• ca. 1980
    Dort, wo das TaKino an der Zollstrasse in Schaan steht, das zwar mittlerweile auch die Türen geschlossen hat, war einst das Kino Apollo. Diese Aufnahme stammt etwa aus dem Jahr 1980.

«Nichts wird das Kino verdrängen»

Morgen erscheint das «Vaterland» wieder mit dem KuL. Pünktlich zur Eröffnung des neuen Kinos in Schaan mit einem Streifzug durch die Geschichte des Kinos. Denn in den 50er- und 60er-Jahren hat es in Liechtenstein gleich mehrere Kinos gegeben, die allesamt einen Boom erlebten. Zu einer Zeit, in welcher die Kinos europaweit bereits eine erste Flaute erlebten. Markus Wille ist sich bewusst: «Das Kino wird hierzulande nie mehr diesen Publikumszulauf haben, wie es einst einmal hatte. Dennoch ist er überzeugt: «Einen kompletten Ersatz wird es in Zukunft auch nicht geben».

Alle sitzen gemeinsam in einem Raum, lassen sich im Dunklen in die Sessel sinken, sehen – mit oder ohne Popcorn – alle in die gleiche Richtung: Nach vorne auf die grosse Leinwand. Obwohl es Kinos schon seit Jahrzehnten gibt – in Liechtenstein seit den 50er-Jahren – hat es diesen besonderen Zauber und das Gefühl einer eingeschworenen Gemeinschaft nicht verloren. Die Zahl der Kinobesucher hatte zwar mit den 80er-Jahren abgenommen, wofür hauptsächlich das Aufkommen des Heimvideos (VHS, DVD) und des flächendeckenden Videoverleihs verantwortlich war. Dennoch ist der Kinobesuch für viele noch immer ein Erlebnis geblieben. Die Erklärung dafür ist einfach: Filme sind ein Erlebnis. 
«Auch wenn die neuen Technologien eine Bedrohung für das Kino darstellen mag, wird es den Kinos nie an Besuchern fehlen», ist sich Markus Wille sicher. Allerdings mit dem Unterschied: «Man muss als Kinobetreiber weitaus mehr bieten als früher.» Das Publikum muss sich auf eine komplett funktionierende Infrastruktur, auf gute Atmosphäre und eine spannende und kreative Programm­gestaltung verlassen können. Einerseits hat dies marketingtechnisch Konsequenzen, andererseits müssen auch Spezial­events, zu denen beispielsweise Regisseure eingeladen werden, im Angebot sein. Die Zeiten haben sich also auch für Kinobetreiber geändert. Aber nun einmal ein Blick zurück in die Filmgeschichte. 

Erster abendfüllende Film: 1926
Die Vorgänger des Kinos waren Schaubuden und Panoptiken auf Jahrmärkten. 1895 wurde der weltweit erste kommerzielle Film im Bioskop-Format im Berliner Wintergarten aufgeführt. Bis in die 1920er-Jahre entstanden in den Grossstädten Kinopaläste, die den Theatern und Opernhäusern nachempfunden waren. 1927 kam mit «The Jazzsinger» der erste abendfüllende Spielfilm mit Ton zur Aufführung. Innerhalb von nur wenigen Jahren rüsteten die Kinos von Stummfilm auf Tonfilm um. «Viele Stummfilm-Stars waren danach weg vom Fenster», weiss Markus Wille. «Mit dem Ton änderte sich die Mimik, die Gestik, überhaupt der gesamte Inhalt und nicht alle Schauspieler haben diesen Sprung geschafft.»  

Keine feste Installation
Seit den 1930er-Jahren war das Kino als Unterhaltungs- und Bildungsinstitution vor allem in den Städten der Welt etabliert. Ab den späten 1950er-Jahren kam es durch die zunehmende Verbreitung des Fernsehens zu einem Rückgang der Besucherzahlen und in der Folge zu einem Kinosterben. Eine Zeit, in der die Kinos in Liechtenstein hingegen erst zu boomen begannen. 
Die ersten Filmvorführungen in Liechtenstein gab es um 1908 in den Wirtshäusern Linde in Schaan und Sternen in Triesen. Ab 1918 bis Anfang der 1930er-Jahre gab es regelmässige Kinovorstellungen in diversen Wirtshäusern, so im «Rössle» in Schaan, im «Freihof» in Mauren und im «Adler» in Vaduz, ab 1932 in der dafür umgebauten Vaduzer Turnhalle. «Es war keine feste Installation, auf einer Leinwand wurde so quasi eine Wochenshow gezeigt.» Das Kino damals hatte vielmehr die Funktion eines frühen Fernsehens und beinhaltete Nachrichten mit Zeitverzögerung. 
1944 entstand mit dem Kino Vaduz (bis 2006) das erste eigens gebaute Kino. Es folgten das Kino im Café Freihof in Mauren (1944–55), das Kino Rex in Eschen (1955–70), das spätere Tiffany, das Schlosskino in Balzers (seit 1958) und das Kino Apollo in Schaan (1960–86)
Auch über dem Rhein fand das Kino Anklang: Gegenüber vom Bahnhof in Buchs eröffnete zu jener Zeit das Kino Leuzinger und schliesslich auch das «Kiwi Castels» in Sargans. «Nach und nach hat das Kino eine andere Funktion bekommen», so Markus Wille. 

Traumfabrik Hollywood
Auch in Übersee hat sich einiges getan: Von Jahrzehnt zu Jahrzehnt wurde Hollywood immer riesiger. Übrigens: 1919 gründete Charlie Chaplin zusammen mit Mary Pickforde, Douglas Fairbanks und David Wark Griffith die Filmgesellschaft United Artists. Charlie Chaplin gehört somit zu den Gründervätern der US-amerikanischen Filmindustrie – der sogenannten Traumfabrik Hollywood. Und auch in Frankreich entwickelte sich eine grosse Filmindustrie – «mehrere neue Stilrichtungen des Films gingen von Frankreich aus», so Markus Wille. 

Science-Fiction-Boom
Was die Filme selbst anbelangt, fand die fantastische Welt schnell grossen Anklang und so gehört Science Fiction zur Kinogeschichte von Anfang an dazu. Unter Filmkennern ist der Roman des französischen Autors Jules Verne bekannt: Von der Erde zum Mond. Es handelt sich um ein frühes Werk des Science-Fiction-Genres, das die Mondfahrt um etwa hundert Jahre vorwegnimmt. Allerdings ging es dabei vor allem noch um die Vorbereitung des Abenteuers. 
«Neben der Funktion als Unterhaltungsmedium haben Regisseure im Film auch immer wieder Grenzen ausgelotet»,  sagt Markus Wille. Filme wie «A Clockwork Orange», «Salò o le 120 giornate di Sodoma», «The Life of Brian» oder auch in neuerer Zeit «Nympomaniac» haben provoziert und zum Teil lang anhaltende Diskussionen ausgelöst. «Sie sind aber selten geworden.“

Angst vor Riesenkrake Disney
«Das Kino wird nie mehr Publikumzulauf haben wie in den 50er- oder 60er-Jahren, ist aber nach wie vor eine relevante Kunstform», ist Wille überzeugt. Ebenso sicher aber ist er auch: «Einen kompletten Ersatz wird es nicht geben.» Denn etwas dominiere die Kinogeschichte noch heute: «Die Faszination an diesem ganz besonderen Filmerlebnis.» Daran werde auch Netflix, das US-amerikanische Unternehmen, das sich mit dem kostenpflichtigen Streaming und der Produktion von Filmen und Serien beschäftigt, nichts ändern, glaubt Markus Wille. «Streaming Plattformen wie Netflix oder Amazon sind zu globalen Playern geworden, die auch die Anerkennung beim Kinopublikum erhalten. Aus diesem Grund werden immer mehr Filme von Streaming-Diensten auch im Kino gestartet.» Netflix  vermöge das Kino allerdings nicht zu zerstören – «es gibt eine Übersättigung an digitalen Möglichkeiten.» Die «Riesenkrake Disney» mache ihm grössere Sorgen. «Meiner Meinung ist das US-amerikanische Medienunternehmen weitaus die grössere Gefahr für die Kinos.» Aber dennoch: Markus Wille bleibt optimistisch. «Es wird nichts geben, was das Kino einst komplett verdrängen wird.» 

Wie es mit dem Schlosskino Balzers weitergeht, steht noch in den Sternen, ebenso noch keinen definitiven Startschuss gibt es für das Kino Vaduz, das nach elf Jahren wieder eröffnen möchte. Fest steht aber: Am Samstag eröffnet das «SKino» im Zentrum von Schaan. Um 14 Uhr werden Markus Wille vom «SKino», Roman Banzer vom Literaturhaus Liechtenstein, Hansjörg Quaderer vom Antiquariat und Bernadette Kubik-Risch, Omni, Bücher, Spiele und mehr die Gäste begrüssen. Auch die kleinen Gäste sind herzlich willkommen: Um 14.30 Uhr steht Kino für Kinder auf dem Programm. Ab 15 Uhr gibt es stündlich bis 18 Uhr Bilderbuchgeschichten von der lustigen Kuh Liselotte. Parallel dazu spricht um 15.30 Uhr Roswitha Schädler-Risch über ihr neues Buch «Allerlei Erlebtes». Um 16 Uhr gibt es Kino für Familien und Kinder. Um 18 Uhr steht der Film «Blinded by the Light» von Gurinder Chadha auf dem Programm und um 20 Uhr der Top-Streifen «Once upon a Time in .... Hollywood» von Quentin Tarantino. 
Musikalisch wird die «SKino»-Eröffnung von Beth Wimmer begleitet und für den kulinarischen Genuss sorgt «Olgas Strossakoche». Während des ganzen Tages wird eine Trailer-Show gezeigt. (bfs)
 

29. Aug 2019 / 17:27
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