• Leonardo Anic verbindet in seinen Designs oftmals seine Fähigkeiten als Produktionsmechaniker mit denen des Designers.  (unusualfreemind)

Mode zwischen Kunst und Design

Seit knapp zwei Jahren studiert der Triesner Leonardo Anic Modedesign in Zürich. Da ihm wichtig ist, dass sich hinter seinen Textilien eine Botschaft und ein überlegtes Konzept verbirgt, steckt er auch viel Zeit in seine Recherche. Bald will er seine erste Kollektion in Vaduz präsentieren.

In seiner Jugend fuhr Leonardo Anic oft Skateboard und hörte viel Hip-Hop, Rap und Rock. «Mein Bruder, meine Hobbys und meine Musik beeinflussten schliesslich auch die Art, wie ich mich kleidete», erzählt der 20-Jährige. «Auch habe ich mich schon früh damit auseinandergesetzt, was mich mit Glück erfüllt», so Anic. Da kam es ihm sehr gelegen, dass er zu Hause auf dem Dachboden eine alte Nähmaschine fand. Kurzerhand begann er, seine Kleidungsstücke selbst abzuändern oder neue zu schneidern. Auch besuchte er einen Nähkurs in der Stein Egerta, woraufhin seine erste Hose und die ersten Tops entstanden sind. Schnell wurde dem jungen Mann klar, dass er seine Botschaften gerne durch Textiles ausdrückt. 

Erster Lohn in Stoffe investiert
Nichtsdestotrotz absolvierte er in der Hoval in Triesen eine Lehre als Produktionsmechaniker, die ihm zwar gefiel, aber auch viel abverlangte. «Ich musste mich durch die Schule kämpfen, die nur wenig auf die Schüler einging.» Das verdiente Geld setzte er ein, um Stoffe zu kaufen, aus denen er neue Kleider schneiderte. «Mein Ziel nach der Lehre war, mit einem Studium in Modedesign zu beginnen», erzählt Anic. Für die Bewerbung an der Hochschule stellte er unter anderem mithilfe von Freunden ein Portfolio mit eigenen Kreationen zusammen. Er bewarb sich an der F + F Schule für Kunst und Design in Zürich und begann im Sommer 2018 mit dem Studiengang Modedesign. «Natürlich hätte es auch grössere Schulen gegeben, doch Zürich und die F + F fühlten sich für mich gut an.» Am Anfang hätte er einige Schwierigkeiten gehabt, sich im Studiengang zurechtzufinden, doch jetzt gefalle es ihm sehr. 

Mechanik und Design vereint 
Das erste Studienprojekt sah vor, Gesichtsmasken, sogenannte Facekinis, zu entwerfen. Neben verschiedenen Semesterprojekten erhielten die Studenten Unterricht in Schnitttechnik, in der Kleidermanufaktur (Nähen), im Erstellen von Moodboards (Collagen und Bilderwelten, die die Stimmung des Designs ausdrückt), in der Farbenlehre wie auch in theoretischen Fächern. Für die erste Abschlusspräsentation mussten die Studenten eine Accessoire-Serie wie auch einen Look entwerfen. Dabei kreierte er eine Uniform und dazugehörige Accessoires wie eine Werkzeugtasche, ein Brustgeschirr aus Drahtseil, Leder und einem Magnet und eine Art Werkzeug-bund. «Dabei konnte ich gut meine Fähigkeiten aus der Lehre mit denen des Designstudiums kombinieren», so Anic. 

Sein aktuelles Projekt ist eine Kleinkollektion mit drei Looks. «Ein Kriterium war, dass die Looks von der Studienreise an die Dutch Design Week in Eindhoven inspiriert sein musste», so Anic. Zwei Eindrücke seien ihm geblieben: Erstens die Unterschiede in der niederländischen Architektur zwischen Tradition und Moderne, welche er später durch die Recherche als Teil der Gentrifizierung verstand. Als Gentrifizierung bezeichnet man dabei den sozioökonomischen Strukturwandel grossstädtischer Viertel durch eine Attraktivitätssteigerung zugunsten zahlungskräftigerer Eigentümer und Mieter als zuvor und deren anschliessenden Zuzug. Zweitens beeindruckte ihn der Prozess des Weiterentwickelns, unter anderem das Upcycling; das heisst, aus Weggeworfenem neue Gegenstände zu entwickeln. «Bei mir braucht es immer Zeit, bis sich für mich etwas Sinnhaftes herauskristallisiert», erklärt Leonardo Anic. Ihm sei wichtig, dass hinter seinen Textilien eine Botschaft und ein überlegtes Konzept steckt. Daher steckt er auch viel Zeit in seine Recherchen. So trägt sein aktuelles Projekt den Titel 
«V-kK-GWW» und steht für Vision-kleinKollektion-Gentrifizierung-Wandel-Weiterentwicklung. Eine zweite Bedingung für das Projekt war die Verwendung von sechs Metern Gaberdine, einem festen, beigen Baumwollstoff. Diesen hat Anic bei seinen Looks vor allem als Bindeglied eingesetzt; zum Beispiel um die Tasche aus Gips und einem metallenen Wabengitter zusammenzuhalten oder für den Binderock, dessen Stoffe er aus seinem älteren Projekt «Vision-KunstKleid-unMENSCH» nahm und weiterverwendete. 

Normen in der Branche brechen
Der zweite Look dreht sich um die verschiedenen Rollen der Gentrifizierung, die Anic zusammenbringen wollte. So besteht das Kleidungsstück aus Teilen eines Anzugs (für den Investor), eines Fischernetzes (für die Subkultur der Punks) und einer Arbeitshose (für die Bauarbeiter). Dabei wurde der Blazer in Beton getunkt, um auf die Aufwertung durch Beton und im entfernteren Sinne durch die entstandenen Brüche und Risse auf die Zerstörung hinzuweisen. Als Accessoire diente Anic zu diesem Look ein Einkaufswagen, um eine mögliche Extremsituation der Zukunft zu visualisieren, die «Stadtnomaden». Zu seinem dritten Look inspirierte Anic die Synthese der Gentrifizierung und der Weiterentwicklung; also der Wandel. «Dieser Look wurde komplett aus Gabardine genäht, deshalb nahm ich als Referenz für die Formen Kleider, die aus Gabardine genäht werden: Anzüge, Mäntel, Kleider und Sporthosen.» Diese setzte er gezielt zu neuen Formen zusammen, um Normen in der Bekleidungsbranche zu brechen, so der angehende Designer. Unter anderem entstand dadurch eine Art Hosen-Rock-Sakko.

Bei seinen Kreationen vermischt Leonardo Anic häufig die Grenze zwischen Kunst und Design. «Für mich ist Modedesign sehr interdisziplinär. Dabei spielen viele verschiedene Bereiche der Gestaltung zusammen», erklärt Anic. Diese Abwechslung sei es auch, die ihm an seinem Berufswunsch am meisten gefalle. Auch in Zukunft möchte Anic in dieser Richtung weitermachen. Um sich einen Eindruck von Leonardos Kunst zu machen, präsentiert er – sobald es die Situation zulässt – seine drei Looks in einer Installation im Erna-Mündle-Haus in Vaduz. (mk)

24. Apr 2020 / 12:51
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