• Tom Büchel
    Tom Büchel in der Bibliothek im Landesarchiv in Vaduz.  (Daniel Schwendener)

Ein grosser Mann, der sich über die kleinsten Dinge freut

Wenn man einen Menschen als Optimisten bezeichnen kann, dann ist es mit Sicherheit Tom Büchel. Ihn bringt nichts so schnell aus der Ruhe. Im grössten Arbeitsstress kann er sich immer wieder auf die schönen Dinge im Leben fokussieren. Wobei dazu auch sein Beruf gehört. Denn Tom Büchel setzt sich mit Leidenschaft für die Kultur Liechtensteins ein.

Wie ein Hausherr öffnet Tom Büchel die Türen zum Archiv- und Verwaltungsgebäude auf dem Peter-Kaiser-Platz, gleich hinter dem Regierungsgebäude in Vaduz. Als Leiter des Amtes für Kultur ist er ja auch quasi der Hausherr. Als würde er in seine gute Stube einladen, lädt er zu einer Besichtigung der Bibliothek im Landesarchiv ein. Ein Buch reiht sich an das nächste, jedes mit verschiedensten Fakten, Daten und Geschichten über Liechtenstein gefüllt. Tom Büchels Geschichte steht an jenem Mittwochmorgen aber im Vordergrund. Und damit der Werdegang eines Mannes, der vor rund 20 Jahren seine Leidenschaft zum Beruf machen konnte: Erst bei der Stabsstelle des Landes für Kulturfragen, dann beim Amt für Kultur. Zu keinem Zeitpunkt hätte er seinen beruflichen Schritt in die kulturelle Arbeit rückgängig machen wollen. «Kultur war für mich als junger Mann schon eine zentrale Beschäftigung wie für andere der Sport», sagt Tom Büchel. Sei es die Theaterwelt, die Museen oder die bunte Vielfalt der Musik – der 61-jährige Balzner ist für gut wie alles zu begeistern. 
Zwar verrät weder sein Auftreten noch seine Ausstrahlung es, lediglich sein Alter: Tom Büchel steuert in wenigen Jahren in Richtung Pension. Ein Fakt, der den sonst wohlgelaunten Mann etwas nachdenklich stimmt. «Klar, irgendwie freue ich mich auf die Freiheit, den Tag wieder komplett selbst gestalten zu können», sagt er. «Aber, ganz ehrlich, es ist auch ein ziemlich komisches Gefühl.» Nachvollziehbar: Schliesslich sind es nun 20 Jahre her, als Tom Büchel die Stabsstelle für Kulturfragen übernommen hat. «Damals kam gerade der grosse Kulturbericht der Regierung heraus», erinnert er sich an seine beruflichen Anfänge. Darin waren verschiedene Massnahmen festgehalten, um die Entwicklung des kulturellen Schaffens in Liechtenstein zu fördern und zu unterstützen. Auch die staatliche Kulturförderung sollte neu organisiert werden, was in der Folge mit der Schaffung einer Kulturstiftung und einem entsprechenden Kulturförderungsgesetz vorbereitet wurde. Die Kulturstiftung nahm 2008 ihre Arbeit auf. 2013 kam es zu einer weiteren grossen Neuerung: Die Regierung hat ein Amt eigens für die Kultur geschaffen. Ein Jahr später durfte Tom Büchel Historiker Paul Vogt als Amtsleiter ablösen und damit ein etwas grösseres und auch sehr bedeutendes Kulturschiff übernehmen. Denn im Zuge der grossen Reform in der Landesverwaltung wurden im Amt für Kultur gleich mehrere Bereiche zusammen-geführt: Die Archäologie, die Denkmalpflege, das Landesarchiv und das projektbezogene Kulturschaffen. Die Schnittstelle zu all ihnen ist Tom Büchel. «Wir treffen uns zu regelmässigen Sitzungen, um uns auszutauschen», erklärt der Amtsleiter, der in all den Jahren stets bemüht war, diese Fäden zusammenzuhalten. Und nicht nur das: Tom Büchel ist ausserdem für Planungs- und Organisationsaufgaben zuständig, kümmert sich um das Personal wie auch um die Finanzen und arbeitet eng mit dem Ministerium zusammen. Der Balzner fasst dies alles zusammen: «Viel Schreibarbeit», sagt er. Aber er geniesse auch jede Menge «Zü-ckerchen». Damit meint Tom Büchel Kulturprojekte, die er in seiner Stabsstellen-Zeit aufgegleist hat und als Amtsleiter weiterführen konnte. So zum Beispiel das Künstleratelier in Berlin, in das jeweils für eine bestimmte Zeit junge Künstler aus Liechtenstein einziehen dürfen, und der Wettbewerb «Schönste Bücher aus Liechtenstein». Im vergangenen Jahr stand die Organisation und Durchführung der Förderpreise der Internationalen Bodenseekonferenz an. «Weil sie so bunt, spannend und vielseitig sind, vergehen meine Arbeitstage wie im Fluge.» So hätte Tom Büchel auch keine Mühe, einen 
30-Stunden-Tag bis auf die letzte Sekunde auszufüllen. 
Die Freizeit komme gerade durch die vielen Abendtermine oftmals etwas zu kurz. «Das heisst, sie fliesst quasi in meinen Arbeitsalltag ein», sagt Tom Büchel und deutet auf einen Schrank hinter ihm. Dort drin befindet sich sozusagen seine Freizeitkleidung – «also weder Trainerhosen noch Joggingschuhe. wenn man mich so ansieht», lacht Tom Büchel. Dafür einen schönen Anzug für Anlässe, zu denen der Balzner nach getaner Arbeit dann ganz privat geht – am liebsten mit seiner Frau, um auch die gemeinsame Zeit zu geniessen. Die Familie ist ihm sehr wichtig. «Das ist zwar schnell gesagt und klingt eigentlich immer nett und symphatisch – aber meine Frau und meine Tochter spielen wirklich eine sehr wichtige Rolle in meinem Leben.» So gehöre der Sonntagabend, nach Möglichkeit, wirklich nur den Dreien. So wird an diesem familienheiligen Sonntag oftmals miteinander gekocht, wobei dann auch Tom Büchel den Kochlöffel schwingt. «Ich koche gerne – aber nicht gut», sagt er bescheiden und lacht. 
Blickt Tom Büchel auf die gesamte Entwicklung im kulturellen Bereich zurück, ist er sehr zufrieden: «Es gibt ausgezeichnete Kulturinstitutionen, aktive Vereine, entsprechende Fördermöglichkeiten und viele Kulturschaffende mit immer mehr Professionalität.» Sein grosses und leidenschaftliches Engagement hat sicher einiges dazu beigetragen. Obwohl sich bei Tom Büchel auch hier Bescheidenheit breit macht. «Ich organisiere gerne und helfe, wo es geht.» Dabei tue er sich gewissermassen auch selbst Gutes: «Es freut mich, wenn Künstlerinnen und Künstler aus Liechtenstein Fuss fassen und erfolgreich arbeiten können.» Vor allem wenn man die Karriere von jungen Talenten mitverfolgen könne, sei dies doch eine «gfreute Sach!». 
Eine «gfreute Sach» war es für Tom Büchel auch, als er vor 17 Jahren für das Gedenkjahr zum 100. Todestag des Komponisten Josef Gabriel Rheinberger den Vorsitz im Organisations-komitee übernehmen durfte. «Ja, das war eine grosse Ehre für mich.» Umso schöner macht die Erinnerung dann auch noch die Gründung der internationalen Rheinbergergesellschaft, die nach dem Gedenkjahr gegründet worden ist. Vieles hat Tom Büchel in all den Jahren erlebt – und noch einiges wartet auf ihn. Insbesondere das von der Europäischen Union ausgerufene Kulturerbejahr 2018, das in Liechtenstein noch bis Ende Jahr einige Überraschungen bieten wird. Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir? Für Tom Büchel ist eine Frage spannender als die andere. Antworten könne kaum etwas anderes fundierter liefern als das Kulturerbe. Kulturerbe, das bewahrt, gepflegt und weitergetragen werden muss. Auch in Liechtenstein spiele die Identität eine wichtige Rolle. Unsere Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft müsse auch bei der 300-Jahr-Feierlichkeit Liechtensteins nächstes Jahr eine grosse Rolle spielen. «Auf diesen drei Grundpfeilern müssen wir aufbauen», davon ist Tom Büchel überzeugt. Dass sich für die Umsetzung bislang keine gemeinsame Idee hat finden lassen, bedauert er. «Vielleicht hat dies aber auch etwas Positives und die Gesellschaft muss sich erst wieder bewusst werden, dass es wichtig ist, Visionen und Ideen zu verwirklichen.» Er hoffe jedenfalls, dass die Chance dieses grossen Jubiläums wahrgenommen wird – «und zwar mit Wirkung im Inland wie auch im Ausland». Er sei sich sicher, dass es noch einen «Ruck» geben wird und dass sich dann ein Wir-Gefühl breitmachen wird. 
Für die Zukunft hat Tom Büchel noch einige grössere und kleinere Wünsche. So zum Beispiel einen Leuchtturm. Damit meint er nicht ein Schifffahrtszeichen, sondern ein kulturelles Zeichen, das weit ins Ausland strahlt. Für den Amtsleiter könnte beispielsweise die Burg Gutenberg in Balzers solch eine positive Strahlkraft haben. Darüber hinaus stehen wichtige Aufgaben an. «Gerade der Bereich der Digitalisierung stellt uns vor grosse Herausforderungen», sagt Tom Büchel. Egal ob es um das Projekt der digitalen Aktenverwaltung gehe, um die Langzeitarchivierung oder die Präsenz des kulturellen Schaffens in den digitalen Medien. «In diesem Zusammenhang würde ich mir auch wünschen, dass es für die Weiterführung des Historischen Lexikons in digitaler Form eine finanzielle Lösung gibt», so Tom Büchel. Denn die Weiterführung dieses Standartwerkes sei für das Land wirklich wichtig. 
Eines ist sicher: Tom Büchel hat bis zu seiner Pensionierung noch einiges vor. Auch danach gehen ihm seine Ideen und Pläne nicht aus. Er wolle sich dann wieder mehr der Musik widmen und mehr auf seiner Gitarre spielen. Und auch dem Fernweh will Tom Büchel dann gemeinsam mit seiner Frau nachgehen. Konkrete Pläne gibt es noch nicht. «Aber es wird schön werden», ist er sich sicher. Zum einen weiss er dies, weil er sich schon einmal als junger Mann mit seiner Freundin und heutigen Frau auf Weltreise begeben hat. Mit einem Flugticket nach Bangkok ging das Abenteuer los. Ein Abenteuer, von dem er noch heute schwärmt. Zum anderen ist Tom Büchel aber auch ein wahrer Optimist, der sich auch über die kleinsten Dinge des Lebens freuen kann. Beispielsweise auf seine Lieblingsstelle in einer Oper. Oder auf ein fetziges Gitarrenriff beim Bruce-Springsteen-Konzert. Oder einfach auf alles, was noch kommen mag. «Ja, ich bin sehr zufrieden mit meinem Leben», sagt Tom Büchel. Und strahlt dabei – authentisch und von Herzen. (bfs)
 

23. Feb 2018 / 06:00
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistgelesen
28. September 2015 / 09:35
Aktuell
02. September 2018 / 07:00
01. September 2018 / 07:00
31. August 2018 / 07:00
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...
Wettbewerb
Schloss Vaduz
Zu gewinnen 1 Ravensburger Puzzle Schloss Vaduz
03.09.2018
Facebook
Top