• Engagieren sich mit Herzblut für das «Freie Singen»: Hansjakob Falk, Werner Niedhart und Walter Boss (v. l.).

Das «Freie Singen» feiert seinen 30. Geburtstag

Werner Niedhart heisst der Sänger mit viel Herzblut, der vor 30 Jahren das monatliche Treffen zum «Freien Singen» auf die Beine stellte. Kommen kann, wer will – aber immer mit dabei ist die Begeisterung, gemeinsam Musik zu machen.

«Hauptsache, es geht weiter», sagt Werner Niedhart, der sich gerade von einer Schulter-Operation erholt. Er erzählt vom «Freien Singen», das er seit 30 Jahren regelmässig besucht. Einmal pro Monat treffen sich die Musikfreunde ganz ungezwungen zum gemütlichen Singen. Ein Treffen, das einst Werner Niedhart initiierte. «Da hatte ich vor 30 Jahren wohl eine gute Idee», sagt der 83-Jährige und lacht. Trotz Krankenstand hat er den Humor nicht verloren. Ebenso wenig wie die Erinnerungen an das aller erste Treffen zum Freien Singen: «Der damalige Musikschulleiter, Pepi Frommelt, lud dazu ein», erzählt er. Es habe ihm so gut gefallen, dass er sich gleich erkundigt habe, wann denn das nächste Treffen stattfindet. Vielleicht nächstes Jahr, hätte Pepi Frommelt geantwortet. «Wieso erst nächstes Jahr?», habe er entrüstet gefragt. «Keine Räumlichkeiten, die monatlich genutzt werden könnten», sei die Antwort gewesen. Eine Antwort, bei der es Werner Niedhart nicht beliess. Gleich am nächsten Tag besuchte er Erich Walser im Gemeinschaftszentrum Resch in Schaan und trug sein Anliegen vor – mit Erfolg! Das wöchentliche Treffen war geboren, mit an Bord Pepi Frommelt als musikalischer Leiter. Der ohnehin mit viel Arbeit ausgelastete Musikschuldirektor schaufelte sich dafür den Donnerstag Abend frei. An seiner Hammond-Orgel begleitete er jeweils die Sängerinnen und Sänger. Solange, bis es sein Terminkalender nicht mehr zuliess. Werner Niedhart liess es allerdings nicht zu, dass nach etwa zwei Jahren auch das Freie Singen schon wieder Geschichte sein soll. «Vielmehr liess es der Zufall nicht zu», erzählt Werner Niedhart. Unerwartet habe er Richard Banzer getroffen, der zu jener Zeit Handorgel-Unterricht gab. Ein Treffen mit Folgen: Für die nächsten 15 Jahre hiess der musikalische Begleiter Richard Banzer – bis der Musiker mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte und zwischenzeitlich leider verstarb. 
Auf der Suche nach einem Nachfolger kam Werner Niedhart das Versprechen von ­Hansjakob Falk in den Sinn: «Der ­musikbegeisterte ehemalige Schaaner Vorsteher sagte früher immer, wenn er dann pensioniert sei, komme er zum Freien Singen.» Darauf sprach Werner Niedhart den Alt-Vorsteher an – «Jawohl, ich bin dabei», war das Echo. Und so begleitete er die Sängerinnen und Sänger monatlich am Klavier. «Hansjakob Falk spielte fast alle Lieder auswendig», sagt Werner Niedhart noch heute voller Bewunderung. Schliesslich umfasste das Repertoire schon damals rund 250 Volkslieder. 
Im vergangenen Jahr übergab Hansjakob Falk nach rund fünfzehn Jahren an Walter Boss und damit an einen weiteren Mann, für den Musik die grosse Leidenschaft bedeutet. Damals noch als Architekt tätig, suchte Walter Boss in der Musik den Ausgleich. Der Vaduzer dirigierte einst die Blasmusikvereine Eschen, Flums, Bad Ragaz und Ruggell. «Ausserdem spielte ich auf meiner Klarinette und auf meinem Saxophon Tanzmusik», erzählt der passionierte Musiker. Seit vier Jahren ist er ausserdem Dirigent der Seniorenmusik Liechtenstein. 
Mit Herzblut hat er dann auch die Aufgabe des musikalischen Leiters für das Freie Singen übernommen. «Damit sich die Sänger nicht mit losen Notenblättern herumschlagen müssen, habe ich die Lieder gleich einmal in einem Heftlein gebündelt», erzählt Walter Boss. Das erste war in blauer Farbe eingebunden, es folgte ein rotes, ein gelbes und ein grünes Liederheft. Nicht nur das: Walter Boss gab Note für Note von rund 300 Liedern in den Computer ein. Weil er einst für verschiedenste Blasmusik-Kapellen Kompositionen machte, verfügte sein Rechner über ein Notenschreib-Programm. Die Idee: Quasi ein Karaoke-Programm für das Freie Singen zu erstellen. «Ich habe dazu verschiedenste Instrumente eingesetzt», erzählt Walter Boss. Das meiste ist Klaviermusik, die Lieder werden aber auch von Streichern, Blasmusikinstrumenten, Gitarren und Schlagzeug untermalt. Am Laptop, versehen mit einem Verstärker, lässt Walter Boss die Musik jeweils laufen. Da kommt wohl eine richtige Konzertstimmung auf – «die Sängerinnen und Sänger sind mit Begeisterung dabei», so Walter Boss. Umso mehr, weil sie die rund zwei Stunden selbst gestalten dürfen – jede und jeder darf ein Lied wählen, das gemeinsam gesungen wird. Das Repertoire ist umfassend: Von Songs wie «Mit 66 Jahren» über «Wenn der weisse Flieder blüht» bis hin zu «An die Heimat» von Josef Gabriel Rheinberger ist alles dabei. Sogar Nabucco scheint im Liederregister auf. «Dieser letzte Mittwoch im Monat, an dem wir gemeinsam singen, ist ein richtiger Aufsteller», sagt Walter Boss. Alle kommen aus komplett freien Stücken, einen Zwang gibt es nicht. Schliesslich heisst es ja «Freies Singen». Kommen kann, wer möchte, wann und wie oft er oder sie will. Es gebe eine gewisse Anzahl von «Stamm-Sängern», sagt Walter Boss. Dies seien 20 bis 25 Sänger. Leider seien zu wenig Männer vertreten – «wir sind jeweils nur zu viert, fünft.» Entsprechend würde sich Walter Boss über mehr männliche Stimmen freuen – «und über junge Stimmen», fügt er hinzu. Egal ob Mann oder Frau, Jung oder Alt – «die Geselligkeit spielt im Freien Singen eine wichtige Rolle.» Um die Kehle nach zwei Stunden Anstrengung mit etwas Flüssigem zu belohnen, gehe es nach dem Singen jeweils noch in eine Wirtschaft – «auch ein Schwatz muss sein», sagt der leidenschaftliche Musiker. 
Ein leidenschaftlicher Musiker, der das Freie Singen «belebt», wie Werner Niedhart sagt. «Walter Boss hat Elan und ist stets mit Freude dabei!» So wie es eben sein soll. Und bald soll es auch wieder so sein, dass Werner Niedhart das Freie Singen wieder besuchen kann. Sobald er sich gesundheitlich wieder erholt hat – «dann leg ich wieder los», sagt er. «Das Allerwichtigste ist mir aber, dass es mit dem Freien Singen auch künftig immer weitergeht und dass es nie einschläft.» Wenn weiterhin alle so viel Herzblut und Engagement beweisen wie Werner Niedhart gemeinsam mit den  musikalischen Begleitern, die das Freie Singen bislang bereichert haben, ist das wohl keine Frage. (bfs)

Freies Singen, jeweils am letzten Mittwoch im Monat, um 20 Uhr im Pfarreiheim in Schaan.  
 

25. Jan 2019 / 06:00
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