrliche Musik» beschreibt Stefan Frommelt den Jazz. Ehrliche Musiker waren demnach auch Herbie Hancock und Frank Zappa, zwei absolute Grössen für Stefan Frommelt. Letzterer sagte einmal: «Jazz isn’t dead – but it smells funny!» Stefan Frommelt lacht. Es seien wirklich zwei Grössen, die zu ihren Glanzzeiten bewiesen haben, dass Jazz nichts mit alten Männern und Glatzen zu tun habe. «Beide waren sie Erneurer, die auch immer wieder die neuesten Strömungen aus Rock, Alternative oder Electro in den Jazz einfliessen liessen.» 

Mit ihnen als grosse Vorbilder schlug Stefan Frommelt dann auch beruflich den Weg in die Musik ein: 1993 schloss er sein Studium als Musiklehrer im Bereich Klassik und Pop in Wien ab. Ein knappes Jahr unterrichtete er an der Realschule in Vaduz, bevor es ihn zusammen mit seiner Freundin nach Bern zog. In Luzern erfüllte er sich ab 1995 einen grossen Jugendtraum: Ein Jazz-Studium. «Das war eine so unglaublich schöne Zeit», schwärmt der heutige Musiker. «Von morgens bis abends stand nur etwas im Fokus: die Musik.» Neben dem Studium arbeitete er für die Art& Music Company und wirkte in mehreren Produktionen wie «Little Shop of Horrors» oder «Linie 1», «Bloodbrother» und «Cabaret» in Bern, Basel und 
Zürich mit. Während seines Studiums legte Stefan Frommelt 
in der Halbzeit eine Pause für sein Werkjahrstipendium ein, das ihm zugesagt wurde. Dabei reiste er durch ganz Europa, spielte an vielen Jazz-Jams und nahm Unterrichtsstunden bei verschiedensten Jazzmusikern. Von Monat zu Monat wurde er an Erfahrungen reicher – Erfahrungen, die ihn noch heute prägen. Nicht nur musikalische – «ich habe erkannt, wie wichtig es ist, einen Traum auch wirklich zu leben.» 

Gelebt hat er seinen Traum von der Musik auch mit der achtköpfigen Band «JazzZirkus», mit der er von 2000 und 2007 viele erfolgreiche Konzerte spielte und die er seit zwei Jahren als Plattform für das Zusammentreffen liechtensteinischer Musiker neu unter «Jazzzirkus & Friends» leitet . 
Der Wunsch nach einer eigenen Familie bremste Stefan Frommelts Elan für die Musik dann allerdings etwas ein. Aber auch für diesen Wunsch wollte er kämpfen, sodass er ihn gemeinsam mit seiner Partnerin, mit ihren beiden Adoptivsöhnen Janis und Ruben und ihrem leiblichen Sohn Valentin leben kann. 

Heute arbeitet Stefan Frommelt nun schon seit 20 Jahren als Musiklehrer an der liechtensteinischen Musikschule. Er mag seinen Beruf gerne – «allerdings hat sich das Bild eines Musiklehrers in den vergangenen 20 Jahren massiv verändert», sagt er. Die öffentliche Schule sei so dominant, dass das Hobby Musik immer weiter in die Ecke gedrängt werde. Zudem sei die Frustrationstoleranz bei den Schülern sehr niedrig –«ein Stück fehlerfrei spielen zu können, ist bei Weitem nicht das oberste Ziel.» Anstatt als Pädagoge sehe er sich heute im Musikunterricht mehr als Entertainer und Motivator. 
Stefan Frommelt ist aber gerne Motivator – so gehört auch die Förderung von liechtensteinischen Künstlern zu einem seiner Steckenpferde. Damit ist er auch bereits an die Öffentlichkeit getreten – man erinnere sich an die Diskussion, die er mit Radio L geführt und dabei mehr Musik aus Liechtenstein gefordert hatte. «Passiert ist wenig bis nichts», zieht er ernüchternd Bilanz. Dies liege allerdings nicht nur am Sender alleine, auch fehle das politische Statement, einen Landessender auch so auszustatten, dass er die eigene Musikkultur in gebührendem Masse repräsentieren kann.

Seit 2014 ist für Stefan Frommelt ein grosser Traum in 
Erfüllung gegangen – das Stefan Frommelt Trio: Flügel, Kontrabass, Schlagzeug. Zusammen mit Marvin Studer und Marius Meier hat er eine CD mit Eigenkompositionen produziert, welche vor wenigen Tagen beim schweizer Jazzlabel Unit Records in Bern/Basel erschienen ist. Offiziell präsentieren die drei Musiker die CD morgen um 20 Uhr am von Herbie Hancock initiierten «Internationalen Tag des Jazz» in der Tangente in Eschen. «Some Kind of Odd» nennt sich das Werk, was so viel heisst wie «irgendwie ungewöhnlich» oder «an Art ugrad». Wie die Jazz-Musik eben ist. Oder auch das Leben manchmal. «Irgendwie schräg und doch in Ordnung, beschert uns das Leben oft Unerwartetes, scheinbar Unpassendes, Ungerades, was auf uns schockierend, verstörend und abweisend wirken kann», philosophiert Stefan Frommelt. «Im Bestreben, Ungerades gerade und ordentlich zu machen, scheitern wir oft und lange, bis wir die schönen Seiten darin erkennen und zu schätzen lernen.» Die Musik des Trios sei Ausdruck dieser Bemühungen, so lange im Ungeraden zu verweilen, bis es sich verselbstständigt, fliesst und groovt. Das Leben habe ihn soweit gelehrt, auch ungerade Momente harmonisch zu gestalten. Harmonie, die gemeinsam mit der Melodie und dem Rhythmus die Musik ausmacht. Musik, die Stefan Frommelt durch sein Leben trägt. Und Musik, mit der schon manche grosse Träume für ihn in Erfüllung gegangen sind. (bfs)

27. Apr 2017 / 09:30
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