• Christine Bertl in Schaan
    Ob die Äste das finstere Haus selbst darstellen oder vielleicht auch das Symbol für Verstecktes, Verschwiegenes sind, möchte die Bühnen- und Kostümbildnerin Christine Bertl nicht verraten. Sie möchte jedem Theaterbesucher seine eigene Fantasie lassen.  (Daniel Schwendener)

«Ich möchte einmal eine Glitzerbombe zünden»

Christine Bertl ist Kostüm- und Bühnenbildnerin und gestaltet derzeit für die TAK-Eigenproduktion «In einem finsteren Haus» die Kulissen und Kostüme. Seit zwei Jahren ist die 38-Jährige freischaffend und hat bereits etliche Aufträge von Theaterhäusern bekommen. Ihr Erfolgsrezept: Ihr eigener Stil. Oder wie eine ihrer Freundinnen zu sagen pflegt: «Christine ist eine Künstlerin, die mit den Augen malen kann.»

Christine Bertl sitzt auf dem Sofa in der Garderobe vom TAK in Schaan. Vor ihr liegt ein Notizbuch mit Bleistift, am Boden steht ihr oranger Rucksack. Christine Bertl ist es gewohnt, mehrere Wochen aus dem Rucksack zu leben. «Manchmal bin ich bis zu sechs Wochen weg von meinem Zuhause in Wien», erzählt sie. Allerdings nicht, um ein bisschen durch die Welt zu bummeln – Christine Bertl haucht verschiedenen Theaterbühnen Leben ein, indem sie die Kulisse passend zum Stück gestaltet. Aktuell arbeitet die 38-Jährige für das TAK. Konkret hat sie den Auftrag bekommen, für die Eigenproduktion «In einem finsteren Haus» das Bühnenbild sowie die Kostüme zu entwerfen. «Ich habe mich über diese Anfrage vom TAK sehr gefreut», sagt sie. Denn unbekannt war ihr das Theater nicht: Bereits vergangenes Jahr machte sie für die Eigenproduktion «Kunst» die gesamte Bühnengestaltung – und hat das TAK mit ihrer Arbeit überzeugt. Nicht zuletzt ist es aber auch die Chemie, die zwischen dem TAK-Team und der Oberbayerin stimmt. «Die Leute hier in Schaan sind topmotiviert, aufgestellt und arbeiten einfach super zusammen», sagt Christine Bertl. 

Denkt bildlich
Seit Anfang Jahr befasst sich Christine Bertl nun mit dem Theaterstück des bekannten US-amerikanischen Autors Neil LaBute «In einem finsteren Haus». «Ein total spannendes Stück», schwärmt die Bühnenbildnerin. Ein Stück, das sich um zwei Brüder dreht, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Drew, ein reicher Anwalt und Familienvater, der allerdings nicht erwachsen werden will. Vielleicht ist seine verkorkste Kindheit schuld daran. Sein Bruder Terry ist ein seriöser Sicherheitsfachmann. Seit Jahren sehen sich die beiden nur selten. Doch nun braucht Drew Terrys Hilfe: Eine aussereheliche Affäre, Kokain und Trunkenheit am Steuer haben Drew in eine psychiatrische Klinik gebracht. Unerbittlich sezieren die Brüder ihre Kindheitsgeschichte, die von Gewalt, Schweigen und Missbrauch geprägt war, während es die Familie nach aussen hin stets verstand, das Bild einer intakten Welt aufrechtzuerhalten. 
Mit dem Inhalt hat sich Christine Bertl intensivst auseinandergesetzt. Mehrmals hat sie das Stück gelesen und sich immer wieder mit dem Regisseur Oliver Vorwerk ausgetauscht. «Schon während ich lese, beginne ich zu assoziieren.» Beim Lesen denke sie oft bildlich und zeichne die Situation meist auch gleich auf. Schliesslich fertigt Christine Bertl ein Modell aus Karton und Holz an, so wie sie es sich auf der Bühne vorstellt. Später gibt es eine Bauprobe, bei der Techniker das Bühnenbild in Raumgrössenverhältnisse grob nachbauen. Gemeinsam mit dem Regisseur legt Christine Bertl dann bereits die Materialien für das Bühnenbild fest und beginnt mit der Organisation. Dabei setzt sie sich auch gerne mal selbst an die Nähmaschine – «ich mag es, mit meinen Händen zu arbeiten», sagt sie. 

«Ich spinne gerne herum»
Christine Bertl läuft den schmalen Gang von der Garderobe entlang zur TAK-Bühne. Dort türmen sich Äste zu einem grösseren Haufen auf dem Boden. Von der Decke hängen weisse Stofffragmente herunter. «Das ist alles noch am Entstehen», sagt Christine Bertl und fügt gleich an: «Aber wir sind sehr gut in der Zeit.» Was es mit den Ästen auf der Bühne auf sich hat, möchte die Bühnenbildnerin nicht verraten. Sie möchte dem Theaterbesucher den Blickwinkel offen lassen, die Fantasie nicht vorweg nehmen. Nur so viel verrät sie: «Die Äste kommen aus dem Schaaner Wald.» 
Ursprünglich hat Christine Bertl Innenarchitektur studiert. Später befasste sie sich mit der bildenden Kunst und lud zu Ausstellungen, bevor sie ein Geschäft mit Kunsthandwerken eröffnete. Erst danach kam sie auf ihre ursprüngliche Idee zurück: Fürs Theater zu arbeiten. Sie machte eine sogenannte Hospitanz, also ein Praktikum, beim Theater in München. Beim Theater in Konstanz wurde sie für zwei Jahre in der Assistenz angestellt. Christine Bertl hängte ein Jahr dran und war im Bereich Künstlerische Mitarbeit der Ausstattung tätig. Seit zwei Jahren lebt sie nun wieder in Wien und ist als freischaffende Bühnen- und Kostümbildnerin tätig. «Anfangs war es zäh, Fuss zu fassen», erzählt sie. Es sei ihr aber gelungen, gute Kontakte aufzubauen. «Je mehr Kontakte ich habe, desto mehr Anfragen bekomme ich.» Neben dem TAK arbeitet die 38-Jährige mittlerweile für Theater in Konstanz, Osnabrück, Wilhelmshafen und Mannheim. «Es läuft», freut sich Christine Bertl. Allerdings wünscht sie sich, auch international Fuss fassen zu können. «Aber ich bin absolut zufrieden und glücklich, als Bühnen- und Kostümbildnerin arbeiten zu dürfen», sagt sie. Einen grossen Traum hat sie noch: «Ich wünsche mir, einmal ein passendes Theaterstück zu finden, in dem eine Glitzerbombe gezündet wird.» Christine Bertl lacht herzhaft, während sie von diesem nicht ganz 08/15-Wunsch erzählt. Eigentlich ist sie gar nicht der Glitzer-Typ – «aber ich spinne gerne herum.» Dann heisst es Daumen drücken: Einerseits für die Premiere von «In einem finsteren Haus» am 15. September und andererseits für einen baldigen Glitzerbomben-Einsatz. (bfs)

In einem finsteren Haus: 15.9., 20.09, TAK, weitere Vorstellungen: 22. und 27.9.
 

01. Sep 2018 / 07:00
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistgelesen
26. Oktober 2018 / 07:00
27. Oktober 2018 / 07:00
27. Oktober 2018 / 07:00
Aktuell
26. Oktober 2018 / 07:00
28. September 2018 / 11:47
28. September 2018 / 11:37
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...
Wettbewerb
Zu gewinnen 1x selbst kreierten Ski von Skibauart im Wert von CHF 2300.-
07.11.2018
Facebook
Top