• Manuela Nipp: «Ich möchte der Burg Gutenberg mehr Leben einhauchen.»

«Living History» in Balzers

Die 29-jährige Historikerin Manuela Nipp ist privat seit einigen Jahren in der Mittelalterszene unterwegs. Als sie im Rahmen ihrer Weiterbildung ein Projekt entwickeln musste, entstand die Idee, eine historische Veranstaltung auf der Burg Gutenberg durchzuführen. Ihre Idee trägt nun Früchte.

«Jetzt oder nie», hiess es für die gebürtige Balznerin Manuela Nipp. Während ihrer Weiterbildung im Kulturmanagement kam ihr die Vision einer historischen Veranstaltung auf der Burg Gutenberg. «Leider konnte ich die Idee während der Weiterbildung nicht umsetzen, aber ich kam davon nicht mehr los, da ich viel Zuspruch von den relevanten Playern erhielt», erklärt die 29-Jährige. Realisiert wird ihre Idee nun am 8. und 9. September, aber bis dahin muss sie die Ärmel hochkrempeln. 

Lebendige Geschichte 
Anfang September wird das 14. und 15. Jahrhundert auf der Burg Gutenberg in den Mittelpunkt gerückt. Ein breites Angebot wird offeriert, wie die Organisatorin der Mittelaltertage erklärt. Es sei für sie schwierig, nur ein  Highlight zu wählen: «Ich freue mich sehr, dass eine befreundete Fechtgruppe mit dabei ist. Sie gehören zu den besten Gruppen in der Schweiz, wenn es um die Darstellung der Fechtkunst aus dem 15. Jahrhundert geht. Auch das ‹Zähringer Volk› wird eine absolute Bereicherung für den Anlass, da sie das Publikum aktiv am Erlebnis Geschichte teilhaben lassen.» Persönlich freue sich Nipp auf die Atmosphäre im Burghof, wenn am Samstagabend-Konzert ganz besondere Klangerlebnisse zu hören sein werden. Die ganze inhaltliche Gestaltung des Programms sei für Nipp einfach gewesen. Dies aufgrund ihrer beruflichen Erfahrung beim Museum Aargau, wo mehrmals jährlich ähnliche Veranstaltungen stattfinden und zusätzlich kam ihr ihr privates Netzwerk zugute. «Die grösste Herausforderung war es, die Behördengänge und -anträge zu durchlaufen.» Das unternahm sie alles ehrenamtlich und in der Freizeit. «Ich bin jedoch dankbar um den regen Austausch, auch wenn die Abläufe nicht ohne Stolpersteine waren», so Manuela Nipp.
Die Verantwortlichen des Haus Gutenbergs seien von Anfang an begeistert von den Mittelaltertagen gewesen, schildert Nipp. «Die Zusammenarbeit läuft sehr gut und ich bin enorm dankbar, dass es zu dieser Kooperation gekommen ist, ohne die der Event nicht möglich wäre.» Von den ersten Gesprächen mit den Verantwortlichen bis zur Fixierung des Programms seien zirca eineinhalb Jahre vergangen. Momentan läuft noch die Suche nach freiwilligen Helfern. 

Von Kleidung bis Essgeschirr
Dargestellt wird das Alltagsleben im Spätmittelalter, dazu gehöre hauptsächlich das Handwerk, auf das die Menschen viel mehr angewiesen waren als in der heutigen Zeit «wo alles industriell und in Massenproduktion hergestellt wird», erzählt die Balznerin.  Ziel sei es, einen Zugang zum «handgemachten»  zu schaffen. «Ausserdem wird anhand von Referaten im Haus Gutenberg Wissen verständlich vermittelt, von Urfehdebriefen über Mittelhochdeutsch bis zum Burgbewohner und Minnesänger Heinrich von Frauenberg.» Das Mittelalter spielt im Leben der Historikerin eine wichtige Rolle. «Meine Arbeit basiert hauptsächlich auf schriftlichen Quellen. Privat bin ich seit einigen Jahren in der Mittelalter-Living-History-Szene unterwegs», so Nipp. Das Ziel von Living History – also lebendiger Geschichte – ist es, aufgrund von archäologischen Funden, Gemälden und schriftlichen Quellen Geschichte authentisch und gerade zu lebendig darzustellen sowie zu vermitteln. Dies gehe von der Kleidung bis zum Essgeschirr.

Keine angenehme Zeitepoche
Die Historikerin blickt zurück ins 15. Jahrhundert und was Liechtenstein damals bewegte. Sie erzählt, dass die damalige Herrschaft Schellenberg und die Grafschaft Vaduz in einer heftigen Kriegsphase steckten. Der Alte Zürcherkrieg (1444–1446), der Schwabenkrieg (1499–1500) sowie der Appenzellerkrieg (1505) bedeuteten für die Bevölkerung stete Gefahr vor Verwüstung und Ressourcenknappheit. «Nicht wirklich angenehm.» Auch wenn die Zeiten hart waren, hätte sie gerne eine Rolle im Mittelalter gespielt. «Am liebsten wäre ich in einem städtischen Umfeld als Handwerkerin tätig gewesen, wie beispielsweise als Hut- oder Seifenmacherin.» (nb)

31. Aug 2018 / 07:00
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