• 70. Geburtstag von Fürstin Marie, Schloss Vaduz
    Grosser Auftritt: Moritz Huemer bei Fürstin Marie.  (Daniel Schwendener)

«Wettbewerbe sind für mich eher etwas Unwichtiges»

Moritz Huemer spielte schon mit 11 Jahren für die Fürstin auf Schloss Vaduz, mit 13 war er erstmals Solist beim Sinfonieorchester Liechtenstein und seit einem Jahr nun fixes Ensemblemitglied. Dieses Jahr durfte er mit seinem Trio Millennium bei den Internationalen Meisterkursen seinem Lehrer Raphael Rosenthal ­assis­tieren und ist zum zweiten Mal Stimmführer beim Vier-Länder-Orchester Quarta. Trotz der frühen Erfolge ist der 18-Jährige bescheiden geblieben.

Moritz Huemer stammt aus einer Musikerfamilie durch und durch. Seine Mutter ist Blockflötenlehrerin, eine Tante ist Geigenbauerin, eine andere hat professionell Geige gespielt, ein Onkel spielt im Orchester St. Gallen Geige und ein weiterer Onkel ist Klavierlehrer. Und dann gibt es noch eine Tante: Sie ist Solocellistin und war ausschlaggebend dafür, dass Moritz Huemer sich für das Cellospiel entschied. Bei der Instrumenteninformation habe er mehrere Instrumente ausprobiert, zum Beispiel auch Blockflöte und Trompete. Er sei dann jedoch recht schnell zum Cello gekommen, erzählt er. Beim Gespräch sprudelt es nur so aus ihm heraus, obwohl seine Antworten wohlüberlegt klingen.

So kam es auch, dass er bereits mit vier Jahren ab und zu schon klassische Konzerte seiner Tante besuchte. Mit fünf Jahren hat er an der Musikschule Liechtenstein bei Pepi Hofer erst-
mals Cello-Unterricht genommen. Schon nach wenigen Jahren Unterricht stellte er bei Konzerten seine oft älteren Cello-Kollegen in den Schatten und spielte bereits anspruchsvollste Literatur. Nach 11 Jahren wechselte er zum Meistercellisten Raphael Rosenfeld in Basel, bei dem er nun seit zwei Jahren 
wöchentlich Unterricht nimmt. Fürs Üben wendet er mittlerweile täglich ca. zwei Stunden auf. «Früher habe ich mit 10 Minuten begonnen, dann bin ich schnell auf eine halbe oder ganze Stunde gekommen. Mit dieser Stunde bin ich ziemlich lange ausgekommen. Als ich aber mit dem Unterricht in Basel begann, musste und wollte ich mehr üben», erzählt er. «Oft hätte ich mehr Literatur zum Üben und Spielen, als ich Zeit habe», sagt er. Als Vorbereitung aufs Musikstudium hat er vor Kurzem begonnen, zusätzlich Klavier zu spielen, womit er eine weitere halbe Stunde pro Tag übt. Dann kommen noch Proben dazu. «Man ist schon viele Stunden mit der Musik beschäftigt.»

Doch die schulische Ausbildung ist ihm ebenso wichtig: Er besucht das «normale» Langzeitgymnasium Schillerstrasse in Feldkirch und nicht wie viele Kollegen das Musikgymnasium, bei dem mehr Zeit für die Musik eingeplant wird. Ob es für ihn schon immer klar war, Musiker zu werden? «Ich habe mir das immer überlegt, aber noch offen gelassen, weil ich mich in der Schule eigentlich auch nicht schwertue.» Er habe sich auch überlegt, Rechtswissenschaften zu studieren und Richter zu werden wie sein Grossvater. Als er jedoch mit 15 Jahren mit dem Unterricht an der Musikhochschule in Basel begann, war für ihn klar, dass er professioneller Musiker werden möchte. So ist es auch sein Ziel, in Zukunft eine Stelle in einem Orchester zu finden. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht: Mit 13 Jahren war er im Rahmen einer Benefizgala zum ersten Mal Solist beim Sinfonieorchester Liechtenstein (SOL) und seit vergangenem Jahr, seit ihn Geschäftsführer Drazen Domjanic anfragte, ist er nun fixes Orchestermitglied.

Moritz Huemer wurde bei den nationalen Musikwettbewerben in der Schweiz als auch in Österreich fast immer als der Beste in seiner Gruppe bewertet und gewann zahlreiche Sonderpreise. Obwohl er an so vielen Wettbewerben erfolgreich teilnahm, seien diese ihm nie sehr wichtig gewesen. «Es ist schön, dass das Üben honoriert wird und dass man gutes Feedback erhält, wie man noch besser werden kann», fährt aber weiter mit einer kritischen Betrachtung: «Meiner Meinung nach sind Wettbewerbe etwas sehr Unwichtiges, wenn man richtiger Musiker werden möchte. Es ist gut, um sich einzuschätzen, aber sonst sagen Preise eigentlich nichts über den Musiker aus.» Es gäbe einige Beispiele von Musikern, die viele Preise gewonnen haben und nicht bekannt wurden. Trotzdem möchte er gerne einmal den Vergleich wagen und an einem kleineren internationalen Wettbewerb teilnehmen und natürlich auch einen Preis gewinnen. Die Konkurrenz sei allerdings gross: «Es gibt sehr gute Solisten, die sich hauptsächlich aufs Solo-Spiel konzentriert haben. Das habe ich nie.» Er habe immer viel Kammermusik gemacht und mit Orchestern zusammengespielt, was ihm wichtiger sei. 

Schon als kleines Kind stand Moritz mit seinem Kinder-Cello regelmässig auf der Bühne und verdiente so sein Taschengeld: «Deshalb habe ich von meinen Eltern noch nie Taschengeld bekommen», erzählt er. Mittlerweile hat er sein eigenes Ensemble gegründet: Das Trio Millennium mit den beiden Musikstudenten David Kessler und Gabriel Meloni, mit denen er regelmässig Auftritte hat. Zusätzlich besucht Moritz Huemer jährlich 6 bis 7 Jugendorchester-Projekte wie das dreiwöchige Lager in Verbier, das der Wiener Philharmoniker oder Quarta, das Musiker aus den vier Ländern Deutschland, Österreich, Schweiz und Liechtenstein vereint. «In dem Umkreis gibt es noch kein Jugendorchester mit einem so hohen Niveau», beschreibt er die Besonderheit von Quarta, wo nur die Besten der vier beteiligten Länder mitspielen können. Dieses Jahr ist er dort bereits zum zweiten Mal als Stimmführer dabei und leitet die Gruppe der Cellisten. «Es wäre natürlich schön, wenn ich auch bei einem grossen Orchester Stimmführer werden könnte, aber da gehört auch viel Glück und Erfahrung dazu.» Die Orchestererfahrung ist es auch, weshalb er in so vielen Jugendorchestern mitspielt. Daher ist der Zeitplan des 18-Jährigen stark gestrafft. «Nächs-
tes Jahr möchte ich meine Projekte etwas reduzieren, damit ich mehr Zeit für anderes habe.» 

Die Zeit für Hobbys ist bei Moritz Huemer aufgrund seiner regen Proben- und Konzerttätigkeit begrenzt, doch diese weiss er zu nutzen. Er fahre viel und gerne Rad und spiele mit seinem Vater gerne Golf. Früher hätte er dazu allerdings mehr Zeit gehabt. «Natürlich treffe 
ich mich auch gerne mit Freunden oder Kollegen – besonders im Abschlussjahr», erzählt er lächelnd. Und ob er sich schon einmal überlegt hätte, mit dem Cellospielen aufzuhören? «Jetzt schon lange nicht mehr. Natürlich gab es Hürden und Zeiten, wo man keine Lust hatte», gesteht er. «Als ich noch kleiner war, hat meine Mutter geschaut, dass ich geübt habe.» Wenn er bei technischen Problemen stehen blieb, dann aber merkte, dass es mit Üben besser ging und er Fortschritte machte, war er wieder motivierter. In der jetzigen Situation könne er Tiefpunkte besser einordnen. «Es gibt Tage, an denen es nicht so läuft. Aber ans Aufhören denke ich heute nicht mehr.» 

Von der Musik leben könnte der 18-Jährige derzeit noch nicht. «Die Entschädigung beim SOL ist für mich aber schon ein schönes Taschengeld», schmunzelt er. Er habe auch schon beim Vorarlberger Sinfonieorchester ausgeholfen und sonst regelmässig Auftritte, aber die Ausbildung würde natürlich auch nicht wenig kosten. Im Oktober wird er zum ersten Mal in der Musikakademie Liechtenstein dabei sein und eine Woche lang in den Genuss eines Intensivtrainings mit einem Meistercellisten kommen. Dabei erklärt er seinem Gegenüber auf verständliche und verständnisvolle Weise, worum es sich bei den erwähnten Projekten handelt. Nächstes Jahr startet er das Pre-College in Basel, das auf das Musikstudium vorbereitet – mit Fächern wie Musiktheorie und Gehörbildung. Und nebenbei will er noch das Gymnasium abschliessen. (mk)

25. Aug 2017 / 06:00
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