• Albert Eberle, Schaan
    Albert Eberle freut sich auf seine Ausstellung über Pater Justinus Maria Walser auf dem Rathausplatz in Schaan. Unter dem Titel «Mutig und humorvoll – ein echter Schaaner» findet die Vernissage am 21. September, um 19.30 Uhr statt.  (Tatjana Schnalzger)

Ein neugieriger Recherche-Fuchs mit viel Humor

Wenn Albert Eberle von Justinus Walser erzählt, könnte man meinen, er hätte diesen Mann durch und durch gekannt. In Wahrheit ist Albert Eberle diesem Otto Walser, so der Taufname des späteren Servitenpaters, noch nie begegnet. Nur in Schriften, nach denen er in Archiven recherchierte. Der Domus-Kurator liebt geschichtliche Zeitreisen – ebenso wie Land und Leute im fasnächtlichen Bänklegesang auf die Schippe zu nehmen.

Sicherlich bestreitet niemand: Albert Eberle ist ein Macher. Angetrieben vom Interesse fürs Unbekannte und von Neugier stellt der Leiter der domus-Galerie in Schaan immer wieder neue Projekte auf die Beine. Er mag Geschichte – und deshalb interessieren ihn auch Friedhöfe – «es ist faszinierend, wieviel so wenig Schrift über einen Menschen aussagen kann», sagt Albert Eberle. Als gelernter Bildhauer interessieren ihn natürlich ausserdem die Grabsteine selbst. Eigentlich gibt es kaum etwas, das den Triesner nicht interessiert. Eine seiner Spezialitäten ist das Recherchieren. Für seine Geschichte über den Schaaner Pater Justinus Maria Walser besuchte er mehr als ein Dutzend Archive und befragte mehrere Zeitzeugen. «Mich berührt die Person Justinus Walser sehr», sagt Albert Eberle. «Sein Mut und Humor haben mich in den Bann gezogen.» 
Der Triesner hat sich hinter seine Geschichte geklemmt und herausgefunden, dass Otto Walser, so der Taufname des späteren Servitenpaters Justinus, im Gasthaus Linde in Schaan aufgewachsen ist. Und dass sein Grossvater Karl Schädler war, der als Nachfolger von Peter Kaiser Liechtenstein an der Deutschen Nationalversammlung in Frankfurt vertrat. «Justinus war ein erfolgreicher Jurist, der erst mit über 40 Jahren ins Kloster ging», erzählt Albert Eberle, sichtlich angetan von dieser Person. Und weiter: «Nach dem Theologiestudium wurde Justinus 1936 in Innsbruck zum Priester geweiht. Wie Provikar Carl Lampert, kritisierte auch Pater Justinus nach dem Anschluss an Nazi-Deutschland die neuen Machthaber in Österreich. Pater Justinus hatte sich durch Flucht vor dem KZ retten können, sein Freund Carl Lampert musste den Märtyrertod erleiden. Ein sehr frommer Priester sagte eines Tages zu Justinus: Pater Prior, beten Sie um Leiden! Doch davon wollte Justinus gar nichts wissen. In seiner schlagfertigen Art antwortete er: Nein, Herr Pfarrer, das tue ich nicht. Ich bete, dass der Herrgott mir die Kraft gibt, das zu ertragen und anzunehmen, was er mir schicken will. Das genügt mir vollkommen.» 
Fängt Albert Eberle erst einmal an, von seinen Geschichten und Recherchen zu erzählen, ist er kaum zu halten. Stolz zeigt er eine Videosequenz, auf welcher er mit einem Pater ein Interview führt, der Justinus noch gekannt hat. Zweifelsohne – die Story ist hochspannend und mit jedem Wort, das Albert Eberle mehr darüber verliert, wird deutlich, dass nicht nur die erzählte Geschichte interessant ist, sondern auch Albert Eberle ein imposanter Geschichten-Erzähler ist. Auch dann, wenn er über seine eigene Geschichte erzählt. 
Nach seiner Schreinerlehre absolvierte Albert Eberle die Kunstgewerbeschule für Bildhauerei in Innsbruck. Von früher kannte er den Salettiner-Bruder Marcellin Tschuggmell, Missionar in Angola. Als dieser auf Heimaturlaub war, arbeitete er öfters im Lehrbetrieb von Albert Eberle. «Immer wenn ich mit ihm über seine Arbeit in Angola redete, dachte ich mir: Das will ich auch machen!» Das Interesse erst einmal geweckt, macht Albert Eberle gerne Nägel mit Köpfen. Von seiner Bildhauerlehre in Innsbruck wieder zu Hause, ging es die nächsten zweieinhalb Jahre als Entwicklungshelfer zu Bruder Stefan Frommelt in die Transkei, damals ein Homeland im östlichen Kapland von Südafrika. Dort wohnte er in einem Kloster etwas ausserhalb der Stadt Umtata und war in der Lehrlingsausbildung tätig. «Ich war unbekümmert, spielte in den Slums Fussball», erinnert er sich. Die Ordensleute erzählten ihm von den Geschwistern Nigg, die einst von Triesen nach Afrika ausgewandert waren. «Moment mal», unterbricht Albert Eberle seine Erzählung, bevor er Sekunden später ein grünes Buch mit dem Titel «Gottesfürchtige Rebellen aus Liechtenstein» auf den Tisch legt. Das war ja irgendwie klar – wenn Albert Eberle von solch aussergewöhnlichen Geschichten hört, wird auch gleich nach ihnen recherchiert. Später, als er aus Afrika zurückgekehrt war, ging er im Rahmen einer Semesterarbeit an der Pädagogischen Hochschule in St. Gallen den Spuren der Geschwister Nigg nach. 
«Ein langanhaltender Streit der Familie Nigg mit der Gemeinde Triesen artete im März des Jahres 1882 zu einer handfesten mit Waffengewalt geführten Konfrontation aus», erzählt der Triesner. «Franz, Florian, Johann und Maria Nigg wurden des Verbrechens des Aufstandes für schuldig erkannt und zu schwerem Kerker verurteilt. Nach Verbüssung der Haft verliessen die vier Geschwister ihre Heimat und wirkten fortan als Missionare in Afrika.» Albert Eberle blättert in seiner Arbeit – er zeigt Bilder, nach denen er wochenlang recherchiert hatte und ist dabei im Archiv der Mariannhiller-Missionare sogar auf eine handschriftliche Bestätigung gestossen, mit welcher die Nigg-Brüder 1885 das Ordensgelübde der Trappistenmönche geleistet haben. 
Er habe für diese Semesterarbeit von seinem Dozenten Peter Geiger eine glatte Sechs bekommen, erzählt Albert Eberle und winkt aber gleich ab: Diese Randbemerkung wolle er dann aber nicht in diesem Artikel lesen. Manchmal sind es aber eben solche Randbemerkungen, die einen Menschen ausmachen. In diesem Falle ist es auch Bescheidenheit, die den Triesner ausmacht. 
Bevor Albert Eberle aber die Hochschule in St. Gallen besuchte, absolvierte er erst die ostschweizerische Maturitätsschule für Erwachsene an der Kantonsschule Sargans. Anschliessend erwarb er am Lehrerseminar Rorschach das Primarlehrerpatent und unterrichtete einige Jahre in der Schweiz. Nach Abschluss der Pädagogischen Hochschule kehrte er nach Liechtenstein zurück. Bis zu seinem Stellenantritt bei der Gemeinde Schaan, Anfang 2009, war er Klassenlehrer und Schulleiter am Freiwilligen 10. Schuljahr. Auch im Job treiben Albert Eberle die Neugier und der Wissensdurst an – 2011 schloss er 
an der Pädagogischen Hochschule in Luzern das berufsbegleitende Studium in Schulmanagement ab. Der Titel seiner Masterarbeit lautete «Businessplan Dorfmuseum». «Es ist ein inhaltlicher und betriebswirtschaftlicher Umsetzungsplan zur Neukonzipierung des Dorfmuseums Schaan», erklärt er. 
Seit zehn Jahren nun ist Albert Eberle der Leiter des Bereichs Freizeit und Kultur und Kurator des Dorfmuseums, kurz domus, in Schaan. Dass er überhaupt bislang so viele Projekte verwirklichen konnte, habe er zwei Dingen zu verdanken: «Wenn ich etwas anfange, dann ziehe ich es auch durch.» Zweitens hätte er das Glück gehabt, stets die richtigen Ratgeber an seiner Seite zu haben. «Elisabeth Stöckler, Evelyne Bermann, Beat Gugger, Stefan Sprenger, Klaus Biedermann, Toni Büchel ... das sind alles Leute, die auf meine Arbeiten einen wichtigen Einfluss genommen haben.» 
Albert Eberles Leben besteht aber nicht nur aus Jobs, Weiterbildungen und recherchierten Arbeiten – den wichtigsten Platz in seinem Leben gehört natürlich seiner Frau und seinen beiden Töchtern. Wenn dann noch Zeit bleibt, widmet der Triesner diese der Imkerei sowie dem Fussballspielen bei den Schaaner Veteranen und dem Gesang im Männerchor Schaan. Sein grösstes Hobby ist aber das Singen, insbesondere das fasnächtliche Bütten-Singen oder anders gesagt der Bänkelgesang. Auch in der kommenden Fasnacht wird Albert Eberle zusammen mit seinen Kollegen Günther Boss und Stefan Ahrens an der Schaaner Fasnacht wieder zu hören sein. «Mit Liedern, die ich schon vorbereitet habe», ergänzt er mit leuchtenden Augen. «Das wird lustig», ist er überzeugt und stimmt, ohne zu zögern, an: «Ein Skimuseum ging uns verloren, ein teures Drama für Liechtenstein ... » Er zeigt Videos, in denen er vom Landesspital, dem Biber, der Politik und lustigen, komischen Gegebenheiten singt. Stets mit ernster Miene, während sich das Publikum vor Lachen schier kugelt. 
Einmal im Jahr wird bei Albert Eberle gemostet – also besser gesagt im sLandweibels-Huus in Schaan mit der alten Packpresse aus dem ehemaligen Gasthaus Trüble. Im historischen Gebäudeensemble konnte Albert Eberle zudem eine Galerie realisieren. «Ja, darauf bin ich stolz», sagt er überzeugt. Und das darf er auch. Wie es sich für einen Macher gehört, gibt es noch einige Projekte, die Albert Eberle in Angriff nehmen möchte. So zum Beispiel ein Buch über die Specki, das er 2019 veröffentlichen möchte. Aber erst einmal steht in wenigen Tagen eine grosse Feier an: Albert Eberle wird 60 Jahre alt. Die Pension rückt also näher – «damit habe ich überhaupt keine Probleme, auch dann wird mir nicht langweilig», lacht er. Vielleicht widmet er sich dann wieder vermehrt der Bildhauerei. Recherchiert nach wie vor spannende Geschichten aus dem Dorfleben. Singt Bütten. Und macht seinem Übernamen alle Ehre: Albert Eberle, ein Macher. (bfs)  

31. Aug 2018 / 07:00
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