• 20180116 Repo KUL - Liewo - Schnitzerfreunde Flums
    Das Maskenmuseum präsentiert das typische Brauchtum der Region. Die älteste Holzmaske, «di Alt» aus Walenstadt, wird auf das Jahr 1832 datiert. Heute sind rund sechzig Freizeitschnitzer im Sarganserland aktiv.  (Nils Vollmar)

Eine Tradition – unendlich viele Geschichten

«D’Chrottni», der «Silberfuchs» oder «Dr Finstergugger» – hartgesottene Fasnachtsfanatiker haben so manche dieser Figuren durch die Strassen tanzen sehen. Rund 200 historische und zeitgenössische Holzmasken sind in einem Museum in Flums ausgestellt. Ihre Geschichten leben dort weiter.

Im Sarganserland gelten Flums, Mels und Walenstadt als die Hochburgen der Maskenschnitzer. Einer von ihnen ist Bruno Bless, Präsident des Vereins Schnitzerfreunde Flums. Er selbst hat in seinem Leben bisher rund 300 Larven hergestellt. Der Rentner gibt Medienschaffenden sowie interessierten Gruppen regelmässig Führungen durch das zehn Jahre alte Maskenmuseum unter dem Rathausgebäude in Flums. Beim Eingang stehen hinter einer Fensterscheibe bereits die ersten beiden handgefertigten Larven, angeschrieben mit «Dr Finstergugger». Bruno Bless erklärt, dass es diese beiden Menschen tatsächlich einst gab. Sie waren ein verheiratetes Paar, wohnten 1940 in Flums und waren Dorforiginale. «Er war ein äusserst neugieriger Mann und klebte ständig an seiner Fensterscheibe. Schüler ärgerten ihn gerne, indem sie an seinem Haus vorbeirannten und ‹Satanli, Satanli› riefen. Das brachte den Mann auf die Palme und er verpetzte die Kinder bei ihren Eltern und Lehrern.» Der Beweis, dass der «Finstergugger» wirklich existierte, zeigte sich bei einer Museumsführung vor zwei Jahren: «Eine Gruppe von Senioren bestätigten mir die Geschichten rund um dieses Dorforiginal. Sie konnten sich gut an ihn erinnern.» Der «Finstergugger» hatte aber auch einen weichen Kern. Als seine Frau schwer krank wurde, pflegte er sie bis an ihr Lebensende zu Hause. 

Die Frau des Postboten
Das Sarganserländer Maskenmuseum wurde im Rahmen des 50-Jahr-Jubiläums der Talgemeinschaft Sarganserland/Walensee 2006 in den Kellerräumlichkeiten des Flumser Rathauses realisiert. Die Ausstellung ist in drei Räume aufgeteilt und an den Wänden sind ausserdem drei Larven von Bruno Bless ausgestellt. Darunter hängt die berühmteste Maske im ganzen Sarganserland, das Flumser Dorforiginal «D’Chrottni». Eine Dame, welche dank ihres grossen Mundwerks zur Berühmtheit wurde. «Ihr Mann war Postbote und diese Dame konnte ihre Finger nicht bei sich behalten und öffnete die Briefe der ganzen Dorfgemeinde. So kannte sie den neusten Klatsch und Tratsch und tauschte diesen lautstark auf dem Dorfplatz aus», erklärt Bruno Bless. Mit diesen Aktionen machte sich die Ehefrau des Postboten unbeliebt. Eine Flumser Fasnachtsgruppe packte die Gelegenheit beim Schopf und wählte die lästernde Dame als Sujet für ihren Umzug. «Prompt fuhr ein Fasnachtswagen durch das Dorf, auf dem die Fasnachtsgesellschaft Briefe vorlas und sich über die schwatzhafte Ehefrau lustig machte», erzählt Bless. Dies gefiel dem Ehegatten überhaupt nicht. In seiner Wut sprang er auf den Wagen und schlug alles kurz und klein. Das «Chrottewieb» geriet trotzdem nie in Vergessenheit und wurde unzählige Male von Schnitzern in Holz verewigt. 

Rund um den Globus verteilt
Marcus Derungs aus Flums ist seit rund 14 Jahren passionierter Schnitzer und Mitglied des Vereins Schnitzerfreunde Flums. Seine Leidenschaft wurde durch seinen Nachbarn entfacht: «Bruno Bless wohnt direkt neben mir. Als ich seine Kunstwerke sah, packte mich das Schnitzfieber und ich verbrachte viele Stunden bei ihm zu Hause. Er war mein Mentor», erklärt Derungs. Seit 2006 ist er Mitglied bei den Schnitzerfreunden Flums. Gearbeitet wird meistens mit Lindenholz. «Für Anfänger ist dieses Holz sehr geeignet, da es kompakt und einfach zu handhaben ist», erklärt Derungs. Im Clublokal der Schnitzerfreunde hängen, wie auch im Museum, etliche beeindruckende Werke. Die Schweizer Rocklegende Chris von Rohr, der verstorbene deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl oder der berühmteste blaue Vogel aus der Schweiz, Globi. «Einst habe ich Boris Becker geschnitzt. Seinen Bart habe ich aus einer Pferdemähne geformt. Die Gesichtsbehaarung ist jedoch fast nicht mehr vorhanden, da viele neugierige Hände am Bart rumgefummelt haben», erzählt Bless mit einem Lächeln. Man überlege sich, noch einen weiteren prominenten Politiker aus Holz zu formen: «Wir werden sehen, ob Donald Trump einst die Wand unseres Clubhauses zieren wird», erklären die Hobby-Schnitzer. Rund 35 Stunden Arbeit steckt in einer Holzmaske. Nach der Fertigstellung kann diese ab 450 Franken gekauft werden. «Einige meiner Larven habe ich ins Ausland verkauft. Interessierte haben im Internet Bilder meiner Werke gesehen und mich direkt kontaktiert», erklärt Derungs. Auch andere Mitglieder konnten ihre Werke rund um den Globus verkaufen oder ausstellen. Von Frankreich über  Deutschland, die USA, Hawaii, Indien bis Japan. «Im November 1997 waren anlässlich einer Welt-Maskenausstellung in New Delhi unter dem Patronat der Kulturministerin Indiens zwei unserer Holzmasken zu sehen. Eine davon durfte dann dortbleiben», sagt Bless. 

Keine Nachwuchsprobleme
Die Schnitzerfreunde treffen sich regelmässig in ihrem Clublokal. «Das Maskenschnitzen erfreut sich bis heute ungebrochener Beliebtheit. Das Handwerk wird in der Familie weitergegeben oder kann in Kursen erlernt werden», erklärt ihr Präsident. Bereits am 13. März findet der nächste Volks-Schnitzkurs statt. «Ich wünsche mir für die Zukunft, dass die Tradition der Holzmaskenschnitzerei bestehen bleibt und weitere tolle Larven entstehen», so Derungs. (nb)
 

25. Jan 2018 / 15:24
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