• Hans Bärtsch in Mels
    Hans Bärtsch ist seit den Anfängen vor über 30 Jahren im Team des Alten Kino Mels und noch lange nicht müde.  (Daniel Schwendener)

«Wir hatten noch nie zu wenig Künstler»

Drei Jahre nach dem 30-Jahr-Jubiläum des Kulturlokals Altes Kino in Mels feierte dieses Jahr auch die den Verein tragende Stiftung ihr 30-jähriges Bestehen. Mit einem ausverkauften Benefizanlass mit Kabarettist Simon Enzler konnte die Stiftung fehlende Gelder für Sanierungsarbeiten generieren. Das Haus ist also gut im Schuss, der Verein auch? Ein Grund, um zurückzuschauen.

Inspiriert von einem Auftritt der Clownfrau Gardi Hutter in den Achtzigerjahren im Kleintheater Fabriggli in Buchs hatte eine Gruppe junger Studienabgänger des Lehrerseminars Sargans die Idee, im Raum Sargans ein eigenes Kulturlokal auf die Beine zu stellen. «Mich hat die Nähe zur Künstlerin im Fabriggli sehr beeindruckt», erzählt Gründungsmitglied Hans Bärtsch. Als die begeisterten Theatergänger mitbekommen haben, dass das ehemalige Kino in Mels leer steht, gingen sie auf den Besitzer zu und schon wenig später, 1986, konnte der junge Verein das Kulturzentrum mit einem Auftritt von Gardi Hutter eröffnen. 

Mit Kultursprung zu Südkultur
Von Anfang an hätte das Alte Kino viele Mitglieder gewinnen können, erzählt Hans Bärtsch. Natürlich gab es auch unsichere Phasen, doch konnte schon bald eine Trägerstiftung aktiviert werden, die die Infrastruktur übernahm, sodass der Verein sich voll und ganz auf das Programm konzentrieren konnte. «Bis die öffentliche Hand mit ins Boot stieg, hat es seine Zeit gedauert», so Bärtsch. Als wichtigen Schritt  bezeichnet der Programmleiter auch gerne den sogenannten Kultursprung des Kantons St. Gallen. Hauptverantwortlich für diesen war der neue Chef des Amts für Kultur, Hans Schmid, der dem kulturellen Schaffen in den Regionen mehr Bedeutung zuwies und dieses vermehrt förderte. Daraus entstand dann auch die Organisation Südkultur, die nicht nur die Zusammenarbeit zwischen den Kulturhäusern der Region stärkt, sondern das kulturelle Schaffen mitfinanziert. Dazu kam eine Leistungsvereinbarung mit dem Kanton. «Nun haben wir zwar viel mehr Papierkrieg, sind dafür aber auch längerfristig abgesichert», bilanziert Bärtsch. 

Züri West mit Schlafsäcken
In den vergangenen 30 Jahren hatte das Alte Kino Mels zahlreiche bekannte Musiker und Kabarettisten zu Gast – viele davon kamen nicht nur ein- oder zweimal, sondern alle paar Jahre wieder. «Es ist ein schönes Gefühl, wenn uns Künstler trotz ihres Erfolgs treu bleiben und weiterhin in kleineren Lokalitäten spielen», freut sich Bärtsch. Eine dieser Bands ist Züri West, die im Herbst 2017 nach zwölf Jahren wieder einmal im Alten Kino spielte: «Nach einem Managementwechsel sind wir lange Zeit nicht mehr an die Band rangekommen, doch jetzt hat es wieder einmal geklappt.» Noch gut erinnert sich der Programmleiter daran, als Züri West bei ihrem ersten Konzert im Alten Kino mit den Schlafsäcken anreisten und in der Wohnung oberhalb des Konzertsaals auf dem Boden schliefen. Genauso schön sei es jedoch auch, neue Künstler zu entdecken. Ein Beispiel dafür ist Marco Michel, der 2015 im Rahmen der Wahnsinnsnächte mit dem Einmannstück «Ein Kuss» im Alten Kino auftrat, und ein Jahr später gleich noch einmal. Nach seiner Teilnahme bei der Künstlerbörse Thun 2017 winkt ihm nun die Chance, an ein Off-Broadway-Theater in New York zu gehen. Um den letzten Schritt zu schaffen, brauchte Michel dafür diverse Empfehlungsschreiben, auch das Alte Kino konnte Michel damit dienen. «Nun sieht es gut aus, dass es klappt», freut sich Bärtsch für den Schauspieler. Es habe im Übrigen noch nie den Fall gegeben, dass zu wenig Künstler im Angebot gewesen wären. Das Schwierige bei der Programmplanung sei eher, aus den vielen Bewerbungen der Kleinkunstszene auszuwählen. 

Start mit Eigenproduktion
Während das Programm in den Anfangsjahren vor allem aus Gastspielen bestand, setzt das Alte-Kino-Team vermehrt auch auf Eigenproduktionen. Angefangen mit Weihnachtsproduktionen für Kinder ab fünf Jahren wuchs die Gruppe von potenziellen Schauspielern ständig. Aus diesem Kreis heraus entwickelte sich die Idee, auch für Erwachsene Theater zu machen. So wird seit einigen Jahren jeweils zum Saisonbeginn im September eine Eigenproduktion aufgeführt. Dieses Jahr ist es das 4-Frauen-Stück «Die Kunst des Interviews», das noch nie in der Schweiz gespielt wurde und auf eindrückliche Weise das Thema Demenz behandelt. Dass diese eigenen Stücke gut ankommen, zeigt die Verteilung der Besucherzahlen: Fast 50 Prozent aller Besucher gehen auf das Konto der Eigenproduktionen. 

Programm nicht zu fest füllen
In der kommenden Saison zeigt das Alte Kino Mels wieder einen Querschnitt durch die verschiedenen Genres «mit etwas mehr Musik wie auch schon». Mit Patric Scott, The Beauty of Gemina und Crimer sind auch drei lokale Grössen mit im Programm. Daneben treten auch sogenannte «Selbstläufer» wie Giaccobo & Müller, Hazel Brugger oder Bliss auf, die jeweils schnell ausverkauft sind. Die besondere Herausforderung dabei sei es, das Programm nicht zu stark zu füllen. «Wir haben die Regel, maximal eine Veranstaltung pro Woche einzuplanen», so Bärtsch. Dies aus dem Grund, weil alle Mitarbeiter ehrenamtlich arbeiten und 
jeder Anlass einen Abendverantwortlichen wie auch Techniker plus Helferinnen und Helfer im Bereich Kasse, Bar usw.  braucht. So stösst das kleine Kernteam schnell an seine Grenzen. Aus diesem Grund sind die Verantwortlichen auch auf der Suche nach neuen engagierten Mitarbeitern. «Besonders im technischen Bereich kann man bei uns auch viel lernen», so Bärtsch. 

Glückliche Gesichter als Lohn
Dass sich Hans Bärtsch und sein Team diesen grossen Aufwand Jahr für Jahr antun, hat für ihn einen einfachen Grund: «Das Einmalige und Schöne beim Organisieren von Veranstaltungen sind die glücklichen Gesichter nach den Aufführungen.» Das Ziel sei immer, dass nicht nur das Publikum, sondern auch die Künstler zufrieden sind. Auch freue ihn besonders, wenn sie positive Rückmeldungen erhalten, «manchmal auch von weit auswärts». Für die Zukunft erhofft er sich, dass es weiter möglich ist, im Alten Kino Kultur zu präsentieren und dass das Interesse des Publikums weiterhin bestehen bleibt. Und dass auch beim Publikum keine Ermüdungserscheinungen auftreten, dafür sorgt das Kino-Team mit ständigen Neuerungen: So findet am 25. Oktober erstmals ein Newcomer-Abend statt mit Künstlern, die kurz vor ihrem Durchbruch stehen. (mk)
 

01. Sep 2018 / 07:00
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