• Valentin Biederman, mit Künstlernamen Valentin van der Vlist, bei seiner grossen Leidenschaft, dem Schneidern.

Verträumt, eitel und kreativ

«Nichts passiert einfach so», sagt Valentin Biedermann. Alles habe seinen Sinn, glaubt er. Ebenso wie sein eigener Lebensweg, der ihn vor Kurzem einer seiner grössten Träume erfüllen liess: Ein eigenes Atelier für den Jungdesigner. Mit viel Mühe, Ehrgeiz und Fleiss hat sich Valentin Biedermann ganz nach oben geschneidert – sein Studium in Wien hat er als Bester abgeschlossen. Überheblich ist das Nachwuchstalent deswegen aber nicht – auf dem Boden geblieben hat er nur einen grossen Wunsch, den er allerdings selbst nicht beeinflussen kann: Schöne Momente und Gesundheit für seine Liebsten und sich.

Yves Saint-Laurent, Wolfgang Joop, Christian Dior – und Valentin van der Vlist, der Künstlername Valentin Biedermanns. Zwar haben die vier Herren nicht alle denselben Berühmtheitsstatus, doch etwas haben sie gemeinsam: Sie designen. Insbesondere der Liechtensteiner Valentin Biedermann designt für sein Leben gerne. Und zwar so richtig, im Haute-Couture-Stil, französisch für gehobene Schneiderei. Obwohl sich Valentin Biedermann zuerst in der Tourismusbranche versuchte. «Ich habe dann aber schnell gemerkt, dass das doch nichts für mich ist», erzählt er. Er entschied sich, seine Leidenschaft schliesslich zum Beruf zu machen. Er war sich sicher, mit einer Schneiderlehre in Zürich dieses Mal den richtigen Weg einzuschlagen. Schliesslich hatte er bereits ein Praktikum im Atelier Hosenbein in Mauren absolviert. Erst mal ist er diesen Weg aber nicht weitergegangen. «Dies hat wohl auch so sein müssen», sagt er. Denn Valentin Biedermann ist überzeugt, dass nichts einfach so passiert – «alles hat seinen Sinn.» 
So führte ihn sein Weg nach zwei Jahren Tourismusbranche nach Zürich, wo er in einem grossen Modehaus seine Schneiderlehre absolvieren durfte. «Algo» heisst das Modehaus mit Haute-Couture-Label. «Tina Turner ist im Umfeld dieser Firma ein grosser Begriff», erzählt Valentin, um den Erfolg des Modehauses einzuordnen. Und: «Ich durfte von den Besten lernen», sagt er, während ihm noch heute die Begeisterung ins Gesicht geschrieben steht. Das Modehaus habe sogar eine Schnitt-technikerin gehabt, der er oft über die Schultern schaute. «Ich konnte von diesen Fachleuten so einige Tipps und Tricks mit auf meinen Weg nehmen.» Einen Italienischkurs gab’s gratis dazu, weil einige Schneider aus Italien waren. Um seinen Wissensdurst zu stillen, eignete er sich durch «learning by doing» einen italienischen Wortschatz an.  
Für seine Abschlussarbeit schneiderte Valentin Biedermann eine Jacke ganz nach Haute-Couture-Regeln: «Das Seidenfutter habe ich von Hand eingenäht, Diamanten und Perlen aufgestickt und schliesslich eingenäht.» Den abnehmbaren Kragen hat er mit Organza-Blüten versehen, die er ebenfalls alle von Hand aufnähte. Arbeitsaufwand: 90 Stunden. Es hat sich gelohnt für den jungen Designer – erfolgreich konnte er seine Schneiderlehre abschliessen. 
Nach seiner Lehre liebäugelte er mit einem Modedesign-Studium. Entweder in New York oder Paris, für London kann er sich nicht begeistern, wie er sagt. «Dort macht mich alleine schon das Wetter gar nicht an.» Verschlagen hat es ihn dann aber im Sommer 2016 schliesslich nach Wien. In eine Designerschule, wo die Besten der Besten lernen. Nicht vielen gelingt es, die Jury dort zu überzeugen. Valentin Biedermann aber hat es geschafft. «Die frohe Botschaft kam sehr kurzfristig und ich musste innerhalb von fünf Tagen alles gepackt und von Liechtenstein nach Wien gezügelt haben», erzählt er. Wenn es aber darum geht, den Meistertitel erlangen zu können, konnte Valentin noch nie etwas zurückhalten. 
Top motiviert und ebenso wissenshungrig lernte er in Wien, Kleider nach Mass zu schneidern. Keine Gelegenheit zur Weiterbildung wollte er auslassen und arbeitete so neben der ohnehin fordernden Schule bei einem italienischen Designer. «Geschlafen habe ich während dieses Jahres in Wien kaum», erinnert er sich. «Ein kurzer Power-Nap musste oftmals reichen.» Denn für seine Abschlussarbeit steckte sich der Jungdesigner hohe Ziele. «Ich wollte eine Arbeit abliefern, die mir niemand so schnell nachmacht.» So hat er sich für seine massgeschneiderte Jacke einen gemusterten Stoff ausgesucht. Gemustert deshalb, um den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen. Denn ein Muster schränkt beim Schnitt ein – eine durchgeschnittene Blume beispielsweise will schliesslich niemand auf der Ja-cke haben. Und den Meistertitel hätte Valentin dafür schon gar nicht bekommen. Dennoch: Der damals 24-Jährige ging aufs Ganze und schneiderte eine gemus-
terte Haute-Couture-Jacke, die von einer Jury dann ganz genau unter die Lupe genommen wurde. Eine Expertin lud Valentin Biedermann dann schliesslich zum Gespräch, an welches er sich noch ganz genau erinnert: «Sie sagte mir, dass die Länge des linken Kragens nicht komplett identisch mit dem rechten sei.» Dann hörte er die Worte: «Herr Biedermann, das hat Sie die Auszeichnung gekostet.» In Sekundenschnelle ist für den ehrgeizigen Schneider und Designer eine Welt zusammengebrochen. «Ich musste mich so zusammennehmen, dass ich nicht an Ort und Stelle losgeheult habe.» Die Expertin merkte Valentins Enttäuschung und stellte klar: «Auszeichnung bedeutet hier in Wien die Bestnote.» Nur für diese habe es nicht gereicht, der Meistertitel sei ihm sicher. «Und schon wieder hätte ich losheulen können, dieses Mal aber vor Freude!» Wenige Stunden später hielt er dann am Abend stolz sein Zeugnis mit seinem Meisterschneider-Titel in den Händen – Valentin Biedermann hat als Bester abgeschlossen. 
Wieder zurück in Liechtenstein beziehungsweise der Schweiz, wo er gemeinsam mit seinem Lebenspartner lebt, sprudelte der frischgebackene Meisterschneider nur so über vor Ideen und Energie, diese auch umzusetzen. Übrigens: Die Bezeichnung «Meisterschneider» hört Valentin gar nicht so gerne – «ich bezeichne mich lieber als Stylist.» Und eben als Stylist peilte Valentin Biedermann sein erstes Projekt in Zürich an, das er gemeinsam mit seinem Lebenspartner aufziehen wollte. Die Idee: Frauen über 45 Jahren eine Beratung in Typ, Stil und Farbe anzubieten. «Ich wäre mit den Damen shoppen gegangen und hätte während vier Stunden für eine Wohlfühlzeit – inklusive Prosecco – gesorgt.» Aber einmal mehr verschlug es den jungen Designer auf einen anderen Weg und zwar noch kurz vor Vertragsunterzeichnung mit einem Modehaus in Zürich, mit dem Valentin Biedermann und sein Lebenspartner zusammengearbeitet hätten. Es verschlug ihn quasi «back to the roots», wo er einst als Praktikant in die Welt der Schneiderei blickte: Ins Atelier Hosenbein. Über zehn Jahre lang war es das Atelier von Jolande Bühler – doch nun legt sie Faden und Schere nieder und hat mit Valentin Biedermann einen würdigen Nachfolger gefunden. «Per Zufall – wenn es denn diesen  gibt – bin ich mit ihr ins Gespräch gekommen und sie erzählte mir, dass sie sich zurückziehen möchte.» Zwar habe er über das Angebot einer Übernahme zwei-, dreimal geschlafen, wirklich überlegen musste der Jungdesigner aber nicht lange. «Die Infrastruktur mit all den Maschinen steht mir voll und ganz zur Verfügung, ich kann die Kunden übernehmen und mit ihren bisherigen Stofflieferanten weiter zusammenarbeiten», sagt der Stylist. «Kurzum, ein Glücksfall!» So legt er nun sein Projekt in Zürich erst mal auf Eis und ist ab Ende Juni Herr und Meister in seinem eigenen Atelier. Den Namen «Hosenbein» wollte er allerdings nicht übernehmen, den neuen Namen hat er an der Eröffnung seines eigenen Ateliers am vergangenen Wochenende bekannt gegeben: Valentin van der Vlist, wie sein Künstlername.  
In seinem Atelier bietet Valentin Biedermann eigene Kollektionen an. Massanzüge gibt es ab 1000 Franken, wie er sagt. Es geht aber auch billiger. Der Kunde soll die Möglichkeit bekommen, seine Konfektionsgrösse zu bestellen, die Valentin Biedermann hinterher auf die Kundin oder den Kunden anpasst, falls nötig. «Leidenschaft, Hingabe, Fachkenntnis und Erfahrung sowie die direkte Nähe zum Kunden sind seine Antriebsfedern für die Bereiche «Anzüge für Damen und Herren», «Schneiderei für Private, Vereine und Firmen» und «Änderungen», schreibt Valentin auf seiner Homepage über sich selbst. Passioniert ist übrigens auch ein Adjektiv, mit dem sein Lebenspartner Valentin Biedermann beschreibt. Ebenso wie verträumt, gewissenhaft, idealistisch, eitel und kreativ. Der Designer erkennt sich im Bild, das sein Lebenspartner von ihm gezeichnet hat, komplett wieder. «Es ist schon so, ich bin der Kreative in unserer Beziehung und mein Freund ist der Ökonom – und mein Traummann!» Inspirieren lässt sich Valentin Biedermann aber besonders gerne von Frauen. «Jene, die mich am meisten inspirieren, sind in der Regel blond und witzigerweise waren sie bislang oft im Sternzeichen Wassermann geboren.» Von den blonden Wassermann-Frauen mal abgesehen, gibt es für den kreativen Kopf noch etliche andere Inspirationsquellen wie Pflanzen, Modeschauen, Museen, Zeitschriften, Reisen oder Musik. 
Die Inspirationsquellen wird  Valentin Biedermann auch brauchen, der 25-Jährige hat noch Grosses vor: «Ich möchte mein eigenens Label aufbauen, gemeinsam mit einer Bekannten.» Sein eigenes Atelier ist ein guter Anfang. Sein Atelier mit integriertem Sport-Outlet. Neben seinen schlichten, eleganten und romantischen Kollektionen möchte Valentin Biedermann auch Sportartikel der bekannten und beliebten Firma «Sport and more» anbieten. Angst, dass er sich dabei übernimmt und ihm das alles mal zu viel wird, hat er nicht. «Ich habe ein gutes Team im Hintergrund, das mich gegebenenfalls unterstützt», sagt er. 
Neben seinem Atelier möchte er ausserdem eine Betriebsstätte für Jungdesigner errichten. Dabei möchte Valentin Biedermann Jungdesignern aus der Schweiz, Österreich und Deutschland anbieten, ihre Kollektionen bei ihm fertigen zu lassen, da nicht jeder über eine entsprechende Infrastruktur verfügt. Zudem möchte er für die Jungdesignern auch die Möglichkeit schaffen, die Einrichtung vor Ort zu nutzen. «Dafür versuche ich, einen optimalen Deal mit einem Hotel in Liechtenstein auszuarbeiten, sodass die Designer hierzulande auch eine Unterkunft haben.» 
Obwohl sein beruflicher Weg nicht immer geradlinig war und sich auch mal verästelt hat – der Weg hat Valentin Biedermann zu seinem grossen Lebenstraum geführt: Kleidungsstücke entwerfen, designen und schneidern zu können. Mit Ehrgeiz, Fleiss und Mühe hat er es geschafft. «Ja, Design ist mein Leben», wiederholt er. Entsprechend bleibt ihm nicht mehr viel Zeit für anderes. Die wenige füllt er gerne mit seinem Lebenspartner aus, mit seiner Familie und seinen Freunden. «Ich gehe gerne fein essen, geniesse ein Cüpli zum Sonnenuntergang, tanze gerne, sehe mir mal ein Ballettstück an, laufe und schwimme gerne», fasst er seine Freizeit zusammen. Viele seiner Träume sind beruflich schon in Erfüllung gegangen. Am nächsten, dem eigenen Label, arbeitet er. Eine eigene Marke zu haben, ist allerdings nicht Valentin Biedermanns grösster Traum. «Ich wünsche mir für meine Liebsten und mich noch viele schöne Momente im Leben und Gesundheit.» (bfs)

29. Jun 2018 / 07:00
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