• Ideenkanal Fuckup Night in Schaan
    Roman Eggenbergers Auftritt beim Ideenkanal leitete bei ihm erste Veränderungen ein.  (Daniel Schwendener)

Vom Banker zum Gastgeber

Was soziale Innovationsprogramme wie der Ideenkanal alles auslösen können, zeigt die Geschichte von Roman Eggenberger, der ab dem kommenden Sommer mit seinem «Granville Café» sowie einer mobilen Kulturbühne durch die Dörfer Liechtensteins zieht.

Bis letztes Jahr arbeitete Roman Eggenberger noch in der Finanzindustrie und dies seit seiner Lehre. Doch im Jahr 2017 haben ihn zwei Ereignisse dazu gebracht, seine Lebenspläne komplett über Bord zu werfen. Das erste einschneidende Erlebnis war sein Auftritt bei der «Fuck-up-Night» beim Ideenkanal 2017 und das zweite die Teilnahme an einem «Narren-Workshop» in Südfrankreich. Dort habe er gelernt, sich möglichst von eigenem Ballast zu befreien, um als Narr anderen den Spiegel vorhalten zu können. «Ich habe noch nie so viel gelacht und so viel geweint wie in dieser Woche», sagt Roman Eggenberger rückblickend. Dort habe er auch sein Bewusstsein geschärft, was er in seinem Leben wirklich machen möchte. Und die Idee, mit seinem Jugendfreund Kurt Ospelt ein mobiles Café zu eröffnen, wurde immer konkreter. 

«Dauert so lange, wie es dauert»
Vor einem Jahr fiel der Entscheid, einen alten Lieferwagen zu kaufen und diesen zum mobilen 
Café umzurüsten. Nach längerer Suche stiessen sie in England auf ein Modell, das ihren Wünschen entsprach und das sich für einen Umbau als Foodtruck gut eignete. «Der ausgewählte Mechaniker wollte den Bus jedoch gar nicht restaurieren, weil er in einem so schlechten Zustand war», erzählt Eggenberger. Kurzerhand tausch-te der Autohändler den ursprünglich verkauften Bus gegen einen anderen aus, dessen sich der Mechaniker schliesslich annahm. Als sie die Werkstatt und ihren Bus im Oktober 2018 in England besichtigten, fragten sie den Mechaniker nach der Restaurationsdauer. Dieser habe nur gesagt: «Es dauert so lange, wie es dauert». Mittlerweile ist der Bus generalüberholt und auch mit einer kompletten Inneneinrichtung mit Wasser, Kühlschrank und Bar ausgestattet. Zu Hause wartet nur noch die Kaffeemaschine sehnsüchtig darauf, im Bus installiert zu werden. 

Mobile Kulturbühne
Als die Umsetzung des Foodtrucks bereits lief, besuchte der Vaduzer die Trilogie von «Beck und Biedermann» im TAK. In den Pausen wurden die Gäste durch ein Foodtruck-Team verpflegt. «Die Kombination von Bühne und Truck hat mich sofort inspiriert», erzählt Eggenberger. So ergab sich für ihn als logische Ergänzung zu seinem Café-Bus, einen Anhänger als mobile Kulturbühne umzubauen. Als Roman Eggenberger seinem ehemaligen Arbeitskollegen Thomas Beck die Idee erzählte, war er sofort begeistert und sicherte den Initianten zu, das Kulturprogramm mit den Schwerpunkten Schauspiel, Musik und Literatur zu kuratieren. «Zudem möchten wir die Idee eines liechtensteinischen Geschichtenerzählfestivals weiterentwickeln und konkretisieren.» Auch TAK-Techniker Gabriele Manco versprach seine Mithilfe und sagte zu, sich um die Ton- und Lichttechnik zu kümmern. «Am letzten Tag vor Anmeldeschluss haben wir diese Idee beim Ideenkanal eingereicht», erzählt der Initiant. Bei der Förderplattform schien die Idee anzukommen, denn «die kleinste Bühne Liechtensteins auf Rädern» kam in die Auswahl der besten zehn, für die Ende März nun ein 45-tägiger Crowdfunding-Prozess startet. Mit dem Erreichen des ersten Finanzierungsziels würde die Grundausstattung und Renovation des Kulturanhängers realisiert, mit dem zweiten würde zusätzlich eine professionelle Ton- und Lichttechnik auf der Bühne installiert.

Erste Termine schon gebucht
Das eine führte zum anderen, sodass sich Roman Eggenberger seit Kurzem voll und ganz auf seine neuen Projektideen fokussiert. Ursprünglich war das mobile Café mit Kulturbühne nur als Hobby gedacht, dem sie an den Wochenenden frönen wollten. Doch als Roman Eggenberger nach einem Monat Auszeit in sein Büro zurückkehrte, habe dies kaum jemand bemerkt. «Dann habe ich mir gedacht, wenn es niemand realisiert, wenn ich einen Monat weg bin, kann ich ja ganz wegbleiben», erzählt der Ex-Banker und kündigte seinen Job. Die ersten Aufträge (vorerst nur mit dem Bus) haben sich die Macher des Granville Cafés schon gesichert. Anfang Mai schenken sie ihren ersten selbst gebrauten Kaffee beim Slow-up in Vaduz aus und Mitte Mai werden sie das Programm zur Ausstellung «Arbeit im Wandel der Zeit» im Gasometer in Triesen begleiten. Im Sommer ist es dann so weit und die Kulturbühne wird mit einem Theaterspektakel an einem idyllischen Platz in der Region eröffnet. «Wir möchten jeden einzelnen Anlass so gestalten, dass es uns gelingt, mit der Auswahl des Künstlers und Durchführungsortes, der beschränkten Zuschauerzahl und dem kulinarischen Rahmenprogramm jeweils ein Erlebnis zu schaffen», so Eggenberger voller Vorfreude. (mk)

Granville Café: 
5. Mai: Slow-up in Vaduz
10. Mai: Gasometer Triesen

01. Apr 2019 / 16:13
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