• Poolbar Festival, Feldkirch
    Seit 25 Jahren leitet Herwig Bauer das poolbar-Festival. Ein baldiges Ende scheint nicht in Sicht zu sein.  (Tatjana Schnalzger)

«Das sommerliche Wohnzimmer der lässigen Liechtensteiner»

Das poolbar-Festival im Alten Hallenbad in Feldkirch startet heuer in sein 25. Jubiläumsjahr hinein. Herwig Bauer, Gründer und Geschäftsführer der Musikveranstaltungsreihe, blickt auf ein aufregendes, buntes und etwas verrücktes Vierteljahrhundert zurück.

Von Nathalie Bagnoud

Anstelle eines Musikfestivals soll die Idee einer künstlerischen Sommerakademie anfänglich im Raum gestanden sein. Woher dieser Sinneswandel?
Herwig Bauer: Eine «künstlerische Sommerakademie» stand nicht nur im Raum, sondern war zunächst alles, was wir machten. Inspiriert von einem Glasblas-Kurs. Insgesamt 18 Workshops von Theater bis Malerei, von Grafik bis Film. Aber immerhin: Ein fettes Abschlussfest war geplant. Und es war geplant, dass die verschiedenen Workshops miteinander kooperieren und dass es jeweils einen gemeinsamen Grillabend mit Bier gibt. Gute Idee, fanden wir Organisatoren und haben vor allem viel Bier getrunken. Die Workshopteilnehmer nicht, die gingen immer gleich heim. Aber immer mehr Freunde und Freundesfreunde kamen abends, und es kam die Idee auf, eine «Rocky Horror Night» zu veranstalten. Mit Film, Bühnenbild, Musical-Tanz-Choreografien, Reiswerfen, einem Motorrad auf der Bühne – und Exzessen im kostümierten Publikum. 

Aber wann kam der Startschuss für das eigentliche Festival?
Dann kamen Schmutz und Pepi, der eine «Manager», der andere Gitarrist der Band «Flower», und fragten, ob ein Gig möglich wäre. War möglich – der ungeplante Startschuss für das spätere Festival war gefallen. Und Pepi war von da an 15 Jahre lang im Team und bescherte uns die Grafik, die das poolbar-Festival sehr stark geprägt und gepusht hat. Pepi spielte übrigens – 25 Jahre später – auch heuer beim «Poolbar Birthday Bash» mit seiner aktuellen Band.

Lief der erste poolbar-Abend reibungslos ab?
Es war alles ausgesprochen «hingezimmert», aber in Summe hat es wirklich gut funktioniert. Wir waren ja kein VIP-Club, sondern atmeten eher alle Do-it-yourself-Luft. Auch Band und Publikum fühlten sich – nicht unbedingt musikalisch, aber doch ideell – dem Punk verpflichtet. Unvergesslich der Sänger der Band, der sich im Vorfeld beim Infostand eines Sponsors, einer Bank, demonstrativ mit Werbegeschenken versorgte – seine Jogginghose war bis oben hin vollgestopft mit Kugelschreibern und unnützem Zeug: Oben war er spindeldürr, unten ein Michelin-Männchen.

Hört sich nach einem unvergesslichen Abend an! Was waren denn Ihre drei persönlichen poolbar-Höhepunkte im vergangenen Vierteljahrhundert?
Das erste grosse Konzert 1998 von Tocotronic in der Halle im Obergeschoss, das erste «poolbar auf der Wiese»-Open Air 2013, der Abend mit Eels in der Halle und davor im Pool die «Musik-Performance-Installation» mit neuer Musik, Chor, Ensemble und Klavier-Torsen. Die vielen Mitwirkenden interpretierten «Stabat Mater» von Pergolesi, bearbeitet von Gerald Futscher. Das brachte Welten zusammen und liess Tränen fliessen. Aber natürlich gab es auch immer wieder Konzerte, an die – und an mein Befinden währenddessen – ich mich wohl ein Leben lang erinnern werde, weil sie ausserordentlich bewegend waren: Zum Beispiel die Shows von «This will Destroy You», «Broken Social Scene» oder «Trouble Over Tokyo», um nur einige zu nennen.

Besuchen Sie persönlich andere Festivals, um sich inspirieren zu lassen?
Ja, klar, aber ehrlich gesagt viel zu wenig. Wir haben aber ein sehr engagiertes Team, das jährlich aktuelle Eindrücke aus der ganzen Welt mitbringt.

Was habt ihr für dieses spezielle Jubiläum auf die Beine gestellt? 
Bei unserer ganzen Grafikkampagne standen gar nicht so sehr die diesjährigen Headliner im Vordergrund, sondern Stories der vergangenen 25 Jahre, die wir auf Plakaten, Inseraten und
auch auf unseren Mehrwegbechern erzählten. Und am 21.Juli hatten wir den «poolbar Birthday Bash» – ein Fest für alle Wegbegleiter und aktuellen Gäste. Es spielten drei Bands aus unserem Freundeskreis, alle völlig unbekannt. Aber wir wurden überrannt, alle wollten mitfeiern.

Der Grossteil der 25. Jubiläums-ausgabe ist Geschichte, und rund 20 000 Besucher strömten in diesem Jahr ins Alte Hallenbad. Eine erfreuliche Bilanz?
Es war bisher das perfekte Jahr. Das wichtigste vorweg: Die Stimmung im poolbar-Team ist
toll, wir haben alles zuvorkommende, wohlwollende und engagierte Leute. Das poolbar-Architektur-Konzept samt Produktdesign und Street Art begeistert die Leute. Wir hatten bislang unglaublich viele ausverkaufte Konzerte und dank des schönen Sommers war unser «poolbar-Village»  im Park vor dem Alten Hallenbad immer sehr belebt.

Besuchen auch viele Liechtensteiner das poolbar- Festival? 
Das poolbar-Festival ist so was wie das sommerliche Wohnzimmer der lässigen Liechtensteiner.
Viel Lob soll es für die poolbar- Architektur sowie die Gestaltung generell gegeben haben. 
Kunst und gute Gestaltung sind  wichtige Eckpfeiler. Jährlich treffen sich im Februar Gestalterinnen und Gestalter aus dem deutschsprachigen Raum für zirka zehn Tage in Bregenz zum poolbar-Generator. Das ist ein Labor für Festivalgestaltung in den Bereichen Architektur, Grafik, Visuals/New Media, Produktdesign, Street Art und Public Art. In all diesen Bereichen erfindet sich das poolbar-Festival jährlich neu, denn die Konzepte aus den Labors werden auch umgesetzt. Das Musikfestival hält sich damit jung und am Puls der Zeit, und die Studenten erhalten teilweise für die Teilnahme ECTS-Punkte. Das ist also eine Win-Win-Situation für alle.

Wie lange wollen Sie noch Geschäftsführer des poolbar- Festivals bleiben? Haben Sie sich eine Deadline gesetzt?
Vor 25 Jahren habe ich begonnen und ich habe immer noch grosse Lust, die erfreulichen Entwicklungen weiter voranzutreiben. Wir haben uns sowohl organisatorisch als auch inhaltlich hohe Ziele gesteckt. Die zu erreichen, kann erfahrungsgemäss dauern. Ich bin optimistisch. 

31. Aug 2018 / 07:00
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