• Musik&Psyche: Klangraum Alpinum Clinicum, Gaflei - KuL-Geschicht
    Von Abendsonne durchfluteter Raum: Der Musikraum im Clinicum Alpinum auf Gaflei. Hier gibt es Instrumente wie den Tam-Tam-Gong, die japanische Buk-Trommel oder eine afrikanischen Gouss’n Gouni.

Klänge, die der Seele schmeicheln

Sie beruhigt, wühlt auf, weckt Erinnerungen, berührt die Seele: die Musik. Oder, wie es der griechische Philosoph Platon einst formulierte: «Sie führt zu den geheimsten Plätzen der Seele.»

Diese Plätze im Innersten zu fühlen, spüren und auch auszuhalten, ist oft nicht einfach. Vor allem für Menschen nicht, die an Depression erkrankt sind und bei denen sich das Innenleben oft anfühlt wie ein luftleerer Raum. Um diesen Raum wieder mit Leben zu füllen und mit Emotionen zu bereichern, bietet die Musik eine wertvolle Stütze. Musiktherapie bedeutet aber weitaus mehr, als gemütlich in einem Sessel Musik zu hören. Was Musiktherapie genau bedeutet, erklärt Denise Kronabitter-Oehri, Musiktherapeutin im Clinicum Alpinum auf Gaflei. 

Optik und imposanter Klang
Eine Treppe führt in den unteren Stock der Klinik, wo sich das Musikzimmer befindet. «Wir haben extra auf klassische Musikinstrumente verzichtet und stattdessen auf Ethno-Instrumente gesetzt», sagt Denise Kronabitter-Oehri, während sie die Tür zum Musikzimmer öffnet. Einladender könnte sich das Zimmer kaum präsentieren: Die Abendsonne durchflutet den Raum mit Licht, ein Raum voller Instrumente, die alles andere als alltäglich sind. Neben der Tür rechts nimmt ein grosser Tam-Tam-Gong seinen Platz ein. Er beeindruckt durch seine Optik und nicht zuletzt durch seinen imposanten Klang. Daneben prangt der golden strah­lende Feng Gong, auch Sonnengong genannt. Verschiedene Trommeln füllen den Raum, darunter die japanische Buk-Trommel. Ein Instrument fällt besonders ins Auge: Die afrikanische Douss’n Gouni. Dieses Saiteninstrument besteht aus einem grossen, getrockneten und ausgehöhlten Kürbis, mit Ziegenhaut bespannt, und zaubert Klän­ge wie eine Melange aus Harfe und Gitarre. 
Am Boden stehen weiters verschiedene Xylofone und persische Rahmentrommeln. Besonders fällt der Merlin auf, ein Instrument ganz ähnlich wie die Gitarre, nur kleiner und viersaitig. Daneben steht ein Regenrohr und ein weiteres interessantes Instrument: der Udu aus Nigeria – ein Schlagtopf in Form einer bauchigen Vase mit einer weiteren Öffnung an der Seite. Die Fenstersimse zieren schliesslich vier Koshis, verschieden gestimmte Windspiele. 

Klänge, die der Seele schmeicheln
Denise Kronabitter-Oehri erklärt, warum sie und ihre Kollegin Simone Hofer, ebenfalls Musiktherapeutin, im Clinicum Alpinum auf Ethno-Instrumente gesetzt haben: Zum einen seien klassische Musikinstrumente oft mit Erinnerungen behaftet, zum anderen geht es darum, den Zugang zu den Instrumenten so niederschwellig als möglich zu gestalten, wie die Musiktherapeutin sagt. Denn so schön wie die Namen der Instrumente aus aller Welt klingen, so ertönen sie schliesslich auch – ganz ohne diese überhaupt spielen zu können. Allesamt erzeugen sie warme Klänge, die der Seele schmeicheln. 
Manche Patienten hätten das Gefühl, es gehe darum, das Spielen eines dieser Instrumente nun erlernen zu müssen. «Vielmehr geht es aber darum, die Musik für Gefühle oder Situationen erklingen zu lassen, die in der aktuellen Verfassung des Patienten nicht mit Worten beschrieben werden können», sagt Denise Kronabitter-Oehri. Erstarrtes soll wieder in Schwingung kommen, physisch und psychisch. Körperlich erlebte Schwingungen können das Nervensystem beruhigen und den Zugang zu den eigenen Emotionen ermöglichen.

Urinstinkt des Menschen
Die Musiktherapie ist keine Erfindung der Neuzeit. Im Gegenteil: Diese Wirkung geht auf die Urinstinkte der Menschen zurück. Ein Baby nimmt schon im Bauch seiner Mutter Rhythmus, Melodie, Klang, Dynamik und Form war – die fünf Elemente, die schliesslich die Musik ausmachen. Es ist beispielsweise der Herzton der Mutter, der das Ungeborene bis zu seiner Geburt tagaus, tagein begleitet. Oder die Stimme des Vaters, die das Baby im Mutterleib erreicht. «So verwundert es also nicht, dass Musik und Klänge auch später eine unmittelbare und ganzheitliche Wirkung auf Menschen haben», so die Musiktherapeutin. In der Musiktherapie wird zwischen rezeptiver und aktiver unterschieden. Bei der rezeptiven geht es darum, dass beispielsweise die Musiktherapeutin dem Patienten etwas vorspielt. «Dabei geht es um das bewusste Hören von Musik – oder auch nur von einzelnen Klängen.» In der aktiven Therapie versucht sich der Patient selbst an den Instrumenten. «Ob rezeptiv oder aktiv – ich versuche, gemeinsam mit den Patienten eben diese schwer zugänglichen Plätze der Seele zu finden. Über eine verbesserte Körperwahrnehmung können diese auch ihre Gefühle klarer wahrnehmen. Dies hilft ihnen, wieder in Resonanz zu treten mit sich selbst und folglich mit ihrer Umwelt.»

«Ich brauche viel Stille»
Nicht alle Patienten würden auf die Musiktherapie gleich reagieren. «Manche finden den Zugang sofort, manche nach und nach, wiederum andere finden ihn überhaupt nicht.» Letzteres sei aber selten – «die meisten lassen sich darauf ein und spüren schliesslich, wie wohltuend die verschiedenen selbst gespielten oder gehörten Klänge sein können.»
Apropos Klang: Jeder Mensch verfügt über sein ganz persönliches Instrument, die Stimme. «Wenn wir singen, wird die Produktion von Glückshormonen wie Serotonin und Beta-Endorphin angekurbelt», so die Musiktherapeutin. So spricht Denise Kronabitter-Oehri nicht nur mit den Patienten – sie summt oder singt auch mit ihnen. Deshalb wird die Stimme von der Musiktherapeutin und jene der Patienten nicht unbedingt nur im therapeutischen Gespräch hörbar. Sie kann auch summend oder singend ihren klingenden Einsatz finden. 
Denise Kronabitter-Oehri ist Musiktherapeutin und Musikerin. Sie studierte Musikwissenschaften in Innsbruck. Berufsbegleitend zu ihrer musikpädagogischen und künstlerisch-musikalischen Arbeit absolvierte sie die Ausbildung zur Musiktherapeutin beim FMWS in der Schweiz. Seit 2015 arbeitet sie in freier Praxis in Ruggell. So spielt Musik in ihrem Leben eine wichtige Rolle, wie sie sagt. «Ich brauche aber auch viel Stille.» Energie tanke sie vor allem gerne in der Natur. 
«Es ist für mich wichtig, meine Patienten in ihrem Prozess zu unterstützen, die belastenden und tragischen Erfahrungen meiner Patienten jedoch nicht zu meinen zu machen.» Es sei eine Gratwanderung in ihrem Beruf, sich auf die Begegnung mit den Patienten einzulassen, deren Erzählungen wertzuschätzen, diese aber schliesslich nicht mit nach Hause zu nehmen. Es sei nicht nur die Stille und die Natur, die ihr die Kraft für diese Gratwanderung gebe. «Auch Achtsamkeit im Sinne von Yoga und Meditation sind Themen, die zu meinem Leben gehören.» Und noch etwas dürfe nicht fehlen: «Der Genuss. Sei dies bei einem leckeren Essen. Bei einem Glas Wein unter Freunden. Oder wenn ich meiner eigenen Kreativität den freien Lauf gebe.» (bfs)
 

27. Sep 2019 / 07:00
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