• Isa-Sophie Zünd Gamprin 160613
    Isa-Sophie Zünd begeistert immer wieder mit ihren Klavier-Konzerten. Die 16-Jährige wird in wenigen Wochen für ein Auslandsemester nach Neuseeland fliegen – und auch dort an ihren Fertigkeiten am Klavier weiterarbeiten.  (Daniel Ospelt)

«Ich merke nicht mehr, was in meiner Umgebung passiert»

Mit sechs Jahren begann Isa-Sophie Zünd, Klavier zu spielen, mit 13 Jahren trat sie bereits erstmals als Solistin auf. Im Interview erzählt sie von ihrer grossen Leidenschaft und ihren Plänen für die Zukunft.
Vaduz. 

Seit Sie sechs Jahre alt sind, spielen Sie Klavier. Wie sind Sie dazu gekommen?
Isa-Sophie Zünd: Das ist ziemlich unspektakulär. Ich komme nicht aus einer Musikerfamilie, aber mein Vater fand es sehr wichtig, dass wir Kinder ein Instrument lernen sollten. Ihm gefällt das Klavier besonders gut, also hat er mich zur Klavierstunde geschickt. Ich kann mich nicht mal mehr so richtig an den Anfang erinnern. Ich weiss nur noch, dass ich mich immer sehr gefreut habe, wenn ich eine gute Klavierstunde hatte oder ein neues Stück lernen durfte.

Was ist für Sie das Besondere am Klavierspielen?
Isa-Sophie Zünd: Das lässt sich nicht so einfach beschreiben. Wenn ich Klavier spiele, ist es für mich so, als ob ich in eine andere Welt abtauche. Wenn ich so richtig in der Musik drin bin, merke ich nicht mehr, was in meiner Umgebung passiert. Das ist hauptsächlich in Konzertsituationen so, wenn man einen gewissen Fluss im Spiel gefunden hat. Beim Üben zu Hause ist es anders, da macht mir einfach die Arbeit am Klavier Spass.

Gab es irgendwann einmal eine Konkurrenz zum Klavier?
Isa-Sophie Zünd: Nein, ich habe nie wirklich überlegt, etwas anderes zu tun als Klavier zu spielen.

Wie häufig üben Sie, um Ihr Niveau zu halten?
Isa-Sophie Zünd: Das ist von Tag zu Tag unterschiedlich. Je nachdem, wie lange ich Schule habe oder ob Wochenende ist. Durchschnittlich sind es zwischen drei und fünf Stunden pro Tag.

Bleibt da noch Zeit für andere Hobbys?
Isa-Sophie Zünd: Ich versuche, das irgendwo noch reinzuquetschen. Es zum Beispiel so, dass ich fast immer mit dem Fahrrad zur Schule fahre. Ich sitze sehr viel am Klavier und in der Schule, da brauche ich das zur Abwechslung. Das ist zwar manchmal nass und kalt, aber ich mache nur bei Gewittern eine Ausnahme. Am Abend mache ich gemeinsam mit meinem Vater Fitnessübungen und gehe joggen. Ansonsten lese ich sehr gerne, aber für viel mehr bleibt leider keine Zeit.

Gibt es irgendwelche Konzerte, die Ihnen speziell in Erinnerung geblieben sind?
Isa-Sophie Zünd: Da gibt es mehrere. Das erste richtige Solokonzert bleibt selbstverständlich immer in besonderer Erinnerung. Ich hatte sehr lange darauf hingearbeitet und es war ein sehr schönes Gefühl, als es endlich so weit war. Vergangenes Jahr im November konnte ich ein Haydn-Klavierkonzert gemeinsam mit einem Orchester spielen. Das Gefühl, mit einem Orchester zu spielen, ist ergreifend und eine schöne Abwechslung zum Pianistenalltag. Als Klavierspieler ist man normalerweise auf sich alleine gestellt und dem Publikum schonungslos ausgesetzt. Ein weiteres Highlight war der Meisterkurs letzten Sommer. Dieser fand in einem romantischen italienischen Küstenstädtchen statt und die Teilnehmerkonzerte dort waren insofern besonders, weil die ganze Atmosphäre gepasst hat. Im Anschluss daran sind wir Musiker um Mitternacht an den Strand Pizza essen gegangen. Das Gefühl nach einem gelungenen Auftritt ist immer total super, weil ein Gefühl der Erleichterung damit verbunden ist. Man hat es endlich hinter sich und ist wieder frei und offen für neue Stücke. Vor einem Konzert ist es meistens hektisch und ich bin unglaublich nervös. Erschwerend hinzu kommt noch, dass man nicht an seinem gewohnten Klavier oder Flügel spielen kann. Das ist wie wenn man ein Pferd reitet, das man nicht kennt. Einige Instrumente lassen sich – um bei der Pferdemetapher zu bleiben – leichter «zureiten» als andere. Schwierig wird es, wenn das Klavier verstimmt ist oder die Zusammenarbeit «verweigert». Andererseits gibt es aber auch richtig edle Instrumente, die fantastisch zu spielen sind und die man sich selber nie leis-
ten könnte.

Erhält man genügend Zeit, um sich an das Instrument zu gewöhnen?
Isa-Sophie Zünd: Bestenfalls hat man die Möglichkeit, sich vor dem Konzert eine halbe Stunde einzuspielen. Es ist aber auch schon vorgekommen, dass ich gar keine Einspielmöglichkeit hatte. Aber irgendwie geht das schon immer. Bisher zumindest. (lacht)

Suchen Sie sich die Stücke, welche Sie an einem Konzert spielen, selbst aus?
Isa-Sophie Zünd: Normalerweise macht mir meine Lehrerin Vorschläge, die einerseits in mein Repertoire passen und mich andererseits technisch und musikalisch weiterbringen. Wenn mir das Stück gefällt, dann nehm ich es. Beim Konzert vom vergangenen Wochenende war aber ein Intermezzo von Brahms dabei, das ich im Sommer am Meisterkurs gehört habe. Das hat mir so gut gefallen, dass ich es unbedingt auch spielen wollte. Da habe ich die Initiative ergriffen.

Wie lange brauchen Sie, um ein Stück zu beherrschen?
Isa-Sophie Zünd: Das hängt stark vom Werk ab. Ein Klavierkonzert mit 50 Seiten braucht natürlich länger als eine 4-seitige Fuge. Die Töne hat man meistens relativ schnell. Was aber Zeit braucht ist, herauszufinden, wie die Musik funktioniert. Das ist erst recht so, wenn man Literatur eines noch nie zuvor gespielten Komponisten erarbeitet. Einige Stü-cke spiele ich ein Jahr lang, die lege ich dann zur Seite, damit sie reifen können, ähnlich wie ein guter Käse.

In wenigen Wochen fliegen Siefür ein Auslandssemester nach Neuseeland. Können Sie dort trotzdem regelmässig üben?
Isa-Sophie Zünd: Ich glaube, ich habe die Organisation, welche den Aufenthalt organisiert, mit meinem speziellen Fall etwas unter Druck gesetzt (lacht). Zuerst dachte ich, dass Neuseeland etwas zu weit weg ist, aber es hat mich dann doch überzeugt, weil die Schule sehr ähnlich ist wie meine hier in Feldkirch. Ich habe Klavierstunden und normalen Unterricht. Ich vermute zwar, dass ich nicht ganz so viel üben kann wie hier zu Hause, aber die ausländische Schule erwartet doch, dass ihre Studenten täglich auf ihre ein bis drei Stunden kommen. Wenn ich dann dort nur dauernd Klavier spielte, wäre das wohl am Ziel vorbeigeschossen. Ich freue mich, dass ich zum ersten Mal alleine reisen darf und die Kultur, das Land und die «Kiwis» kennenlernen kann.

Was möchten Sie in Ihrer Musikkarriere noch erreichen?
Isa-Sophie Zünd: Nächstes Jahr werde ich wieder an nationalen Wettbewerben teilnehmen und ich würde gerne beginnen, auch an internationalen Wettbewerben dabei zu sein. Langfristig möchte ich das Klavierspielen zu meinem Beruf machen. Ich weiss aber noch nicht genau, wie ich das umsetze. Mein Wunsch wäre es, entweder Pianistin – wobei ich da eine unter unendlich vielen bin – oder Klavierlehrerin an einer Hochschule oder einem Konservatorium zu werden. Ich kann mir, ehrlich gesagt, nicht vorstellen, irgendetwas anderes zu machen.

24. Jun 2016 / 14:41
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistgelesen
04. Mai 2016 / 14:55
28. September 2018 / 11:37
Aktuell
28. September 2018 / 11:47
28. September 2018 / 11:37
02. September 2018 / 07:00
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...
Wettbewerb
Fussball 1. Runde UEFA-Qualifikation Rueckspiel FC Vaduz - FC Bala-Town
Zu gewinnen 3 x 2 Karten für das Spiel gegen FC Chiasso
02.10.2018
Facebook
Top