• Lange Nacht der Jugentreffs - Geisterhaus im Scharmotz
    Das Geisterhaus erstreckte sich über drei Stockwerke und hielt viele Schreckmomente bereit.  (Nils Vollmar)

Eine Nacht, die allein den Jugendlichen gehört

Eine Nacht lang werden Jugendliche von einem Jugendtreff Liechtensteins zum nächsten gefahren. In den jeweiligen Treffs wartet ein tolles Motto auf sie. Letztes Jahr beispielsweise verwandelte sich der «Scharmotz» in Balzers in ein gruseliges Geisterhaus.

Beim Eingang hängt ein mit Lichterketten umrahmtes Schild, worauf in bunten Buchstaben «Geisterhaus» zu lesen ist. Der Pfeil deutet auf eine schwarze Tür, hinter der sich ein ebenso düsterer Raum verbirgt. Aus seinem Inneren ist eine schreckenerregende Melodie zu hören. Hie und da kann man auch noch andere Geräusche vernehmen und hinter dickem Nebel ist ein schmaler Pfad zu erkennen, der durch den Raum hindurchführt. Wer sich traut, begegnet auf diesem Gespenstern, Mumien und Gruselpuppen. Der Untergrund verändert sich beim Durchqueren alle paar Meter – einmal führt einem der Weg über Laub, das andere Mal über etwas dumpf Klingendes. Den ersten Raum hinter sich gebracht, geht es über zwei weitere Etagen bis zum Hauptraum des Jugendtreffs Scharmotz in Balzers ähnlich gruselig weiter. Im dritten Stock angekommen, warten Snacks und Getränke auf jene Mutigen, die den Gang durch das Geisterhaus gewagt haben – es versteht sich, dass die Leckereien ebenfalls dem Motto getreu gespenstisch und gruselig aussehen: Gummibärchen-Schlangen, Pop­corn in Schalen verziert mit Spinnennetzen, grüne Getränke und Süssigkeiten, die wie Augen aussehen, dürfen nämlich nicht fehlen. So sah das der Jugendtreff Scharmotz vergangenen November anlässlich einer Veranstaltung aus. 
Das Geisterhaus hatten die beiden Treff-Verantwortlichen Nils Vollmar und Alexandra Neyer gemeinsam mit einer Gruppe Jugendlicher ins Leben gerufen. Allerdings nicht wegen Halloween, das in ein paar Tagen weltweit gefeiert wird, sondern anlässlich der langen Nacht der Jugendtreffs, die vergangenes Jahr erstmals durchgeführt wurde. 

Jugendliche friedlich unterwegs
«Jeder Jugendtreff des Landes, welcher der Stiftung Offene Jugendarbeit Liechtenstein (OJA) angegliedert ist, hat während des ganzen Jahres über diverse Veranstaltungen durchgeführt. Die lange Nacht der Jugendtreffs bildete den krönenden Abschluss von 2018», erklärt Christine Hotz, Geschäftsstellenleiterin der OJA. Dabei widmeten sich die Jugendtreffs der Gemeinden Balzers, Triesen, Triesenberg, Vaduz, Schaan, Planken, Eschen-Nendeln sowie Ruggell mit Gamprin und Schellenberg einen Tag lang einem speziellen Motto. Neben dem Geisterhaus in Balzers konnten Jugendliche an Break-Dance- oder Sing-Wettbewerben teilnehmen oder sich von einer Alphütten-Stimmung verzaubern lassen. Damit sie nicht stundenlang mit den öffentlichen Verkehrsmitteln quer durch Liechtenstein fahren mussten, konnten die Jugendlichen entspannt in den eigens organisierten Shuttle-Bus steigen, der von Gemeinde zu Gemeinde fuhr. Dadurch hatten die Jugendlichen die Möglichkeit, die einzelnen Treffs sowie ihre Angebote besser kennenzulernen. Laut Hotz war der letztjährige Anlass zum Jahresabschluss ein voller Erfolg. 
Rund 1000 Jugendliche seien vergangenes Jahr an der langen Nacht der Jugendtreffs unterwegs gewesen. «Es gab weder Reklamationen, noch musste die Polizei einschreiten. Man kann also wirklich von einem gelungenen Anlass sprechen», sagt Hotz und meinte weiter: «Es gibt schon von fast allem eine lange Nacht. Wir waren allerdings die Ersten, die das Konzept auf Jugendtreffs ausgeweitet haben. Mittlerweile wurde unser Projekt beispielsweise auch von der Stadt Zürich aufgegriffen.» Da Jugendliche aus Liechtenstein schon diesen Sommer wieder um eine zweite Auflage der Veranstaltung gebeten hatten, wird die lange Nacht der Jugendtreffs am 22. November seine Fortsetzung finden. 

Eigene Komfortzone verlassen
Welche tollen Ideen sich die Arbeitsgruppen bestehend aus Jugendlichen und den Verantwortlichen der jeweiligen Treffs in diesem Jahr haben einfallen lassen, soll vorerst noch eine Überraschung bleiben. «Jedes Jahr das gleiche anzubieten, wäre langweilig. Wir müssen mit der Zeit gehen», meint Hotz. Gleich bleibt allerdings das Angebot des Shuttle-Busses. Allerdings werden es nicht mehr zwei, sondern lediglich einer sein, der wiederum die einzelnen Jugendtreffs nach einem vorab festgelegten Zeitplan gezielt anfährt. Gleichbleiben wird auch der Wettbewerb, an dem alle mitmachen können. Er soll ein Ansporn sein, die eigene Komfortzone zu verlassen und Einblick in eine neue Gemeinde und deren Treffpunkt für Jugendliche zu erlangen. «Zu gewinnen gibt es tolle Preise und in jedem Treff gibt es während unterschiedlicher Zeiten ein Spezialangebot», fügt Nils Vollmar vom Jugendtreff Scharmotz an. 
An der langen Nacht der Jugendtreffs können Jugendliche, die bereits in die weiterführenden Schulen gehen, teilnehmen. «Sie müssen sich allerdings an die für ihr Alter vorgeschriebene Ausgangsregelung halten», sagt die Geschäftsstellenleiterin der Offenen Jugendarbeit Liechtenstein. 

Sagenwelt ist wieder Thema
Jugendliche können sich also wieder auf einen tollen Abend mit vielen unterschiedlichen Mottos freuen. In Balzers war die Idee vom Geisterhaus vergangenes Jahr entstanden, weil die Gemeinde mit vielen Sagen rund um Geister in Verbindung gebracht werde, erklärt Nils Vollmar. «Manche Jugendliche haben mich auch gefragt, was dieser weisse Turm unterhalb des Jugendtreffs eigentlich soll. Damit gemeint hatten sie den alten Friedhof, an den sie sich selbstverständlich nicht mehr erinnern können», erklärt er. Ausserdem gibt es im südlichsten Dorf des Landes seit noch nicht allzu langer Zeit den Sagenweg, der von der Burg Gutenberg aus rund um Balzers führt. Ein Geisterhaus, das gewisse Sagen aufgreift, schien also durchaus naheliegend. So konnte das Konzept ausgearbeitet werden. Den Lead hatten dabei die Jugendlichen. «Sie haben wirklich intensiv daran gearbeitet und die Organisation in die Hand genommen. Ich war bei Fragen für sie da und habe ihnen schliesslich bei der Umsetzung wieder unter die Arme gegriffen», meint der Jugendleiter. Und neben dem Spass, welchen die Jugendlichen dabei hatten, konnten sie auch gleich noch wertvolle Erfahrungen sammeln. «Es ist ein wichtiger Prozess für sie, bei dem die Jugendlichen lernen, sich einzubringen, Verantwortung zu übernehmen und ein Projekt von Anfang bis Ende zu begleiten», ergänzt Christine Hotz. 
Aus dem Geisterhaus-Projekt hatte sich im Scharmotz eine Kerngruppe bestehend aus etwa fünf Jugendlichen gebildet, die auch in diesem Jahr die Umsetzung des Mottos in Angriff nehmen werden. «Das Geisterhaus kam bei allen jungen Besuchern sehr gut an. So gut, dass sie dieses Jahr am liebsten wieder dasselbe Motto verwirklichen wollen», erklärt der Jugendarbeiter. Ob es tatsächlich eine Art «Geisterhaus 2.0» geben wird, wird sich spätestens am 22. November zeigen. «So viel sei aber verraten: Der Jugendtreff Scharmotz wird sich wieder der Sagenwelt des Dorfes annehmen», so Nils Vollmar. (jka)

 

25. Okt 2019 / 07:00
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistgelesen
29. Juni 2018 / 07:00
31. August 2018 / 07:00
Aktuell
25. Oktober 2019 / 06:00
27. September 2019 / 07:00
27. September 2019 / 07:00
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
james blunt
Zu gewinnen 2 x 2 Tickets für das Konzert von James Blunt am FL1.Life 2020!
vor 23 Stunden
Facebook
Top