• Christiani Wetter würde gerne mit den Foo Fighters Elektroharfe spielen.

Von Pinguinen, Wanderlust und dem Broadway

Davon - und von vielem mehr - erzählt die liechtensteinische Schauspielerin Christiani Wetter. Die Liebe zum Theater und Film hat die junge Frau schon in etliche Städte auf der ganzen Welt geführt ? und auf Bühnen, auf denen sie Erfolge feiern durfte. Derzeit lebt Christiani Wetter in Wien und arbeitet an gleich mehreren Projekten.
Vaduz. 

Hereinspaziert», fordert ein Restaurantbesitzer Christiani Wetter auf. Eigentlich macht das Restaurant erst in zwei Stunden auf. Er muss sie ? und mich daneben ? aber durch das Fenster gesehen haben und macht extra für uns auf! Es gibt sie also doch noch: Aufmerksame, spontane und fleissige Menschen. Also ... es gibt sie bestimmt. Genauso wie es auch Missverständnisse gibt. Denn noch bevor Christiani das Restaurant betritt, fragt der Besitzer zögerlich: «Also, Sie sind schon für das Bewerbungsgespräch hier, oder?» «Zum Gespräch ja ? aber nicht für eine Bewerbung», gibt Christiani schmunzelnd zurück. Der Restaurantbesitzer entschuldigt sich ? und sperrt das Restaurant wieder zu. Christiani und ich machen gezwungenermassen einen Lokalwechsel und finden nicht unweit ein gemütliches Plätzchen, um uns in Ruhe unterhalten zu können.

Die Liechtensteinerin lebt schon etliche Jahre nicht mehr im Land. Mit 18 Jahren ist sie von zu Hause ausgezogen. Von Vaduz ging es direkt hinaus in die grosse weite Welt ? nach Kanada. Heute, 13 Jahre später, lebt Christiani Wetter in Wien. Ihre Liebe zur Schauspielerei hat sie schon in 23 Städte wie etwa nach München, Hamburg, Salzburg, Berlin, Köln, Stuttgart, Zürich oder London geführt, wo sie eine Zeit lang jeweils gelebt und gearbeitet hat. Wie zu Hause fühle sie sich überall dort, wo sie liebe Menschen in ihrer Umgebung habe, sagt sie. Und liebe Menschen gebe es überall auf der Welt. Ihre Tätowierung auf ihrem rechten Unterarm könnte nicht besser passen: Wanderlust, geschrieben in einer alten Schreibmaschinenschrift. Auch auf Englisch würde es heissen «wanderlust», was auch als gespannt, neugierig und abenteuerlustig übersetzt wird. Drei Adjektive, die Christiani Wetter sehr gut beschreiben. Und drei Adjektive, die sie wahrscheinlich auch dorthin gebracht haben, wo sie heute ist: Eine Schauspielerin, die sich mit ihren fachlichen wie auch menschlichen Qualitäten einen Namen gemacht hat.

Christiani Wetter hat nach ihrem Matura-Abschluss in Berlin die Fachhochschule für Ökonomie und Management besucht, an der Humboldt-Universität, ebenfalls in Berlin, und an der University of Edinburgh hat sie ausserdem Geschichte und Philosophie studiert. Und dies alles neben der Schauspielerei. Nicht selten sei sie im Bühnenkostüm zum Abendstudium gehetzt, um auch ja nichts zu verpassen. «Ich mochte beide Welten ? einerseits recherchieren, lernen und über Bücher brüten und andererseits auf der Bühne in eine Rolle schlüpfen.» In Rollen geschlüpft ist sie unter anderem am Schauspiel Hannover, am Landestheater Salzburg, am Stadtheater Wien oder am MacOwan Theatre London. Alles auf ein Pferd zu setzen, das sei generell nicht so ihr Ding. «Ich kenne Menschen, bei denen das funktioniert hat. Aber eben auch solche, bei denen dies nicht ge klappt hat.» S ich lediglich auf nur etwas zu fokussieren, würde zu Christiani auch nicht so ganz passen. Dafür ist sie zu neugierig und zu vielseitig. So gehört auch Schreiben zu ihrer Leidenschaft. Als Ghostwriter schreibt sie für Politikerinnen und Politiker Reden ? «also eher technische Reden», konkretisiert sie. Auch aus diesem Steckenpferd sollte mehr werden und Ende Jahr geht für Christiani ein Traum in Erfüllung: Der liechtensteinische Verleger Frank van Eck wird ihr erstes Buch veröffentlichen. Ein Buch mit Kurzgeschichten, die Christiani entweder selbst erlebt hat, die Menschen ihr erzählt haben oder die völlig fiktiv sind. Also überhaupt nichts Technisches, jede einzelne Geschichte soll ihre eigene Seele haben. Und überhaupt nicht technisch schreibt Christiani Wetter auch als Texterin für Werbung, Film, Fernsehen und für einen Technikblog.

W enn Christiani über ihre Projekte erzählt, strahlen ihre grünen Augen. So, wie sie nur strahlen können, wenn sie aus vollem Herzen spricht. Und das tut sie auch, wenn sie von ihrer geplanten Produktionsfirma spricht, mit welcher sie sich mit zwei Freunden aus dem Regiebereich bald selbstständig machen will. Zu dritt planen sie, einen Kinofilm zu produzieren, ein Ro adtrip durch Italien, Liechtenstein, Wien und Littauen. Um sich entsprechendes Wissen rund um die Produktion und die Regie anzueignen, nutzt Christiani das sogenannte Werkjahr. Mit dem Geld, das sie von der Kulturstiftung Liechtenstein bekommen hat, lässt sie sich an verschiedenen Universitäten in L.A., London und Belgien ausbilden. Als letzte Uni wird sie im Mai noch eine in China besuchen.

Neben dem geplanten Roadtrip schwebt Christiani noch eine weitere Filmidee vor: Eine Tragikomödie, welche die Geschichte eines Mädchens mit Down-Syndrom erzählt. Ob sie dabei selbst auch eine Rolle vor der Kamera spielen wird, ist noch unklar. Sicher aber ist, dass Christiani die Bühne nicht so schnell verlassen will ? auch wenn sie sich neu nun auch an der Produktion und der Regie versucht. Zu sehen wird Christiani Wetter sogar schon bald hier in Liechtenstein sein: Gleich als Auftakt zur zweiten TAKSpielzeit im September spielt sie in Michael Kohlhaas, eine Novelle von Heinrich Kleist. Wohnen wird sie dann bei ihrer Mutter in Liechtenstein. Wie an jenem Wochenende, an dem sie für die Moderation von «Circus Carnevale» in Schaan von Wien nach Liech tenstein gereist war. Kaum zu Hause bei ihrer Mutter angekommen, sei wieder fast alles wie früher, erzählt Christiani lachend. Manchmal fühle sie sich dann wieder wie ein Teenie, wenn sie ausgehe und ihr die Mutter nachrufe, sie solle aufpassen und anrufen wenn es später wird. Vor allem findet sie es lustig, diesen Satz in Schaan zu hören, war sie doch schon in so vieler Herren Länder dieser Welt. Zum Beispiel auf Amerika-Tournee. Zwei Wochen lang durfte sie mit ihrer Theatertruppe aus Salzburg am Broadway spielen: Einmal das Theaterstück «Der Ring des Niebelungen», das zweite Theaterstück war «Alice im Wunderland». «Diese zwei Wochen waren eines meiner absoluten Highlights in meinem Leben», schwärmt Christiani.

D ie junge Frau weiss aber auch: Das alles sind Momentaufnahmen, die nicht wie in einem Film gestoppt werden können. Oder ? wenn's besonders schön war ? wieder an diesen bestimmten Zeitpunkt zurückgespult werden können. Auf die Spielzeit am Broadway folgte wieder eine Waschmittelwerbung in Salzburg. Daher wisse sie auch nicht, ab welchem Punkt etwas als gelungen ange sehen werden könne, wie sie sagt. «Es ist doch irgendwie ein ständiges Streben nach Glück und Erfolg.» Sich ausruhen und auf Erreichtes blicken, das ist gar nicht Christianis Art. Anstatt auszuruhen, widmet sie sich lieber schon wieder neuen Projekten. Und der Erfolg ist für sie als Perfektionistin relativ. «Ich habe so ziemlich immer etwas an mir auszusetzen.» Christiani ist streng mit sich ? nach einer kurzen Pause meint sie dann aber doch: «O. k., ich wollte schon immer mal einen Film selber produzieren und ein Buch schreiben ? und mit beiden Projekten bin ich sozusagen ja auf gutem Wege.» Bevor sie für ein «Aber» Luft holt, spült sie es mit einem kräf tigen Schluck Kaffee dann doch wieder runter ? und grinst: «Ich analysiere eben gerne. Am liebsten mich selbst.» S eit sechseinhalb Jahren lebt Christiani mit ihrem Partner zusammen. «Schon lange hätte ich gerne eine Katze oder einen Hund ? doch leider ist mein Freund auf beides allergisch.» Auch Flamingos und Pinguine gehören zu Christianis Lieblingstieren. Vor allem Pinguine haben es ihr angetan ? «wenn man sie so auf dem Eis stehen sieht, fragt man sich, wer denn diese armen Tiere in die Kälte geschickt hat. Im Wasser aber, dort werden sie zum Star!» Pfeilschnell schiessen sie durchs Wasser und schaffen mehrere Meter pro Sekunde. Christiani sieht Parallelen zum Menschen ? «denn im Endeffekt geht es doch für alle darum, das zu finden, wo man sich wohlfühlt und entsprechend durchstarten kann».

D urchstarten würde Christiani Wetter auch gerne mit der amerikanischen Rockband «Foo Fighters» ? «Ich würde so gerne mit ihnen auftreten und Elektroharfe spielen.» Die Ideen gehen der jungen Schauspielerin wohl nie aus, Träume hat sie viele. Ihr grösster: «Einen kleinen Fussabdruck auf dieser Welt hinterlassen zu können.» Keinen Abdruck, dafür einen bleibenden Eindruck hinterlässt Christiani auf alle Fälle. In der Schauspielerei durch ihre Vielfalt. Im Gespräch durch Herzlichkeit. Durch Offenheit. Und durch Tiefgang. (bfs)

27. Feb 2017 / 18:42
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