• Cornelia Konrad in Schaan
    Begeistert vom Krippenbau: Cornelia Konrad, die Präsidentin des Vereins der Krippenfreunde Liechtenstein.  (Daniel Schwendener)

Gepackt vom Krippenfieber

Es ist ein Verein, der in der Öffentlichkeit eher ein Stiefmütterchendasein fristet und oft nur anlässlich der Krippenausstellung im Advent wahrgenommen wird: der Verein der Krippenfreunde Liechtensteins. Umso bemerkenswerter ist seine Mitgliederzahl von gut 300 Krippenfreunden. Am Wochenende stellen die Krippenfreunde ihre Werke im Gampriner Gemeindesaal aus. Rund 80 werden zu bestaunen sein.

Es gibt heimatliche, orientalische, solche aus Wurzeln, geschnitzte und so weiter– aber auch wenn die Art die gleiche ist: Keine Krippe ist gleich wie die andere. Jede ist ein Unikat und gehört zu einem bedeutenden christlichen Kulturgut. Um dieses Kulturgut nicht nur zu erhalten, sondern auch zu fördern, wurde am 2. Dezember 1983 der Verein der Krippenfreunde Liechtensteins gegründet. In wenigen Tagen darf der Verein also seinen 35. Geburtstag feiern. Für den Verein ist Krippenzeit nicht nur zu Weihnachten, sondern das ganze Jahr. Im Früh­jahr und Herbst werden jeweils Krippenbaukurse für Erwachsene und Jugendliche angeboten, Anfang Advent findet jedes Jahr die grosse Krippenausstellung statt und jeweils Anfang Januar wird eine Krippenfahrt zum «Krippeleschauen» organisiert. 

Wie die Jungfrau zum Kind
Seit März 2016 ist Cornelia Konrad die Präsidentin des Vereins. Sie kam dazu quasi wie die Jungfrau zum Kind. Also nicht ganz – schliesslich war Cornelia Konrad bereits seit über 30 Jahren Vereinsmitglied der Krippenfreunde. Allerdings gehörte sie zu den passiven Mitgliedern. «Heinz Ritter, seinerzeit Gründungsmitglied und langjähriger Präsident des Vereins, fragte mich schliesslich an, ob ich mich im Vorstand engagieren wolle», erinnert sich Cornelia Konrad. Sie habe an ein kleineres Amt gedacht und nach gründlicher Überlegung Heinz Ritter ihre Bereitschaft für ein Gespräch zugesagt. «Als wir dann zusammenkamen, hakte er die bereits besetzten Ämter ab, so nach dem Motto: Einen Kassier haben wir, einen Protokollführer auch, nur etwas fehlt dem Verein – die Präsidentin!» Nach dieser Ansage sei sie «baff» gewesen, wie Cornelia Konrad erzählt. «Denn wenn ich zu etwas Ja sage, dann klemme ich mich auch voll und ganz dahinter.» Weil sie vermutete, was für ein Aufgabenpensum dieses Ja bedeutet, habe sie nochmals darüber schlafen wollen. Schliesslich hat sie es dann aber getan – und Ja zum Amt als Präsidentin gesagt. Seit fast drei Jahren ist sie nun verantwortlich für die Vereinsführung, die Vertretung des Vereins nach aussen sowie die Öffentlichkeitsarbeit. Sie schreibt Beiträge wie beispielsweise für die Publikation «Der Krippenfreund» des Verbandes der Krippenfreunde Österreichs, koordiniert Vorstandsaufgaben, organisiert und führt Sitzungen und kümmert sich auch um spezielle Aktivitäten des Vereins. Letzteres durfte sie bereits in ihrem ersten Amtsjahr organisieren: Weil das Augstenbergkreuz schwer beschädigt worden war, haben Vereinsmitglieder im 2016 ein neues errichtet. 
Wie Cornelia Konrad erwartet hat: «Es ist viel Arbeit.» Trotzdem leuchten ihre Augen, wenn sie vom Verein der Krippenfreunde erzählt. Denn sie wurde angesteckt, infiziert, ja heimtückisch gepackt vom «Krippenfieber», wie sie sagt. «Als Präsidentin war für mich klar, dass ich einen Krippenbaukurs besuche.» Gesagt, getan: Im Frühjahr 2017 hat sie ihre erste Laternen-Krippe gebaut. «Es hat mir von der ersten Krippenbaustunde an den Ärmel hineingezogen», sagt sie. Entsprechend ist sie überzeugt: Weitere Krippen werden folgen. 

«Jeder kann eine Krippe bauen»
Zum Krippenbauen seien keinerlei besondere Vorkenntnisse und auch keine grossen handwerkliche Erfahrungen nötig, wie die Vereinspräsidentin sagt. «Mit etwas Geschick kann jeder seine eigene Krippe bauen.» Geschulte und erfahrene Kurslehrer begleiten den Krippenbauer während des Kurses, erklären und zeigen Schritt für Schritt, was zu machen ist, und stehen bei jedem Problem fachkundig helfend zur Seite. Das meiste Material, das zum Krippenbau benötigt wird, steht in den Werkstätten des Vereins in Schaanwald und Balzers zur Verfügung – nur Laternen müssen jeweils selbst beschafft werden. Wie Cornelia Konrad sagt, wird hauptsächlich mit Naturmaterialien gebaut. Das sind Span- und Weichfaserplatten, Wurzeln, Buchenstöcke, Altholz, Rinde, Steinchen, Schalen von Pistazien, Schieferplatten, Schwemm­holz und vieles mehr. Aber auch Tonscherben, Gitternetze, Nägel und Gipsformen, beispielsweise für Fenster, werden gerne verwendet. 

Geklebt, genagelt, gemauert
Der Kursteilnehmer legt fest, welche Art von Krippe er bauen möchte. Beispielsweise eine heimatliche Krippe, die hierzulande verbreitet ist, oder eine orientalische Krippe, die sich an Landschaften, Gebäuden und Szenen des Nahen Ostens orientiert. «Wenn feststeht, welche Art von Krippe gebaut wird, wird die Grundplatte, auf der die Krippe platziert wird, vorbereitet», erklärt die Vereinspräsidentin. Dann werden Berge, Gebäude, Türme, Treppen, Torbogen und ähnliches, je nach Art der Krippe, gebaut und auch die Umgebung – zum Beispiel Hügel oder Wasserläufe – werden bereits erstellt. «Da wird geklebt, genagelt, gemauert, Fenster eingebaut und die Beleuchtung vorbereitet, bevor dann alles mit einer dünnen Schicht von Krippenmörtel überzogen und schliesslich mit weisser Dispersionsfarbe gestrichen wird.» Anschliessend werden Gebäude wie beispielsweise Ställe oder Teile wie Schindeldächer aus Holz erstellt oder fertiggestellt. Wie Cornelia Konrad sagt, werden Holzteile oft gebeizt oder geflammt. «Sind die Bauarbeiten abgeschlossen, wird die Krippe gefasst, das heisst, Gebäude, Berge und Umgebung erhalten ihre Farbe. Durch eine sorgfältige Farbgebung und Berücksichtigung von Lichteinfall und Schatten werden die Krippen lebendig.» Schliesslich gehe es dann noch um die Botanik. Zum Beispiel werden gemahlenes Moos, gemahlene Blütenblätter oder Sand gestreut, um den Boden natürlich aussehen zu lassen, Bäume und Sträucher werden gefertigt und platziert und je nachdem folgen weitere Details wie kleine Scheiterhaufen, aufgehängte Maiskolben und vieles mehr. 

Ein ganz besonderes Geschenk
«Wenn die Krippe dann fertig ist und das erste Mal die Beleuchtung eingeschaltet wird, ist das ein ganz spezieller Moment, nicht nur für jeden Krippenbauer, sondern auch für die Kurslehrer», sagt Cornelia Konrad. Ein besonderer Moment ist es für sie auch, wenn sie eine ganz spezielle Krippe bei ihr zu Hause unter den Weihnachtsbaum stellt. Denn die Krippe hat sie von ihrem Gotta-Bub geschenkt bekommen – «es war die erste, die er gebaut hat, und entsprechend ist diese Krippe für mich ein ganz besonderes Geschenk», sagt sie. Ein Geschenk, das sie jedes Jahr zu Weihnachten geniessen darf. 
Und was wünscht sich die Vereinspräsidentin zu Weihnachten? «Dass es immer wieder junge, begeisterte Krippenbauer gibt, welche die Ausbildung zum Krippenbaumeister machen, damit uns die Fachleute für die Kurse nicht ausgehen. Und natürlich auch immer wieder junge und junggebliebene Vereinsmitglieder, die zu unserem Verein stossen.» Denn auch nach über 30 Jahren verfolgt der Verein der Krippenfreunde Liechtensteins das Ziel, ein ganz spezielles Kulturgut zu erhalten. (bfs)
 

30. Nov 2018 / 07:00
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