• Ihr «Baby», wie Doris Büchel die Onepage nennt. Viel Freude, Leidenschaft und Liebe zur Sprache steckt in jeder einzelnen Ausgabe.

Liebeserklärung an die Sprache

Diese macht Doris Büchel mit ihrer «Onepage», einem reduzierten Magazin im wunderbaren Plakatformat A1. An die Sprache, das Design, an das Papier und den Druck. Seit zwei Jahren gibt es nun die Onepage – elf Nummern sind bereits erschienen, Nummer zwölf folgt im Mai. In jeder Ausgabe steckt eine beeindruckende Leidenschaft von Herausgeberin Doris Büchel und ihrem Team. Die Sprache ist ihre grosse Passion. Mit viel Fleiss und nicht weniger Selbstkritik bahnt sie sich ihren Weg von der Journalistin zur Autorin.

Sleepless Sheep» nennt sich Doris Büchel auf ihrer Homepage. Wahrscheinlich könnte dieses «schlaflose Schaf» vor allem in jenen Nächten nicht besser zu ihr passen, wenn die Druckmaschinen auf Hochtouren laufen und im A1-Format die Onepage gedruckt wird. Doris Büchel zieht kurz die Schultern hoch und grinst: «Ein bisschen bringt dieser Moment noch immer meine Nerven zum Flattern, das stimmt.» Mittlerweile hätten sich die Abläufe aber sehr gut eingespielt – «und so bin ich auch gelassener geworden.» Onepage ist «mein Baby», wie Doris Büchel sagt. Geboren ist das literarische Magazin am 
1. März 2016. Die Idee, visuelle Kunst und Literatur in dieser Form zu vereinen, schlummerte allerdings schon länger in ihr. Schnellschüsse gehören zu Doris Büchels Leben aber ebenso wenig wie Arroganz und Hochmut. Sorgfältig arbeitete sie an ihrer Idee, feilte am Konzept und machte schliesslich Nägel mit Köpfen. Sie erinnert sich gerne an jenen Dienstagabend zurück, als im BVD-Gebäude in Schaan die Druckmaschine ratterte und diese schliesslich die allerersten Onepages ausspuckte. Es folgte Applaus von Freunden und Bekannten, die Doris Büchel zu ihrer Premiere eingeladen hatte. Zwei Jahre später haben nun elf Nummern die Leserinnen und Leser bereichert. «Es wächst – zwar in kleinen Schritten, aber es wächst», sagt die Onepage-Herausgeberin. Die Abonnenten-zahlen seien gestiegen, ebenso wie der Bekannheitsgrad des Wand-Magazins. An verschiedenen Anlässen durfte sie die Onepage vorstellen. «Es wäre zwar schöner, wenn Onepage sprechen und sich selber vorstellen könnte», sagt Doris Büchel. So kreativ und einzigartig aber Nummer für Nummer daherkommt – sprechen kann das Papier definitiv nicht. So verleiht ihm Doris Büchel ihre Stimme, wobei ihr stets wichtig zu erwähnen ist, dass Onepage das Produkt von intensiver Teamarbeit ist. «Etliche kreative Köpfe machen Onepage zu dem, was es ist.» Und für Doris Büchel ganz wichtig: «Onepage ist nicht einfach ein Produkt – es ist eine Liebeserklärung an die Sprache, Design, Papier, Druck.» 

Die Sprache nimmt in Doris Büchels Leben einen wichtigen Stellenwert ein. Sie mag die einfache, klare Sprache – weniger Verschnörkelungen und Verschachtelungen. Zu Hause stapeln sich Bücher, Zeitungen und Magazine, mit denen Doris Büchel in die Welt der Literatur abtauchen möchte. Schon gar nicht auf ihrem Nachttisch dürfen Bücher für literarische Ausflüge fehlen. Aktuell liegt für solche Ausflüge eines des Schriftstellers Arno Camenisch griffbereit sowie eines der Autorin Angelika Overath. Schon als Kind begab sie sich gerne auf solch  geankliche Reisen – «manchmal hörte ich mir so lange ein Märchen nach dem anderen an, bis die Nadel des Plattenspielers schlappmachte.» 
Apropos Plattenspieler: Doris Büchel hat ein Faible für Nostalgie. Gerade kürzlich hat sie sich in der Brockenstube eine alte Schreibmaschine gekauft, es ist mittlerweile ihre fünfte. Nicht etwa als Zierde fürs Wohnzimmer – Doris Büchel haut selbst in die Tasten. Zum Beispiel, wenn sie ihren Onepage-Abonennten ein paar Dankesworte schreibt. Trotz des Internets als nie versiegende Quelle für schnelle Antworten mag Doris Büchel die Schreibmaschine als letztes Instrument des selbstbestimmten Schreibens. Vielleicht hat sie ihre kaufmännische Lehre in der Buchdruckerei Buchs dahingehend geprägt. «Schon damals hat mich das alte Handwerk eines Schriftsetzers fasziniert und der Geruch nach Druckerschwärze entzückt.»
Abgesehen von Dankesworten hantiert Doris Büchel auch gerne selbst mit Worten, Sätzen und Textbausteinen herum. Vier Jahre lang hat sie als Lokaljournalistin für den «W&O» gearbeitet. Allerdings habe der Zeitdruck ihr nach und nach immer mehr Mühe gemacht. Und sie wollte sich in weiteren Textformen ausserhalb des Lokaljournalismus ausprobieren. Vor drei Jahren wagte sie schliesslich den Sprung in die Selbstständigkeit. Als freie Journalistin schrieb sie aber weiterhin für den «W&O» und kreierte dort ihre eigene Kolumne «Die Fänin», die regelmässig einmal die Woche erscheint. Ausserdem arbeitete sie für ausgewählte Magazine, entwarf Textkonzepte für Unternehmen, schrieb Werbetexte. «Ich probiere mich aus – so lange, bis ich weiss, wohin der Weg mich führt», sagt sie. Die ganz eigene Sprache zu finden, sei ein Prozess, sagt sie. Ein Meilenstein setzte Doris Büchel mit ihrem Buch «Grenzgängerin» über Evelyne Binsack im November vergangenen Jahres. Als Co-Autorin durfte sie die Geschichte der Extrembergsteigerin und Abenteurerin schreibend begleiten. Dafür zog sie sich gemeinsam mit Evelyne Binsack in eine abgelegene Hütte im Berner Oberland zurück und hörte sich ihre Erzählungen an. Sie zeichnete die Gespräche auf und transkribierte sie hinterher. Nach und nach entstand das Buch über die erste Schweizerin, die den Mount Everest bestieg, den Süd- und den Nordpol erreichte. Mit Erfolg: In der Kategorie «Sachbuch» tauchte die «Grenzgängerin» während mehrerer Wochen auf der Bestseller-liste auf. Doris Büchel blieben insgesamt drei Monate, um das Buch zu schreiben. Nicht viel Zeit, denn wer Doris Büchel kennt, weiss, wie gerne sie immer wieder ihre geschriebenen Sätze umstellt. Punkte durch Kommas ersetzt. Streicht. Ergänzt. Mit Leidenschaft an jedem einzelnen Buchstaben feilt. Zu hundert Prozent zufrieden ist Doris Büchel so gut wie nie mit ihrer Arbeit. «Die Zufriedenheit stellt sich dann meist gezwungenermassen mit der Deadline ein», sagt sie lachend. Trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer Selbstkritik bahnt sich Doris Büchel ihren Weg als Journalistin zur Autorin. Bücher zu schreiben, das ist ihr Ziel, das sie fleissig verfolgen möchte. «Ich könnte mir gut vorstellen, ein paar Wochen in einer einsamen, abgelegenen Berghütte zu leben und einfach tagaus, tagein zu schreiben.» Und apropos «sleepless sheep»: Auch Schafe sind Gebirgsbewohner. Der Homepage-Name hat also durchaus Parallelen zu Doris Büchel. 
Die Ideen gehen Doris Büchel kaum aus. Und ist ihr Ideenkanal mal verstopft, reinigt sie ihn wieder – beispielsweise beim Wandern, beim Yoga oder auf einer Skitour. Ausserdem kann sie mit ihrem Mann «Büxi» ihre grosse Leidenschaft für die Sprache und die Literatur teilen, sodass sie auch gemeinsam Lesungen besuchen. Um wirklich mal abzuschalten, reist sie gerne mit ihm, zum Beispiel nach Schweden. «Ich weiss nicht wieso, aber im Norden fühle ich mich so richtig zu Hause.» Sie liebe es, sich so richtig mit Jacke, Schal und Mütze einzupacken und so der Kälte zu trotzen. Und abschalten kann Doris Büchel auch gut, wenn sie Zeit mit ihrer Mutter verbringt. «Über Gott und die Welt quatschen und einander geniessen – das ist Erholung pur.» All dies gibt Doris Büchel die Kraft und Energie für sämtliche Projekte, die sie realisieren möchte.  

Vielleicht sprudeln bei Doris Büchel die Ideen deshalb, weil die gebürtige Buchserin sehr begeisterungsfähig ist. Sie habe schon oft gehört und gelesen, wie wichtig es sei, sich auf etwas zu spezialisieren. «Aber wie denn? Es gibt doch so viele spannende Bereiche, die einfach entdeckt werden müssen!» 
Wohin Doris Büchels Entdeckungsreise künftig führen wird, darauf darf man gespannt sein. Fest steht allerdings: Die Reise wird weitergehen. Und zwar als «sleepless sheep». Denn Schafe werden als wehrhafte und kräftige Tiere beschrieben. So passt das schlaflose Schaf dann doch zu Doris Büchel wie der Deckel auf den Topf – denn sie kämpft für ihren Traum, setzt ihre Ideen tatkräftig um, stets mit einem Lächeln, das sichtbar macht, wie ihr Herz beim Schreiben aufblüht. Und dieses Gefühl trägt Doris Büchel wie einen kostbaren Schatz in sich – reich an unvergesslichen Begegnungen und stets bescheiden. (bfs)
 

27. Apr 2018 / 07:00
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