• Eliane Schädler hat für das Design jeder Karte 15 Stunden investiert.  (zvg)

Mit Jasskarten auf Streifzug durch Liechtenstein

Seit Mitte Juni gibt es sie: Die Jasskarten mit Motiven aus Liechtenstein. Seien dies Kuhglocken, Schwertlilien oder die Gemeindewappen – auf erfrischende Weise erzählen die Karten Geschichten aus Liechtenstein und sorgen damit für noch mehr Spielspass.

Die lauen Sommerabende stehen vor der Tür, an denen man mit Freunden und der Familie gemütlich im Garten sitzt, ein Gläschen Wein trinkt, Gespräche führt und sich mit Gesellschaftsspielen verweilen kann. Vielleicht steht dabei auch die eine oder andere Jass-Partie auf dem Programm? Es würde sich auf jeden Fall lohnen, denn seit Mitte Juni gibt es exklusive Jasskarten mit Liechtensteiner Motiven. Erschaffen wurden sie von der Illustratorin Eliane Schädler. Damit ist es ihr gelungen, dass ein alter Klassiker eine Renaissance erlebt. Die Spielkarten kommen moderner als je zuvor daher – und das mit dem unverkennbaren Look Liechtensteins. 

So sehen die Jasskarten aus.

Aus Rosen wurden Schwertlilien
Die Idee, Jasskarten mit Liechtensteiner Motiven zu gestalten, kam Eliane Schädler schon vor einigen Jahren, als in ihrem Umfeld immer mehr Bekannte zu jassen begannen. «Da bin ich selbst auch wieder auf den Geschmack gekommen», sagt sie. Das Deutschschweizer Blatt, mit dem Eliane Schädler normalerweise spielte, hätte ihr allerdings visuell nicht sonderlich gut gefallen. «Ausserdem fand ich schon lange, dass das Spiel sich seinen Platz im 21. Jahrhundert verdienen sollte.» Wenn sich die Karten schon einer visuellen Verjüngungskur unterziehen sollten, war es für die Illustratorin auch naheliegend, die Karten mit ihrem neuen Gewand nach Liechtenstein zu holen. Sie sollten vertrauter werden. Und das ist Eliane Schädler gelungen.

Als erstes – wie es sich für eine Monarchie gehört – hat sie die Adelstitel angepasst: Aus dem König wurde der Fürst. Die «Farben» wiederum sollten nur mit kleinen Anpassungen vertrauter werden. Aus den «Rosen» hat Eliane Schädler schliesslich Schwertlilien und aus den «Schellen» hiesige Kuhglocken gezaubert. Die «Schilten» hat die Illustratorin durch die Gemeindewappen ersetzt. Die Jasskarten laden damit neben dem Spielgenuss zu einem kleinen Streifzug durch die Gemeinden Liechtensteins, dem Schwertlilienparadies im Ruggeller Riet oder durch den Prämienmarkt ein.

Veraltete Hierarchie aufbrechen
Von der Ideensuche bis zu den fertigen Druckdaten hat Eliane Schädler etwa 15 Arbeitsstunden pro Karte investiert. «Ich habe im vergangenen Sommer mit dem Projekt begonnen und immer dann eine weitere Karte gemacht, wann ich wieder Zeit hatte», erklärt sie. Zum Arbeitsprozess hätten ausserdem viele Tests mit Jass-affinen Probanden gehört, damit Eliane Schädler ­sicherstellen konnte, dass trotz der Änderungen wie gewohnt mit den Karten gespielt werden kann. Denn das war laut der Illustratorin das Heikelste am ganzen Projekt: Das Spiel sollte spielbar bleiben, ohne dass sich die Spieler gross umgewöhnen müssen. Eine weitere Herausforderung war für Eliane Schädler, die veraltete Hierarchie aufzubrechen und gleichzeitig die Struktur des Spiels nicht kaputt zu machen. «Auf die Lösung mit den Buchstaben ‹U›, ‹O› und ‹F› – so naheliegend sie auch ist – kam ich erst nach einigen schlaflosen Stunden», sagt sie und fügt an: «Das sind Buchstaben, die von Jassern vermutlich automatisch mit ‹Under›, ‹Ober› und ‹Fürst› ergänzt, aber trotzdem auch der eigenen Fantasie überlassen werden.»

Ob ein Spieler in den Buchstaben nun beispielsweise den Unterländer, Oberländer oder die Fürstin sieht, mit Ursula, Oliver oder Franz spielt, tut dem Spiel und seiner Struktur keinen Abbruch und ist laut Eliane Schädler der eigenen Kreativität überlassen.

200 Sets bereits verkauft
Die Liechtensteiner Jasskarten sind seit Mitte Juni erhältlich und können entweder direkt per Mail bei Eliane Schädler bestellt oder im Hoi-Laden, Spielplus, in den Shops des Landes- und Postmuseums und im Mikado in Vaduz gekauft werden. Ein Kartenset kostet zwölf Franken. Insgesamt hat Eliane Schädler 1500 Spielkarten-Sets produzieren lassen – 200 davon haben bereits den Besitzer gewechselt.

Ob sie eine weitere Auflage herausbringen wird, steht noch nicht fest. «Ich habe keine Ahnung, wie sich die Nachfrage entwickeln wird. Jetzt schon an eine zweite Auflage zu denken, wäre zu optimistisch», sagt die Illustratorin. Viel eher ist ihr jüngstes Projekt ein Experiment. Eliane Schädler ist schon gespannt, wie die Jasskarten ankommen. «Bis jetzt habe ich viele positive Rückmeldungen erhalten. Es sind auch schon einige Nachbestellungen eingetroffen. Das freut mich.»

Auch von ihrer Familie hat sie Zuspruch erhalten: Ihre Tante meinte zum Beispiel, dass die Karten nicht nur schön seien, sondern auch einfach zum Erkennen, wenn man in die Nähe fast nichts mehr sieht. Die Farben und Buchstaben würde sogar sie erkennen. Der Freund von Eliane Schädler wiederum sagte, dass es sich für diese Karten endlich lohne, das Jassen zu lernen. «Bei meiner Mutter hingegen haben die Jasskarten ihren Zweck komplett verfehlt: Sie hängen an der Pinnwand», erzählt die Illustratorin und ergänzt: «Da die Rückmeldungen von Freunden und der Familie offensichtlich nie ernst genommen werden können, darf ich diese Aussagen nicht als ­Verkaufsargument verwenden.» Eliane Schädler denkt aber, dass ihr Kartenset für alle toll ist, die eine visuelle Auffrischung der alten Spielkarten schätzen, eine zeitgemässe Anpassung der Geschlechter und Hierarchien im Spiel gutheissen und sich selbst oder Freunden aus dem In- und Ausland während dem Spiel ein kleines Stück Geschichte und Besonderheiten aus Liechtenstein näherbringen wollen. Obwohl ihr das Projekt grosse Freude bereitet hat, wird es eine weitere Version der Spielkarten wohl eher nicht geben. Momentan arbeitet die Liechtensteinerin an verschiedenen Buch- und Ausstellungsprojekten. (jka)

Kontakt: mail@elianeschaedler.com

25. Jun 2020 / 19:05
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