• Schaan.
    Während von Weitem die Tiere gut zu erkennen sind, ergeben die bunten Flecken von der Nähe betrachtet ein abstraktes Muster.  (Paul Trummer)

Unkompliziert und wohlwollend

Anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums werteten Schüler des Heilpädagogischen Zentrums (HPZ) in Schaan gemeinsam mit Künstler Didi Fromherz von der Kunstschule in Nendeln die Tiefgarage des Schul-, Therapie- und Verwaltungsgebäudes des HPZ künstlerisch auf. Eine gelungene Zusammenarbeit auf allen Ebenen, wie sowohl Barbara Nüesch vom HPZ wie auch Martin Walch von der Kunstschule betonen.

Seit 2012 ist die Sonderpädagogische Tagesschule des HPZ in einem Neubau in der Kresta in Schaan untergebracht. «Es war bei uns schon lange ein Thema, die Tiefgarage zu verschönern», erklärt Barbara Nüesch, Schul- und Therapieleitung des HPZ. Die erste Idee sei gewesen, gemeinsam mit den Kindern die Säulen der Tiefgarage zu bemalen. Doch diese Idee sei bis heute nicht umgesetzt worden. Anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums des HPZ im Jahr 2017 ging die Institution mehrere Kooperationen ein, so auch mit der Kunstschule Liechtenstein. «Da war der Zeitpunkt gekommen, unser Tiefgaragenprojekt in Angriff zu nehmen», so Nüesch.

Ein Gemeinschaftsprojekt
Mit der Idee, die Lichtschächte in der Tiefgarage zu gestalten, gingen die HPZ-Verantwortlichen auf die Kunstschule zu. Bei einem Augenschein vor Ort wurde die Idee mit Kunstschuldirektor Martin Walch, Künstler Didi Fromherz, Barbara Nüesch und Werklehrer Kurt Pfanner genauer besprochen. «Unsere einzige Bedingung war, dass alle Kinder und Jugendlichen der Tagesschule mitmachen können», erklärt Barbara Nüesch. So arbeitete Didi Fromherz mehrere Konzepte aus, die er der Lehrerschaft des HPZ präsentierte. «Ich wollte mit meinen Ideenskizzen ein weites Feld an Gestaltungsmöglichkeiten abstecken. Deshalb habe ich fünf Konzepte entwickelt, die die Qualitäten der Situation in der Tiefgarage auf unterschiedliche Arten einsetzen: Eines der Konzepte nutzte beispielsweise das Potenzial der Bewegung beim Vorbeifahren aus, um eine optische Täuschung hervorzurufen. Ein anderes ging von der speziellen Lichtsituation der Liftschächte aus, und sollte vorgehängte Tier-Silhouetten durch Farbeffekte in Szene setzen», so Fromherz. 

Phänomen der Tarnung
Die Lehrerschaft des HPZ entschied sich für das Projekt, das sich mit dem Phänomen der Tarnung im Tierreich auseinandersetzt. Um alle 92 Schüler schon früh in das Projekt einzubeziehen, beschäftigten sie sich mit dem Thema der Tarnung im Tierreich und jede Klasse durfte zwei Tiere aussuchen, welche sie gerne auf den Tiefgaragenwänden hätte. Bilder der ausgewählten Tiere wurden in der Schule aufgehängt und konnten fortan mit Punkten bewertet werden. Die Wahl fiel auf eine Katze, einen Polarfuchs, Löwen und Panther. Im November 2018 präsentierte Didi Fromherz die ausgearbeiteten Motive für die ersten beiden Bilder, deren Umrisse die Oberstufenschüler mittels Beamer vor Ort auf weiss grundierte Holzplatten übertrugen. Die einzelnen Bestandteile der 3,6 mal 2,5 Meter grossen Motive wurden zum Weiterbearbeiten wieder auseinandergenommen und während einer ganzen Woche von den verschiedenen Klassen bemalt. «Die Schüler hatten eine grosse Freude am Projekt», erklärt Barbara Nüesch. Zur Musik füllten sie unzählige Flächenkonturen mit Pinsel und Farbe aus. Während manche Schüler eigenständig die vorgezeichneten Umrisse ausfüllen konnten, brauchten manche der Schüler Hilfsmittel oder Unterstützung beim Führen der Hand. «Aufgrund der Tarnmuster hat man auch lange nicht gesehen, was genau man malte», erklärt Nüesch. Es gab einfach Bereiche, die für die hellen Farbtöne vorbestimmt waren und solche für die dunklen Farben. Erst beim Zusammenfügen kam die Wirkung des Kunstwerks zur Geltung. Vor der Montage wurde das Kunstwerk während einer Woche im Foyer präsentiert. Anschliessend befestigten die Schüler der Ober- und Mittelstufe gemeinsam mit ihrem Werklehrer die einzelnen Bestandteile an den Wänden der Tiefgarage. «Dabei kam die Frage auf, wieso die Werke nur in der Tiefgarage und nicht im Schulbereich aufgehängt werden», erzählt Barbara Nüesch. Um einen Kompromiss zu finden, werden demnächst Fotoabzüge der Kunstwerke im Innenbereich aufgehängt.  

Gegenseitige Wertschätzung
«Da das Projekt bei allen Beteiligten so gut angekommen ist, haben wir das Kunstwerk im Herbst 2019 um zwei weitere Tiere ergänzt», so Barbara Nüesch. Während einer weiteren Woche kamen so vier Löwen und ein Panther dazu. Seither verschönern die farbigen Motive die graue Tiefgarage und tragen einiges zu einer besseren Atmosphäre bei. Ob in Zukunft wieder ein Projekt mit der Kunstschule angedacht ist? «Die Säulen wären noch frei», schmunzelt Barbara Nüesch. Die Zusammenarbeit sei auf allen Ebenen sehr unkompliziert und wohlwollend gewesen. Auch die gegenseitige Wertschätzung war sehr gross. «Und Didi Fromherz konnte sehr gut auf die Kinder eingehen.» Da steht einer erneuten Zusammenarbeit nichts mehr im Wege. (mk)

27. Feb 2020 / 17:38
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