• Als Verantwortlicher für die Produktion hinter der Bühne besteht Marc Konrads Arbeit hauptsächlich darin, den ganzen Ablauf sauber zu planen und schliesslich dafür zu sorgen, dass dieser Plan auch so umgesetzt wird.  (Picasa)

Von Fenchelhonig und einem Life-Heiratsantrag

Seit sechs Jahren ist Marc Konrad beim Life-Festival für die Produktion und Technik hinter der Bühne zuständig. So schnell bringt ihn dabei nichts aus der Ruhe – abgesehen von jenem Moment, als er vor seiner Liebsten auf die Knie ging …

Interview: Bettina Stahl-Frick

Herr Konrad, Sie sind beim Life-Festival für die Produktion, beziehungsweise für die Technik hinter der Bühne verantwortlich. Geben Sie uns doch einmal einen Blick hinter die Kulissen!
Marc Konrad: Meine Arbeit besteht grösstenteils darin, den ganzen Ablauf sauber zu planen und schliesslich auch dafür zu sorgen, dass dieser Plan auch so umgesetzt wird. Sobald die Verträge mit den Künstlern unterschrieben sind, bekomme ich die entsprechenden Unterlagen, in denen unter anderem auch die Anliegen der Künstler festgehalten sind. Es werden Kontakte geknüpft mit den Technikchefs und den Tourmanagern – und die Diskussionen beginnen: Was wünschen die Künstler konkret und was können wir auch angesichts der Platzverhältnisse im SAL um­setzen? In der heissen Phase geht es dann darum, einen Plan zu erstellen, wann welche Band ihr Equipment aufbaut. Dabei achten wir darauf, dass es so wenige Lücken wie möglich gibt, damit keine langen Umbauphasen entstehen. Ich habe ein tolles Helferteam hinter mir, ansonsten wäre dies gar nicht möglich, alles sorgfältig zu bewältigen. Nicht zuletzt gilt es auch noch, die kulinarischen Wünsche der Künstler zu berücksichtigen und natürlich ihre Anreise, Unterkunft und alles drum und dran zu organisieren. 

Wie aussergewöhnlich sind denn die kulinarischen Wünsche der Künstler? Einst soll zum Beispiel – damals noch im Rahmen des Open-Air-Festivals «Little Big One» – Joe Cocker einen ganz speziellen Whiskey verlangt haben, den man Gerüchten zufolge hat einfliegen lassen müssen …
Grundsätzlich dürfen wir nicht sagen, welcher Künstler was verlangt hat. Sei es der technische Bereich oder rund um das Catering – in Verträgen ist darüber Stillschweigen vereinbart. Ich kann aber sagen, ich bin nun das sechste Jahr mit von der Partie und in dieser Zeit habe ich noch keinen Künstler erlebt, der aussergewöhnliche Wünsche hatte. Etwas speziell war vielleicht, dass wir für eine Band vor Jahren Fenchelhonig besorgen sollten. Diesen Wunsch konnten wir aber nicht erfüllen – die Musiker kamen trotzdem. Wir versuchen grundsätzlich, möglichst alle Wünsche zu erfüllen. Das ist unsere Visitenkarte, die das Festival schliesslich auszeichnen soll.   
Auszeichnen soll das Festival also auch ein reibungsloser Ablauf vor und hinter der Bühne. Klingt nach einer nervenaufreibenden Aufgabe ...
Es geht – wenn’s losgeht, läuft es eigentlich ziemlich nach Plan. 

Oder Sie lassen sich einfach nicht aus der Ruhe bringen?
Ja, das auch. Denn das Team arbeitet sehr gut zusammen, man kann sich auf jeden Einzelnen verlassen. Allfällige Probleme werden gemeinsam gelöst. Und: Je ruhiger man an die Sache geht, desto genauer lässt es sich arbeiten. 

Klingt vernünftig – abgesehen von der Arbeit: Wie nahe kommen Sie an die Künstler ran?
Durch meine Tätigkeit im Back­stage-Bereich habe ich schon den einen oder anderen Künstler live getroffen. Allerdings gibt es auch Musiker, auf die ich mich unheimlich gefreut habe, ihnen aber weder Backstage begegnet bin, noch sie auf der Bühne gesehen habe, weil ich gerade beschäftigt war. 

Zum Beispiel?
Unter anderem habe ich Albert Hammond verpasst. Schade, aber das kann es geben, schliesslich möchte ich ja meine Aufgabe zu aller Zufriedenheit erledigen. 

Was bleibt aus den vergangenen sechs Jahren für Sie unvergessen in der Life-Festival-Geschichte?
Da gibt es mehr als nur ein Erlebnis. Das Prägendste war sicher der Heiratsantrag, den ich mit Hilfe von «Revolverheld» meiner Frau gemacht habe. Erst war Johannes, der Sänger der Band, von meiner Idee nicht so begeistert. Er meinte aber, dass er es sich durch den Kopf gehen lasse. Er bot mir an, mit ihr beim Soundcheck dabei zu sein. Das letzte Lied spielten sie für uns: Ich lass für dich das Licht an. Am Ende des Songs sagte der Sänger: Kommts mal her, ihr zwei! Dann ging’s los … ganz ehrlich: Ich war so richtig, richtig nervös!
Die Anspannung legte sich dann aber hoffentlich bei der Frage aller Fragen …
Wir sind heute verheiratet. Das heisst: Sie hat Ja gesagt!

Das Life-Festival wird für Sie also immer eine grosse Rolle spielen.
Ja, das ist so. Nicht zuletzt auch durch all die Bekanntschaften, die ich in den vergangenen Jahren gemacht habe. Gerade kürzlich war ich mit meiner Frau bei einem Tourmanager zu Besuch, den wir durch das Life kennenlernten. Es ist schön, wenn gewisse Verbindungen über das Festival hinaus bleiben. 

Wie laufen denn die Vorbereitungen für das Jubiläums-Festival?
Die laufen auf Hochtouren, aber alles in geplantem Rahmen. 

Hat es dieses Jahr besondere Herausforderungen gegeben?
Eigentlich verläuft alles wie in den vergangenen Jahren. Wir haben teilweise Produktionen von 23 Künstlern, die anreisen werden, bei «Revolverheld» waren es 32. So werden wir auch das managen. Aufgrund des Jubiläums-Festivals haben wir mit «Seven» und Gregor Meyle gleich zwei Stars, die für alle Besucher gratis im Aussenbereich spielen. Die Platzverhältnisse sind dadurch beengt, aber auch das ist kein Problem. 

Wie heisst denn Ihr persönlicher musikalischer Leckerbissen?
Der trägt dieses Jahr viele Namen. Meiner Meinung nach hatten wir noch nie ein so gutes 
Programm. Für mich jagt ein Highlight das andere, sodass ich gar niemanden herauspicken möchte. Kurzum: Dieses Jahr gibt es nur Leckerbissen!

Bevor Sie diese Leckerbissen aber auch geniessen dürfen, steht noch ein bisschen Arbeit an. Ein bisschen nervös?
Zugegeben, ein bisschen Anspannung kommt langsam auf. Ich bin froh, die Vorbereitungen dann endlich abgeschlossen zu haben. Dann wird aus Nervosität Freude. 

Und nach dem Life geht es dann in die wohlverdienten Ferien?
Zwei Wochen muss ich noch durchhalten, dann geht es ab in die Toscana. Einfach entspannen, die Sonne geniessen und jede Menge Schlaf nachholen. 
 

28. Jun 2019 / 07:00
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